Anwohner der Uesener Feldstraße sehen ihre Gesundheit durch Verkehrslärm gefährdet

„Schwerlaster-Anteil nirgendwo höher“

Die Uesener Feldstraße zählt mit 14 000 Fahrzeugen pro Tag zu den am stärksten befahrenen Strecken in Achim. Tempo 30 gilt auf einem Abschnitt nur wegen einer Baustelle.
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Die Uesener Feldstraße zählt mit 14 000 Fahrzeugen pro Tag zu den am stärksten befahrenen Strecken in Achim. Tempo 30 gilt auf einem Abschnitt nur wegen einer Baustelle.

Achim – „Der Lärmaktionsplan gilt leider nicht für die mit am stärksten befahrene Straße in Achim“, beklagte André Walther. Er äußerte sich in der Sitzung des Ratsausschusses für Wirtschaft, Stadtentwicklung, Umwelt und Verkehr am Dienstagabend im Ratssaal stellvertretend für rund 120 Anwohner der Uesener Feldstraße und benachbarter Wohngebiete. Viele Bürger dort sehen ihre Gesundheit durch „massiven Verkehrslärm“ in dem Viertel „stark gefährdet“ und fordern die Stadt mit einer Unterschriftenliste zum Schallschutz auf. Der Ausschuss befasste sich mit der dritten Stufe des Aktionsplans, zu dem es eine Öffentlichkeitsbeteiligung gegeben hatte.

„Seit elf Jahren ist der Stadt bekannt, dass an der Uesener Feldstraße mit rund 14 000 Fahrzeugen pro Tag gesundheitliche Grenzwerte überschritten werden“, bemängelte Walther in der Einwohnerfragestunde der Sitzung. Nähere Angaben dazu machte er allerdings nicht.

Laut Untersuchungen des Staatlichen Gewerbeaufsichtsamts Hildesheim sind in Achim rund 1000 Einwohner rund um die Uhr, als auch zu nachtschlafender Zeit, zu großem Lärm ausgesetzt. Was Ärzten zufolge zu gesundheitlichen Problemen, etwa Herz-Kreislauf-Erkrankungen, führen kann.

Im aktuellen Erlass des niedersächsischen Umweltministeriums von 2018 werden 70 Dezibel (A) für den Tag und 60 dB (A) für die Nacht als Schwellenwerte benannt. Diese Maximalbelastungen lägen auch dem Lärmaktionsplan für Achim zugrunde, informiert die Stadt. Entsprechend den Empfehlungen des Umweltbundesamtes würden zudem niedrigere Werte, nämlich 65 dB (A) tagsüber und 55 dB (A) nachts, „berücksichtigt, um möglichst kurzfristig Gesundheitsgefährdungen zu reduzieren“.

Viele Autofahrer auf der Uesener Feldstraße überschritten auch die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit von 50 und seien dort mit 80 Stundenkilometern unterwegs, sagte Walther. Was den Lärmpegel noch nach oben treibe. Wenn schon nicht Tempo 30, so müsste die Stadt doch wenigstens 50 als Maximalgeschwindigkeit auf der Strecke „durchsetzen“, verlangte Walther. „Auch weil Anwohner nicht sicher und gefahrenfrei auf die L 156 fahren können.“ Der Bürgersprecher schlug vor, an neuralgischen Punkten Verkehrsspiegel anzubringen.

Der im Zuge des Ausbaus der Straße geschaffene Angebotsstreifen für Radfahrer am Rand der Fahrbahn führe leider nicht, wie von der Stadt behauptet, zu weniger Lärm, sondern verstärke diesen noch, kritisierte Walther weiter und fügte hinzu: „Wir haben auf der L 156 so hohen Schwerlaster-Anteil wie sonst nirgendwo in Achim.“

Der von der EU initiierte Lärmaktionsplan habe keine rechtliche Verbindlichkeit, er zeige nur Lösungsmöglichkeiten auf, ließ Verkehrsplaner Stefan Schuster die Sitzungsteilnehmer wissen. Der Mitarbeiter der Stadt räumte ein, dass die Uesener Feldstraße nicht berücksichtigt worden sei, da es dort keine großen Wohnbauten gebe, sondern nur kleinere Häuser. Der neue Fahrbahnbelag von der Kreuzung bis zu Amazon verringere jedoch den Lärm um rund zwei dB (A).

Der Vorschlag des Planungsbüros LK Argus, die Verkehrslautstärke durch Tempo 30 auf allen Landesstraßen in Achim einzudämmen, werde von der Feuerwehr abgelehnt, berichtete Schuster. Dann könnte im Alarmfall mitunter die vom Gesetzgeber vorgeschriebene Hilfsfrist nicht mehr eingehalten werden, argumentiert das Stadtkommando.

Planer Schuster machte den Anwohnern der L 156 wenig Hoffnung, dass dort Behörden viel ändern werden. „Das ist eine überregionale Straße, die muss leistungsfähig bleiben.“

Das Ansinnen von Christine Vornholt (Grüne), verstärkt auf der Uesener Feldstraße „zu blitzen“, wolle er an den Landkreis weitergeben. „Wir können auch zusätzlich Geschwindigkeitsanzeiger aufstellen“, ergänzte Schuster.

Ein Nachtfahrverbot, wie von manchen gefordert, sei dagegen auf Straßen des Landes Niedersachsen nicht erlaubt. Andere Bundesländer, zum Beispiel Baden-Württemberg, räumten den Kommunen in Sachen Verkehrsbeschränkungen mehr Spielraum ein. „Regelungen müssen in jedem Fall rechtssicher sein“, betonte Schuster und merkte an, dass ein Bürger aus Thedinghausen gegen die Tempo-30-Zone auf der Brückenstraße im Bereich der Grundschule Uesen klage.

Den Lärmaktionsplan fortzuschreiben, dafür gab es in der Fachausschusssitzung unter Leitung von Werner Meinken (SPD) keine Mehrheit. Nur die insgesamt vier Vertreter von SPD/Mindermann und Grünen waren dafür. Genauso viele Christ- und Freidemokraten stimmten dagegen. Wolfgang Heckel (WGA) enthielt sich der Stimme.

Von Michael Mix

Lärmadern Autobahnen und Landesstraßen. grafik: lk argus

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