Sein Glücksfall und seine dumme Kuh

Alex Capus liest in Buchhandlung Hoffmann aus „Das Leben ist gut“

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Iris Hunscheid von der Buchhandlung Hoffmann begrüßte mit dem Schweizer Schriftsteller Alex Capus einen guten Bekannten.

Achim - Paare, dicht vor einem Ehejubiläum, sollten den Kauf des Romans „Das Leben ist gut“ kurz überdenken oder einfach zugreifen. Der schweizerische Autor Alex Capus, der am Montagabend bereits zum vierten Mal in der Buchhandlung Hoffmann las, bedient sich darin aus „dem Steinbruch der Realität“, Sektion Beziehungsbrocken, und erzählt in Ansätzen seine eigene Geschichte.

Sein Alter ego heißt Max. Dessen Ehefrau Tina weilt für längere Zeit beruflich in Paris. Eine Gastprofessur an der Sorbonne schlägt niemand aus.

Zurück bleibt Max - mit einer Bar, Freunden, Erinnerungen und wechselnden Gefühlslagen. Er ist hoffnungsvoll, liebevoll besorgt, ein wenig eifersüchtig und voller Neugier auf die kommenden Jahre mit der Frau, die ihm immer noch als der Glücksfall seines Lebens erscheint.

„Dumme Kuh“ nennt er sie trotzdem. Auch die besten Frauen können Männer nerven. Max steigt dann aufs Rad, schaltet schnell in die hohen Gänge und kommt dabei selber wieder runter. Seine Gereiztheit verfliegt Kilometer um Kilometer. Am Ende bleibt nur noch ein lahmes „dumme Kuh“. Mehr Friedensangebot im Positionsgeplänkel von Paaren als Kampfansage. Und immer als weiße Fahne deutlich zu erkennen.

In Passagen klingt das Buch von Capus wie Kishon auf schweizerische Art. Allerdings ist Tina zwar dreifache Mutter und beste Ehefrau, aber - Gott bewahre - kein Heimchen am Herd. Sie erträgt nur schwer die Unvollkommenheit der irdischen Welt und rümpft bevorzugt die Nase über die Inkompetenzen und die ästhetischen Unzulänglichkeiten von Männern. Sie hasst Schuhe, die nicht mindestens mehrdutzendfache Nutzungsmöglichkeiten bieten und verschließt im Zugabteilen gerne die Lüftungsschlitze: „Tina verträgt keinen Zug“, weiß Max. Genauso wenig wie attraktive Männer mit einer Katzenhaar-allergie oder schöne Männer mit einem Spatzenhirn.

Interessant sind Lesungen immer dann, wenn nicht nur gelesen, sondern auch erzählt wird. Capus ist darin gut. Seine Lesungen haben einen erzählerischen Überbau, den der Autor, mal abschweifend, dann wieder ganz dicht am Thema, mit zusätzlichen Anekdoten ausstattet. Darin kamen diesmal vor: Eine schwere, aber wunderschöne Eichentür, die hin und her getragen wird, bis sie endlich in den Besitz von Capus übergeht. Mehmet, der türkische Freund, der die Bar von Capus 40-mal am Tag passiert und fünfmal auf einen Kaffee gebeten wird. Trinken wird er immer nur einen. Mehmet fürchtet sich vor Erdbeben. Nicht in seiner türkischen Heimat, wo sie regelmäßig passieren, sondern in der Schweiz, wo die Erde so gut wie gar nicht bebt. Das verstehe, wer will. Und dann ist da noch Martin, Techniker und Lottospieler mit immer denselben Zahlen. Martin weiß, dass die Gewinnchance gering ist. Aber Aufhören geht nicht. Solange er die Zahlen ankreuzt sieht er eine Tür, die sich für eine bessere Zukunft öffnen könnte.

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