Schuhe statt Marihuana verkauft

Angeklagter in Drogenprozess beteuert seine Unschuld

Achim - Von Wiebke Bruns. Die Aufhebung des Haftbefehls hat am Freitag der Verteidiger des 30 Jahre alten Angeklagten aus Hemelingen beantragt, der sich seit dem 19. November 2018 gemeinsam mit zwei Angeklagten aus Achim vor dem Landgericht Verden verantworten muss. Dem Trio wird unerlaubtes Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge vorgeworfen. Der einschlägig vorbestrafte 30-Jährige will aber nur mit Schuhen gehandelt haben.

Aus überwachten Telefonaten hatte die Polizei seinerzeit Hinweis auf die Abwicklung eines Drogengeschäftes. Sofort war eine Observation veranlasst und dabei in Achim die Übergabe einer Sporttasche an einen Tatverdächtigen aus Hildesheim beobachtet worden. Der Hildesheimer hat als Zeuge in dem Prozess den Besitz von rund 1 500 Gramm Marihuana auf seine Kappe genommen.

500 Gramm waren kurz darauf in dessen Auto bei einer Fahrzeugkontrolle in Langwedel sichergestellt worden. Ein weiteres Kilo fand die Polizei bei Durchsuchungen in den Mehrfamilienhäusern, in denen die Angeklagten aus Achim wohnen. Eine 38-Jährige hatte den Schlüssel zu einer auf dem Dachboden stehenden Holzkiste in der sich 1 000 Gramm befanden. In der Wohnung eines 32-Jährigen wurden 275 Gramm Kokain sichergestellt. Diese beiden Angeklagten befinden sich auf freiem Fuß.

Der in Untersuchungshaft sitzende Angeklagte hatte in seiner Aussage jegliche Tatbeteiligung abgestritten. Für die von der Staatsanwaltschaft als belastend gewerteten Telefonate und Überwachungen hatte er jede Menge Erklärungen. In einem Telefonat ging es um etwas, was nicht konkret benannt wurde, und ob die 38-Jährige dies bringen soll. Laut dem 30-Jährigen war nicht das Marihuana gemeint. „Mit dem Scheiß will ich nichts zu tun haben“, betonte der 30-Jährige. Es sei um eine Jacke, eine Babywippe und eine Hüpfschaukel für sein uneheliches Kind gegangen. Von diesem habe seine Familie damals noch nichts gewusst, aber die Mitangeklagte.

Am Freitag wurde die Mutter des Babys als Zeugin gehört. Die Frau bestätigte zwar, solche Sachen bekommen zu haben, aber lange vor dem 4. April 2018. Ohnehin habe es das letzte Treffen mit dem Angeklagten im März 2018 in einem Hotel gegeben. Seine Tochter habe er zuletzt im Februar 2018 gesehen. Daran hielt die Zeugin fest, wenn sie auch in anderen Punkten ihre Aussagen mehrfach korrigieren musste.

Ende März 2018 habe er an den Hildesheimer 100 Paar Schuhe für 40 Euro verkauft, sagte der 30-Jährige aus. Ein weiterer Zeuge aus Langwedel bestätigte am Freitag, dass er den Angeklagten, der sein Arbeitskollege gewesen sei, damals dorthin gefahren habe.

Während die beiden Staatsanwälte dem Zeugen aus verschiedenen Gründen keinen Glauben schenkten, begründete der Verteidiger damit unter anderem seinen Antrag auf Aufhebung des Haftbefehls. Über den Antrag muss die Kammer erst noch beraten.

Rubriklistenbild: © dpa

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