Über 40 Jahre Kommunalpolitiker

Hans-Jürgen Wächter erhält Bundesverdienstkreuz

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Landrat Peter Bohlmann (rechts) mit dem neuen Bundesverdienstkreuzträger Hans-Jürgen Wächter und dessen Ehefrau Annemarie Wächter.

Achim - Er sei definitiv ein „Kümmerer“, verkündete Landrat Peter Bohlmann (SPD), bevor er Hans-Jürgen Wächter gestern im Achimer Rathaussaal eine der bundesweit höchsten Auszeichnungen ans Revers heftete.

„Wer will, findet Wege, wer nicht will, findet Gründe“, laute Wächters Motto. Für sein mehr als 40 Jahre währendes Engagement in der Kommunalpolitik erhielt er das Bundesverdienstkreuz am Bande.

Die seltene Ehrung wurde Wächter unter anderem für sein verdienstvolles Wirken im Umfeld seines Heimatortes Uphusen zuteil. Wächter, der die ersten zwölf Jahre seines Lebens in Dauelsen verbrachte, zog 1958 mit der Familie in den an Bremen angrenzenden Ortsteil. Nach seinem Volksschul-Abschluss begann er eine Ausbildung als Drucker. Ein Beruf, in dem er tätig war, bis er – wiederum in Uphusen – seinen eigenen Schreibwarenladen eröffnete. Nebenbei absolvierte er ein Studium für das Lehramt an Berufsschulen.

1972 fand Wächter dann bei der SPD seine politische Heimat und zog, 26 Jahre jung, in den Stadtrat ein. Diesem Gremium sollte er ohne Unterbrechung neun Wahlperioden (1972 bis 2016) erhalten bleiben, davon allein zehn Jahre als Ratsvorsitzender und 40 Jahre als Vorsitzender des Ortsausschusses Uphusen. Darüber hinaus war Hans-Jürgen Wächter viele Jahre Kreistagsvorsitzender und im Verwaltungsrat der Kreissparkasse Verden tätig.

Sein politisches Engagement habe Wächter auch stets genutzt, um die Lebensbedingungen vor Ort zu verbessern, so Bohlmann. Denn zunächst gab es in Uphusen keinen Sportplatz und es fehlte an elementaren Versorgungsstrukturen wie Apotheken und Arztpraxen. Des weiteren lagen Wächters politische Schwerpunkte im Bereich Finanzen, er habe sich für Daseinsfürsorge, eine verbesserte Infrastruktur und die Entlastung der Landesstraße 158 eingesetzt. Bohlmann beschrieb ihn darüber hinaus als „Mensch mit Herz, Verstand und Tatkraft“.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende im Achimer Stadtrat, Herfried Meyer, stellte als Erfolge Wächters ebenfalls Uphuser Infrastrukturprojekte heraus, „aber mehr noch als äußere Erfolge die Beziehung zu den Menschen im Ort“. Genau wie der scheidende Bundespräsident Gauck habe Wächter „Freiheit stets auch als Übernahme von Verantwortung“ verstanden.

Rechne man sein gesamtes Engagement zusammen, stellte Rainer Ditzfeld fest, so habe Wächter sechs Jahre seines Lebens ausschließlich der Kommunalpolitik gewidmet. Als prägendes Projekt, das er in dieser Zeit anschob, nannte der Bürgermeister das Leitbild der Stadt Achim.

Weitaus weniger bekannt ist der Öffentlichkeit vermutlich das Wirken Wächters im Niedersächsischen Landessportbund. Im Fachausschuss Sportjugend hatte er von 1981 bis 1988 den Vorsitz inne, betonte Laudator Thomas Dyszack, Vizepräsident Sportjugend beim Landessportbund.

Aus der Politik zog sich Hans-Jürgen Wächter letztes Jahr zurück – „bisher ohne Entzugserscheinungen“, wie er selbst bekundet. Nun will er sich im Ruhestand nicht auf die faule Haut legen, sondern plant viele Radtouren und eine Fahrt durch die USA. Die Ehrung, die für ihn selbst überraschend kam, habe er erfreut und zugleich zurückhaltend zur Kenntnis genommen. 

Nicht nur Gutes habe er in seiner Amtszeit bewirkt, sondern „es ist auch einiges schief gelaufen. Und ich bin anderen beim Ringen um die richtige Lösung auch mal auf die Füße getreten“, ließ er selbstkritisch wissen. Sorgen bereite ihm in der heutigen Zeit der wachsende Egoismus und dass junge Leute „der Gesellschaft zunehmend den Rücken kehren“.

ldu

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