Ein Chorfreund durch und durch

Seit 60 Jahren leitet Hans Schröder Gesangsvereine und -gruppen in Achim und umzu

Hat fürs
+
Hat fürs

Achim – „Singen ist Gymnastik für die Seele“, steht für Hans Schröder aus Achim-Uesen fest. Deshalb hat er diesen Satz unter seinen Lebenslauf geschrieben, den er für den Pressetermin vorbereitet hat. Interpretiert man diesen Spruch ein bisschen freier und wäre Verden nicht nur ein Landkreis, sondern ein eigenes Land, dann würde das den 83-Jährigen quasi zum Bundestrainer der Seelengymnasten machen.

Denn Hans Schröder leitet seit stolzen 60 Jahren Chöre in Achim und umzu – Woche für Woche und jahrzehntelang neben dem Beruf. Dafür will ihn der Präsident des Chorverbandes Niedersachsen / Bremen im Beisein von Bürgermeister Rainer Ditzfeld demnächst ehren.

Rudi Carrell, Roberto Blanco, Roger Whittaker, Gotthilf Fischer, Peter Alexander: Die Liste der Prominenten, mit denen die Sängerinnen und Sänger unter Schröders Regie im Laufe der Jahrzehnte aufgetreten sind, ist lang. Und noch viel länger die Liste derjenigen Menschen, die in diesen Gruppen mitgesungen haben. Dabei hatte es Schröder gar nicht darauf angelegt, Stücke zu dirigieren und Töne am Klavier vorzugeben. „Ich bin Sänger gewesen in einem Männergesangsverein“, erzählt er in seinem Wohnzimmer. „Und der Klavierlehrer, der den Chor geleitet hat, ist gestorben. Da bin ich eingesprungen.“ Damals, im Dezember 1961, war Hans Schröder selbst erst 23 Jahre alt. Deshalb empfahl man ihm, die älteren Mitglieder mit Onkel anzusprechen.

Parallel zu seinem Studium – heute wäre der Abschluss der eines Bank-Fachwirtes – absolvierte Schröder einen halbjährigen Lehrgang für Chorleiter. 1965 schließlich gründete er seine eigene Formation: 16 Männer bildeten die Quartettvereinigung. Diese veranstaltete im Auftrag der Stadt Achim im Jahr 1970 in der englischen Partnerstadt Launceston Konzerte.

Über die Jahre leitete der gebürtige Achimer viele Chöre, zu Spitzenzeiten vier parallel. Dazu gehörten der Männergesangsverein Eintracht Uphusen, der Oytener Kinderchor, der unter Schröder zum Kinder- und Jugendchor wurde, der Gemischte und der Männerchor im Liederkranz Oyten, sowie auch der Jugendchor Baden, den Schröder 1982 gründete. Zum 900. Geburtstag von Achim 1991 sangen die Mädchen der Formation beim Hafenkonzert von Radio Bremen in der vollen Lahofhalle.

Ein Chor, der Hans Schröder besonders am Herzen liegt, sind die Chorfreunde Achim, die er 1998 ins Leben gerufen hat, zwei Jahre nachdem er Kreischorleiter geworden war. „Am Ende des vorigen Jahrhunderts wurde in Achim der Wunsch geäußert, neben dem klassischen Schubertchor einen weltlichen Chor zu gründen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich nach 25 Jahren in Oyten meine Zelte abgebrochen. Sehr schnell fanden sich etliche Ehepaare – auch aus Oyten –, die bei der Gründung dabei waren. Man nannte die Chorfreunde auch den Chor der Ehepaare“, erklärt Schröder. „Die gibt es noch und da bleibe ich auch“, sagt er.

Die gut 30 aktiven Mitglieder singen primär Klassik- und Volkslieder. „Aber auch mal einen Schlager“, erzählt Schröder, und Stücke aus Musicals. Viele Jahre lang haben die Chorfreunde ihm zufolge die Gottesdienste zum vierten Advent in der St.-Laurentiuskirche musikalisch begleitet, waren zweimal auch beim großen Weihnachtskonzert im Verdener Dom dabei.

Generell ist immer etwas los. Allein 26 Mal hat Hans Schröder in der Bremer Glocke dirigiert, wenn seine Chöre aufgetreten sind – manchmal auch mit dem Bremer Unterhaltungsorchester.

Das Hobby führt ihn und seine Familie auch in andere Regionen. So sind Jungen und Mädchen mehr als 15 Jahre lang immer wieder auch in Osterode am Harz aufgetreten, denn die Jugendchöre Oyten und Baden waren lange mit dem Jugendchor Osterode befreundet.

Aber nicht nur nach Osterode führte Hans Schröder sein Chorleiter-Posten. „Wir waren in Dresden“, erinnert sich seine Ehefrau Renate Schröder, die ihr Mann als Reiseorganisationstalent bezeichnet. Andere Fahrten hat das Paar gemeinsam mit etlichen Sängerinnen und Sängern unter anderem nach Hagen am Teutoburger Wald gemacht, nach Timmendorf und Kärnten geführt.

Schröders Begeisterung für Musik hat im Übrigen bereits vor seiner Chor-Karriere begonnen. „Ich habe meiner Oma schon gesagt: Ich wünsche mir ein Klavier. Ich kann mir das auch selber abholen“, habe sein sechsjähriges Ich versichert – und zwar mit der Schubkarre vom Musikhaus Wendt.

Das Instrument als solches ist nach wie vor wichtig. Renate Schröder erzählt, dass sie heute nicht in ihrem Haus wohnen würden, wenn im Wohnzimmer kein Platz für das Klavier gewesen wäre.

Der Kinderchor Oyten begleitete Roberto Blanco unter der Regie von Hans Schröder.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Glasfaser in Verden: Hausbesitzer reagieren irritiert

Glasfaser in Verden: Hausbesitzer reagieren irritiert

Glasfaser in Verden: Hausbesitzer reagieren irritiert
Flüchtlingen droht Obdachlosigkeit

Flüchtlingen droht Obdachlosigkeit

Flüchtlingen droht Obdachlosigkeit
Serie Hinterm Tresen: Dogan Can vom „Kebap House“ in Verden

Serie Hinterm Tresen: Dogan Can vom „Kebap House“ in Verden

Serie Hinterm Tresen: Dogan Can vom „Kebap House“ in Verden
Verdächtiger gibt tödliche Schüsse in Fischerhude zu

Verdächtiger gibt tödliche Schüsse in Fischerhude zu

Verdächtiger gibt tödliche Schüsse in Fischerhude zu

Kommentare