Ahnenforschung zu Schauspieler Robert Dorsay

Von der Showbühne aufs Schafott

Autor Volkrat Stampa. - Foto: Duncan
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Autor Volkrat Stampa.

Achim - Von Lisa Duncan. In der Nazizeit war er ein Star: Robert Dorsay sang, tanzte und spielte auf den Kabarettbühnen der Reichshauptstadt Berlin. Im Film glänzte er, mal unter der Regie von Gustaf Gründgens, mal an der Seite von Heinz Rühmann, Luis Trenker oder Zarah Leander. Doch dann geriet ein von Dorsay unterzeichneter Brief mit satirisch zugespitzten Äußerungen gegen die menschenverachtende Hitler-Diktatur in die falschen Hände. Das kostete ihn 1943 sein Leben. „Es ging um sein Leben“ lautet auch der Titel des Buches, das Volkrat Stampa, der sich früher in der Achimer Kommunalpolitik engagierte, nun veröffentlicht hat.

Damit möchte der 77-Jährige auch auf einen von Robert Dorsays letzten Filmen anspielen, „Es geht um mein Leben“ ist dieser ironischerweise betitelt. Im Zuge von Ahnenforschungen, die Stampa seit vielen Jahren hobbymäßig betreibt, stieß er auf die schillernde Persönlichkeit Robert Dorsay – alias Robert Stampa – und dessen ergreifende Lebensgeschichte. Ein gemeinsamer Nenner der Beiden ist ihr Ururgroßvater: Friedrich Stampa aus Pommern.

Doch noch in anderer Hinsicht sind Stampas und Dorsays Lebenswege auf bemerkenswerte Weise miteinander verknüpft. Das stellte Volkrat Stampa in einer Rede fest, als er sein Buch mit dem ehemaligen Bremer Bürgermeister Henning Scherf als Co-Redner in Bremen präsentierte. 

Robert Dorsay (Mitte) in einer Filmszene aus „Es geht um mein Leben“ mit Margit Symo.

Stampa, der früher Leiter der Stadtstraßenplanung in Bremen war, ist gebürtiger Berliner, Dorsay wiederum wurde 1904 in Bremen geboren. Weitere Parallelen: „Er kam im Braunen Reich als Wehrmachtskämpfer unter die Räder, nein, viel schlimmer, Herbst 1943 in Berlin unter das Fallbeil, ich in Berlin unter englische Bomben, beinahe, wir waren Heiligabend 1943 zum Glück nicht zu Hause.“ Für Stampa, im Kriegsjahr 1939 geboren, heute beinahe eine Schicksalsfügung, denn sein Geburtshaus war das einzige in der Straße, das die Alliierten zerstörten – alle anderen blieben verschont.

Plakat zur Revue-Operette „Heut’ bin ich verliebt“.

Dorsay hingegen konnte seinem Todesurteil nicht entgehen. Schon zuvor war der Kabarettist wegen seiner regimekritischen Äußerungen aufgefallen. Um ihn ruhig zu stellen, schickte man ihn zur Wehrmacht ins ostpreußische Osterode. Der Brief, den er von dort an einen Freund, den Kaufmann Eddy Haase, verfasste, wurde abgefangen. Dergleichen war gang und gäbe in der Nazi-Diktatur, schildert Stampa. Dorsay schrieb: „Wann ist endlich Schluss mit dieser Idiotie, Idiotie. Anders kann man es schon gar nicht bezeichnen.“ Weiter heißt es: „Wenn ich diesen Brief beendet habe, mache ich mir eine schöne Stulle mit Adolf-Hitler-Gedächtniscreme (Kunsthonig) und lege mich ins Bettchen, denke an schöne Stunden in Berlin und lasse (...) einen kräftigen Kommisbrotforz fliegen und scheiße auf die ganze Monarchie.“ Die Reaktion blieb nicht aus: „Der Kopf muss ab“, soll Reichspropagandaminister Goebbels höchstpersönlich gefordert haben. Die Anklage: Dorsay habe „öffentlich den Willen des deutschen Volkes zur wehrhaften Selbstbehauptung zu zersetzen gesucht“. Nach zwei Jahren Zuchthaus wurde er in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

Das Thema hat Volkrat Stampa schon rund 20 Jahre beschäftigt. Doch erst Anfang 2016 entschloss er sich, das gesammelte Material zusammenzuführen und ein Buch daraus zu machen.

Mühselig geriet teilweise die Spurensuche, die ihn näher an die tatsächliche Lebensgeschichte seines entfernten Verwandten bringen sollte, aber auch voller spannender Begegnungen. 

Auf der Bühne des Admiralspalastes in Berlin (zu DDR-Zeiten „Metropoltheater“) war Dorsay Dauergast.

So schrieb sich der Achimer, der sich selbst eher als schüchternen Menschen sieht, mit Filmgrößen wie Luis Trenker und Max Schmeling, teilweise mit Erfolg: Trenkers postalische Antwort beispielsweise umfasste auch Privatfotos vom gemeinsamen Skilaufen

„Brieffreundschaften“ mit den Stars von einst

und eine eigens angefertigte Zeichnung. Korrespondenz hatte Stampa auch mit Margit Symo, Mutter der TV-Schauspielerin Eva Mattes. Die erinnerte sich nicht nur an Dorsay, an dessen Seite sie in zig Filmen, unter anderem eben in „Es geht um sein Leben“, spielte. Sie schickte Stampa auch Filmpostkarten und half ihm, an die alten Kinofilme heranzukommen.

Unschätzbar für die Recherche an dem Buch sei darüber hinaus der Militärhistoriker Dr. Roland Kopp gewesen, betont Stampa. Denn er fand Näheres über den Ablauf des Kriegsgerichtsverfahrens heraus. „Ohne ihn hätte ich nicht erfahren, dass Robert Dorsay durch das Fallbeil starb.“ Der Beitrag im zweiten Teil des Buches stammt komplett von dem Wissenschaftler.

Was für ein Multitalent Dorsay gewesen sein muss, wurde Volkrat Stampa bei seinen Nachforschungen klar. Dorsays Karriere als Filmschauspieler begann 1936. 32 Filme konnte Stampa ausmachen, in denen Dorsay kleinere und etwas größere Nebenrollen bekleidete. „Aber er war mehr auf der Bühne als im Film“, so Stampa. Wo er sich auch als Autor hervortat: So schrieb er das Libretto zu einer Revue-Operette („Heut’ bin ich verliebt“), das im Berliner Admiralspalast – mit Dorsay in der Hauptrolle – uraufgeführt wurde. Das Haus, in der DDR in „Metropoltheater“ umgetauft, war so etwas wie seine Bühnenheimat. Es existiert heute noch.

Das 124 Seiten starke Buch „Robert Dorsay – Es ging um sein Leben“ ist im Bremer Sujet Verlag erschienen. Neben detailreichen Fakten enthält es viele Fotos und Dokumente, darunter auch die Briefwechsel mit Menschen, die Stampa bei der Spurensuche halfen. Es ist unter ISBN: 978-3-944201-98-6, in Achim, zum Beispiel in der Buchhandlung Hoffmann, erhältlich.

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