Konzert mit erschütternden Briefen von Kriegsteilnehmern / Nur 40 Zuhörer in der Aula

„Sind wir Tiere oder Menschen?“

Dr. Krolles Gymnasium und das Nordwestdeutsche Symphonieorchester hätten besseren Besuch verdient gehabt. - Fotos: Hägermann

Achim - Kriege, beginnend mit Hurra-Patriotismus und für Sieger und Besiegte meistens endend im kollektiven Leid, sind einträgliches Geschäft für Wenige und Trauma für Viele. Das gilt nicht erst seit dem Ersten Weltkrieg, der von 1914 bis 1918 dauerte. Doch dieser erste große Krieg war Keimzelle für das Elend des 20. Jahrhunderts, als Diplomatie häufig gering geschätzt wurde, aber Waffengewalt hoch.

Am Samstagnachmittag war der Erste Weltkrieg thematischer Mittelpunkt einer Veranstaltung in der Aula des Cato Bontjes van Beek-Gymnasiums. Initiiert worden war sie von Yvonne Sextroh, Lehrerin an der St. Johannis-Schule in Bremen, und Marcus Prieser, Leiter des Nordwestdeutschen Symphonieorchesters. Das Orchester spielte an diesem Nachmittag Werke von Reger, Hindemith und Elger. Kommentiert wurden die einzelnen Stücke von Dr. Oliver Rosteck, Musikwissenschaftler und ebenfalls Pädagoge an der St. Johannis-Schule. Gastgeber der Veranstaltung war Cato-Schulleiter Dr. Stefan Krolle.

In seiner Begrüßung erinnerte er an die Erzfeindschaft zwischen Franzosen und Deutschen. Bundeskanzler Adenauer und Präsident de Gaulle waren es, die nach dem Zweiten Weltkrieg die verhärteten Fronten aufweichten, später, in den 1980er Jahren, demonstrierten Präsident Mitterand und Bundeskanzler Kohl Freundschaft. Dies ist umso bemerkenswerter, wenn man den hohen Blutzoll beider Völker bedenkt.

Dr. Krolle sprach in diesem Zusammenhang beispielhaft von der Schlacht in Verdun, nach der niemand annehmen konnte, dass dort jemals wieder Gras wachsen würde.

Später trugen Dr. Krolle und Yvonne Sextroh aus den Briefen deutscher Kriegsteilnehmer vor.Diese Texte waren während des Ersten Weltkrieges geschrieben worden, wenige Jahre danach und sogar ein halbes Jahrhundert später. Darin ist von den Gräueltaten („Sind wir Menschen oder Tiere?“) die Rede, vom Betrug an einer ganzen Generation, von sinnlosen Opferstürmen und vom Versagen der Offiziere. Es ist weiterhin die Rede vom zermürbenden Stellungskrieg oder vom Lehm und den Leichen, die Lebende umwickelten, aber auch vom „Warten auf das frischfröhliche Jagen“

Zwei Schülerinnen und ein Schüler des Cato Bonjes van Beek-Gymnasiums lasen aus dem Buch „Die Hölle von Verdun“, in dem französische Soldaten ihre Kriegserlebnisse schildern. Auch sie sind „verwundet an Körper und Seele“, aber einige von ihnen nach einem halben Jahrhundert bereit, dem „mutigen Feind“ die Hand zu reichen. Ihr Urteil ist eindeutig: „Krieg ist ein Kollektiv-Verbrechen.“

Das Interesse an dieser Veranstaltung war gering. Gerade einmal 40 Zuhörer lauschten Musik und Texten. Dr. Stefan Krolle ficht derlei nicht an: „Wir werden uns zukünftig regelmäßig mit dem Thema Krieg beschäftigen.“

Kein Thema scheint derzeit aktueller und drängender.

J häg

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