Gespräch mit Stadtkämmerer Peter Hollwedel

Übernimmt sich die Stadt Achim mit all den anstehenden Großprojekten?

+
Kämmerer Peter Hollwedel an seinem Arbeitsplatz im Achimer Rathaus.

Achim - Neue Kita- und Schulbauten, Umbau des Freibades zum Familienbad für mehrere Millionen Euro. Dazu noch unerwartete Preissteigerungen, und die Vorplanung zum Gewerbegebiet mit Autobahnanschluss Achim-West steht ebenfalls an. Da befürchten manche Bürger, dass Achim sich finanziell übernimmt. Wir befragten daher den Mann, der über die städtischen Finanzen am besten Bescheid wissen müsste: Stadtkämmerer Peter Hollwedel.

Herr Hollwedel, für wie bedrohlich halten Sie die Lage angesichts von Abermillionen anstehender Investitionen für Großprojekte in den kommenden Jahren?

Peter Hollwedel: Wir müssen da unterscheiden zwischen Investitionen und laufenden Kosten. Der Freibadumbau zum Beispiel erfordert hohe Investitionen, bringt aber keine höheren Folgekosten, sondern verringert diese wahrscheinlich sogar. Bei zusätzlichen Kitas dagegen fallen schon allein im Personalbereich beträchtliche laufende Kosten an. Diese Kosten nicht nur in Schulen und Kitas sind problematisch, weil sie die dauerhafte Leistungsfähigkeit einer Gemeinde beeinträchtigen. Die Investitionen selbst machen mir keine Sorgen. Auch im Jahr 2016 haben wir schon 9,6 Millionen und 2017 rund 9,4 Millionen investiert. Das wurde in den vorigen Jahren sogar alles aus dem laufenden Haushalt und ohne Kreditaufnahmen finanziert.

Wo sehen sie noch Einsparpotenzial, wenn es eng werden sollte?

Hollwedel: Einsparen wäre im Wesentlichen nur bei den so genannten freiwilligen Leistungen der Stadt möglich, zu denen sie nicht gesetzlich verpflichtet ist. Da kämen der kulturelle Bereich oder auch Sportplatzunterhaltung und -ausbesserungen in Frage. Aber ich betone, dass es aktuell keinerlei Anlass gibt, über solche Möglichkeiten nachzudenken. Die Sicherung einer angemessenen Ausstattung für die Feuerwehren gehört übrigens zu den Pflichtaufgaben einer Gemeinde.

Welche Möglichkeiten gibt es, die Einnahmeseite zu verbessern, etwa durch Steuererhöhungen?

Hollwedel: Da ist noch gar nichts angedacht. In den vorigen Jahren sind ja die Einnahmen etwa aus Gewerbesteuern auch ohne jede Erhöhung kräftig gestiegen. Die von den Unternehmen jährlich geleisteten Vorauszahlungen steigen seit 2011 kontinuierlich mit den Gewinnerwartungen vieler Betriebe.

Wie beurteilen Sie die in den nächsten Jahren wohl doch erforderlichen neuen Kreditaufnahmen zur Finanzierung der Investitionsvorhaben?

Hollwedel: Wir sind wie gesagt jetzt einige Jahre ohne Kreditaufnahmen ausgekommen und haben dennoch neue Werte geschaffen und sogar Schulden abgebaut. Die finanzielle Basis ist damit so solide, dass auch Kreditaufnahmen für höhere Investitionen vertretbar sind. 9,5 Millionen sind etwa im Haushalt 2019 für Grundschul- und IGS-Bauvorhaben vorgesehen. Die Verschuldung verringerte sich von rund 13 Millionen im Jahr 2008 auf jetzt 5,8 Millionen. Sie liegt damit bei nur noch 180 Euro pro Kopf in der 32 000-Einwohner-Stadt Achim.

Wird der Achimer Haushalt denn auch in den kommenden fünf Jahren noch genehmigungsfähig sein?

Hollwedel: Ja, denn alle geplanten Ausgaben sind vernünftig abgebildet und abgesichert. Wenn nicht eine Weltwirtschaftskrise oder andere nicht absehbare Katastrophen dazwischenkommen, werden wir auch in fünf Jahren einen gut ausgeglichenen Haushalt hinbekommen. Und das wird natürlich immer das Ziel bleiben. 

la

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Siegerin Kerber lobt Vogel - Lange & Eishockey-Team geehrt

Siegerin Kerber lobt Vogel - Lange & Eishockey-Team geehrt

Weihnachtsbaumverkauf in Westeresch

Weihnachtsbaumverkauf in Westeresch

Nikolausmarkt in Bücken

Nikolausmarkt in Bücken

Weihnachtsmarkt in Blender

Weihnachtsmarkt in Blender

Meistgelesene Artikel

Katzen im Tierheim Verden: Pechschwarz und putzmunter

Katzen im Tierheim Verden: Pechschwarz und putzmunter

Zielvereinbarung zwischen Rat und Bürgermeister unterzeichnet

Zielvereinbarung zwischen Rat und Bürgermeister unterzeichnet

Brockmann wird wieder Bürgermeister-Kandidat

Brockmann wird wieder Bürgermeister-Kandidat

Traditionelles Weihnachtskonzert des Gymnasiums am Wall im Dom

Traditionelles Weihnachtskonzert des Gymnasiums am Wall im Dom

Kommentare