Sehr sachliche Bürgerversammlung zur Flüchtlingsunterbringung im kleinen Ort

Embser reagieren besonnen auf die Neuankömmlinge

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Der Ratssaal war überfüllt.

Achim - So viele Menschen dürften gar nicht im Ratssaal sein: Mehr als 250 waren es am Donnerstagnachmittag, die sich über die Unterbringung und Versorgung der Flüchtlinge in der Turnhalle Embsen informieren ließen. Asylsuchende Iraker, Syrer und Afghanen, die über die Balkanroute, Österreich und München nach Verden und Achim gekommen sind und noch kommen werden.

Landrat Peter Bohlmann berichtete, dass für 2015 850 Flüchtlinge für den Landkreis Verden angekündigt worden waren. Nun werden es bis Januar 2016 mindestens 2400 sein. Das Land hat nun den Landkreis gebeten, neben den regulär zugeteilten Flüchtlingen auch solche im Rahmen der Amtshilfe in Erstaufnahmelagern zu beherbergen, da die Zahlen aus dem Ruder gelaufen sind und die in anderen Kreisen vorhandenen Zelte nicht winterfest sind. Da der Landkreis keine Kaserne hat, muss er die Menschen auf Turnhallen verteilen, erst an der BBS und am Gaw in Verden, nun in Embsen und nächste Woche in Uphusen. Jeden Donnerstag kämen 50 bis 70 Flüchtlinge zum Kreishaus, und der Kreis müsse dafür sorgen, dass sie nicht obdachlos werden.

Der Landrat, der am Morgen noch im niedersächsischen Innenministerium verhandelt hatte, verhehlte nicht, dass er der Flüchtlingspolitik der EU und der Bundesregierung kritisch gegenüber steht, und wollte von einem scharfen Kritiker nicht dafür verantwortlich gemacht werden: „Ich bin Opfer und kein Täter.“

Es ändert nichts, an seinen Pflichten. Prognosen über die weitere Entwicklung kann auch Bohlmann nicht abgeben. In den wärmeren Jahreszeiten will der Landkreis auf leerstehende Produktionshallen ausweichen. Priorität haben natürlich immer Wohnungen. Weiter bemüht der Kreis sich, möglichst Menschen gleicher Nationalität und Religion zusammenzubringen, um Konflikte schon im Vorfeld einzudämmen.

Während früher die Menschen vorwiegend aus Afrika stammten, fliehen sie nun überwiegend aus dem Nahen Osten.

Polizeichef Thorsten Strier informierte, dass die Polizei regelmäßig Streife fahre, über Sicherheitsdienste einen 24-Stunden-Service vereinbart habe und auch rechtsextreme Umtriebe genau im Auge habe. Zur Zeit sei Achim da unauffällig. Generell sei es so, dass bisher von den 900 hiesigen Tatverdächtigen im Jahr 20 Prozent Ausländer seien und nur 21 kleinere Delikte auf das Konto von Flüchtlingen gingen.

Bürgermeister Rainer Ditzfeld versicherte dem TSV Embsen und auch dem TB Uphusen, dass die Arbeitsgemeinschaft Achimer Sportvereine sich um neue Zeiten in anderen Sporthallen für diese Vereine bemühe. Sollte es keine Einigung geben, werde die Stadt als Hausherr dies regeln. Der Landrat sagt den Vereinen auch finanzielle Unterstützung zu, wenn sie für die belegten Hallen Ersatzraum finden.

Eine sehr sachliche und konkrete Versammlung, die die Embserin Bettina Brandt zu einer Art Schlusswort veranlasste: „Ich bin froh, in Achim zu wohnen und hier zu leben.“

mb

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