Seit 20 Jahren

Sozialpädagogische Familien- und Lebenshilfe: Aus sechs Kollegen sind 170 geworden

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Das Sofa-Team mit zwei bewährten „Therapiepuppen“auf dem Sofa. Von links: Sozialpädagoge Tim Lachmann, die langjährige pädagogische Leiterin Birgit Buchholz, Vereins-Geschäftsführer und Mitbegründer Jan-Dieter Junge sowie Sozialpädagogin Anna Khusid, die die Sofa-Aktivitäten von Achim aus koordiniert.

Achim – „Mit sechs Kollegen begannen wir damals. Heute gehören 170 dazu“, skizziert Jan-Dieter Junge die Erfolgsgeschichte der Sozialpädagogischen Familien- und Lebenshilfe Achim. Vor 20 Jahren ins Leben gerufen, gehört der Verein Sofa laut Junge mittlerweile niedersachsenweit zu den größten freien Trägern der Sozialarbeit in Schulen, Familien sowie weiteren Bereichen wie der Arbeit mit Flüchtlingen.

Junge hat im Ruhestandsalter von 66 Jahren seinen Vertrag als Sofa-Geschäftsführer noch einmal verlängert, da sich ein anderer Nachfolger oder eine Nachfolgerin noch nicht finden ließ.

Dass insgesamt das Sofa-Team aber gut funktioniert, bestätigten jetzt im Pressegespräch zum kleinen Jubiläum auch der zur Orga-Gruppe gehörende 33-jährige Sozialpädagoge Tim Lachmann und seine 30-jährige Berufskollegin Anna Khusid. Sie ist ebenfalls mit Koordinationsaufgaben beschäftigt und im Übrigen in der Familienhilfe und im Kinderbereich aktiv. Tim Lachmann leitet zudem den Jugendtreff Lemwerder.

Ebenfalls mit 66 Jahren macht bei Sofa die langjährige pädagogische Leiterin Birgit Buchholz stundenmäßig reduziert weiter: Der Fachkräftemangel wirkt sich also auch in diesem sozialen Bereich mit meist nicht so verlockender Bezahlung aus.

Schulsozialarbeit – zunächst an der Achimer Hauptschule – kam nach der Familienhilfe als neue Aufgabe hinzu, erinnert sich Junge. Inzwischen sei Sofa an 39 verschiedenen Schulen, unter anderem auch in Bremen und im Rotenburger Bereich, vertreten, sowie in 16 Jugendfreizeitstätten. Der neue Jugendtreff Achim ist ebenfalls ein Sofa-Kind.

Der Verein erweiterte seinen Aktionsradius schon bis in die Region Stade, in die Landkreise Osterholz, Nienburg, in den Heidekreis, den Landkreis Diepholz sowie nach Delmenhorst. Psychologen, Lehrer, Erzieher, Kunsttherapeuten, Erziehungswissenschaftler und Diplompädagogen arbeiten mit für Sofa und sichern ein „großes Spektrum an Wissen“, betont Geschäftsführer Junge.

Den größten Teil der Arbeit beanspruche nach wie vor der Bereich „Hilfe zur Erziehung“, wobei entsprechende Fälle von Jugendämtern der Landkreise vermittelt werden. Der Kreis Verden hatte vor 20 Jahren die Gründung dieses Vereins auch angestoßen, um zuvor in der Verwaltung angesiedelte „sozialräumliche “ Aufgaben der Familien- und Lebenshilfe an freie Träger zu übergeben.

Als besonders eindrucksvolle Erlebnisse aus zwei Jahrzehnten Sofa fallen dem Geschäftsführer und Mann der ersten Stunde spontan Ausflüge mit Jugendlichen ins russische Karelien an der finnischen Grenze und nach Griechenland mit Übernachtungen im Kloster ein. In Russland sprang sogar spontan eine hiesige Jugendliche beim offiziellen Empfang für die erkrankte Dolmetscherin ein.

Viel Sprachkompetenz bis hin zu Chinesisch ist ohnehin bei Sofa-Mitarbeitern vertreten und natürlich bei der Integrationsarbeit mit Flüchtlingen sehr wertvoll. Ärgerlich findet Jan-Dieter Junge hingegen den im Vergleich zu den Anfängen ausufernden Aufwand an Bürokratie.

Fördergelder beantragen, Ausschreibungen formulieren, Kontrollbögen bearbeiten, Konzepte erläutern, detaillierte Auswertungen – „es werden manchmal wahre Doktorarbeiten von uns verlangt, die viel Zeit rauben“.

Auch einige Auswirkungen der Datenschutzgrundverordnung bedauert der Sofa-Chef. Begeisterte Kinder und Jugendliche aus Kursen und Veranstaltungen des Vereins etwa dürften nur noch total verpixelt gezeigt werden, was den Bildern völlig die Wirkung nehme.

Die Erfolge von Sofa könnten sich auf jeden Fall sehen lassen, betonten alle übereinstimmend beim Pressegespräch. Das reiche von der Inklusionsarbeit an Schulen bis zur erfolgreichen Vermittlung von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt.

Gewinne darf auch dieser Verein nicht ansparen. „Geld, was übrig war“, wurde daher schon eingesetzt, um die Schließung der Integrations-und Begegnungsstätte „Café Wir in Achim“ an der Achimer Brückenstraße zu verhindern. „Zur Zeit wird gerade über eine erneute Spende diskutiert, um das Cawia ein weiteres Jahr zu retten“, verriet Junge. Die „nette kleine Sofa-Geburtstagsfeier“ inklusive Büffet, Liveband und DJ zum 20. steigt für alle Mitarbeiter und Unterstützer am Freitag, 8. November, um 19 Uhr im Kasch an der Bergstraße.  la

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