Hauptschule veranstaltet zum Geburtstag ihrer Namensgeberin eine Projektwoche

Siebtklässler begeben sich auf die Spurensuche

Achim - Die Achimer Hauptschule trägt seit knapp einem Jahr den Namen von Liesel Anspacher. Und feierte gestern ein wenig den 92. Geburtstag der Jüdin, die 1942 im Alter von 18 Jahren in Weißrussland von Nazis ermordet worden war. Aber vor allem stellten die Schüler und Lehrer die Woche über durch unterschiedliche Projekte eine Verbindung zur Namensgeberin der Schule her. So suchten die Siebtklässler nach Spuren der jungen Liesel in Achim.

Beim gestrigen Präsentationsnachmittag im Forum der Schule berichteten Schülerinnen davon. „Wir haben die Orte in Achim besucht, an denen Liesel Anspacher war“, informierten sie im Beisein fast aller Klassen und Lehrkräfte. Der Rundgang führte zum Beispiel zur Eckstraße, wo das am 7. April 1924 geborene Mädchen zusammen mit ihren Eltern Carl und Lilli Anspacher und ihrem zwei Jahre älteren Bruder Günther gewohnt hatte. „Aber wir sind auch zum Bahnhof gegangen, von wo aus Liesel mit ihrer Familie am 17. November 1941 über Bremen nach Minsk deportiert wurde.“

Zum Abschluss dieser Erinnerungstour durch die Stadt besichtigten die Klassen 7a und b den jüdischen Friedhof, An der Eisenbahn. Gästeführer Manfred Drees, der sie dort empfing, achtete zunächst darauf, dass die männlichen Jugendlichen die religiöse Stätte mit Kopfbedeckung betraten, bevor er allen die Besonderheiten dieses Friedhofs näher brachte. So sind die Inschriften auf vielen Grabsteinen in deutscher und hebräischer Sprache abgefasst. Auch Verwandte von Liesel Anspacher wurden dort beigesetzt, zeigte und erläuterte Drees. Die letzten Bestattungen auf diesem 1865 angelegten Friedhof erfolgten Anfang der 1940er Jahre, danach gab es keine Juden mehr in Achim. Die Hauptschüler erfuhren auch, dass die Ruhestätte über viele Jahre vom Badener Wolf Wendel ehrenamtlich gepflegt wurde, jetzt erledigt das der Grünpflegetrupp der Stadt.

Die Klasse 10a berichtete im Forum von den Gesprächen, die sie mit Ruth Lindenberg, Mutter von Hauptschul-Bibliotheksleiterin Steffi Lindenberg, und deren Patentante geführt hatten. Die beiden Frauen waren im Zweiten Weltkrieg aus dem schlesischen Waldenburg im heutigen Polen gen Westen geflüchtet und mit dem Zug in Thedinghausen gelandet. „Beide hatten erschütternde Erlebnisse, aber schön, dass sie mit ihren 95 und 85 Jahren noch so fit und fröhlich sind“, fassten die Zehntklässler ihre Eindrücke von der Begegnung mit diesen „Zeitzeuginnen“ zusammen.

Die im Forum noch bis Ende kommender Woche aufgebaute Ausstellung „Geflohen, vertrieben – angekommen!? Aspekte der Gewaltmigration im 20. und 21. Jahrhundert“ des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge bot nicht zuletzt für die Sprachlernklasse an der Liesel-Anspacher-Schule eine passende Kulisse. Die Kinder aus Fllüchtlingsfamilien haben in Bildern, Collagen und Texten auf Plakaten einen Teil ihrer Leidensodyssee dargestellt. Ein Mädchen und ein Junge aus Syrien erzählten kurz vom Krieg in der Heimat und von der Flucht nach Europa – in gutem Deutsch, wofür sie viel Beifall erhielten.

Die achten Klassen weilten unterdessen in Bremerhaven. Sie besuchten dort das Auswandererhaus, wo das Thema Not, Elend und Flucht hervorragend präsentiert wird.

Zum Abschluss der Projektwoche sangen die Anwesenden im Forum symbolisch „Happy birthday to you, liebe Liesel“. Lehrer Steffen Schmidt-Engler begleitete den Gesang auf der Gitarre.

„Es ist nicht selbstverständlich, dass wir hier so schön feiern, frei die Meinung äußern und überhaupt frei leben dürfen“, fügte Rektor Dominik Lerdon am Ende noch an. „Nicht in der Vergangenheit und nicht in der Gegenwart, wie die aktuellen Flüchtlingsströme beweisen.“ - mm

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