Hans-Jakob Baum: Als Tagesvater zur Politik gekommen

„Selber tun und nicht auf andere warten“

Hans-Jakob Baum. - Foto: Brodt

Achim - Von Manfred Brodt. Als Junge im Rheinland aufgewachsen, erst zum Lehramtsstudenten für Biologie und Chemie und dann zum Experten für Abc- und Selbst-Schutz auf der Bonner Hardthöhe sowie bei namhaften Firmen im Odenwald und in Bremen geworden, ist der 64-jährige Hans-Jakob Baum heute Chef seiner Consultingfirma für Abc- und Zivilschutz, seine Spezialdisziplin.

Zur Politik trieb ihn ein ganz anderer Beruf, der des Tagesvaters. Zusammen mit seiner Frau Christine, die heute noch als Tagesmutter arbeitet, hatte er erlebt, dass der Kreis Verden sich bei Sozialabgaben nicht an bundesgesetzliche Vorgaben gehalten hatte, und einen Prozess gewonnen. Das führte ihn zur Politik und über Gero Hocker zur FDP. An der liberalen Partei schätzt der Achimer aus der Weserstraße besonders, dass hier unterschiedliche Meinungen kontrovers diskutiert werden und nicht alle das gleiche Lied singen.

Hans-Jakob Baum steht für soziale Marktwirtschaft. So hält er es auch für nicht sozial, dass die meisten Kindertagesstätten nicht komplett zu den Arbeitszeiten der Eltern geöffnet hätten.

Bei der Stadt Achim vermisst er wirtschaftliche Kompetenz. „Jedes Jahr machen hier 200 junge Leute Abitur. Was hat Achim ihnen nach dem Studium anzubieten?“, fragt er und sieht nicht, dass dieses Potenzial genutzt wird. Der Stadt, in der er seit 30 Jahren lebt und heute FDP-Vorsitzender ist, rät er, bei der Gewerbeansiedlung nicht große Flächen durch große Firmen zum Beispiel für Logistik schnell zuzubauen, sondern viele kleine, mittelständische, pfiffige Firmen an Land zu ziehen.

Er wünscht sich ein Gründerzentrum in der Innenstadt und jemand, der weiß, wie man für Existenzgründer die vorhandenen Fördermittel ausschöpft..

Achims von äußerer Konkurrenz und Internet gebeutelte City dürfe sich nicht einseitig an den Einzelhandel binden, meint der FDP-Kandidat. Entscheidend ist für ihn, dass die Menschen nach Achim kommen. Warum sollte dann im Erdgeschoss der Häuser in der Fußgängerzone keine Arzt-, keine Anwaltspraxis oder Versicherungsbüro sein, wenn sie doch Publikumsverkehr haben, kritisiert er die bisherige Stadtpolitik.

Baum fürchtet Achims Verkehrsinfarkt nach nicht gewagten größeren Stadtumgehungen in der Vergangenheit, hat aber außer besseren Ampelschaltungen und Tempofreigabe auch keine durchgreifende Lösung. Welche auch?

Der Vater dreier studierender Söhne will mit seinem Sachverstand in den Stadtrat einziehen. Für Hobbies wird er dann noch weniger Zeit haben. Hat er ein Lebensmotto? Ja: „Selber tun. Nicht auf andere warten.“

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