Schülerin des Cato-Bontjes-van-Beek-Gymnasiums geht auf Azoren-Expedition

Im Fahrwasser der Delfine

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Frauke Lührs wandelt auf den Pfaden von Dr. Stefan Krolle: Sie nimmt an einer wissenschaftlichen Expedition teil.

Achim - Von Lisa Duncan. Wissenschaftliches Arbeiten muss nicht trocken sein. Lebhaft erinnert sich Dr. Stefan Krolle, Leiter des Achimer Cato-Bontjes-van-Beek-Gymnasiums, an eine Delfin-Expedition, an der er als Student teilnehmen durfte. Ähnliche Pfade beschreitet nun die 17-jährige Oytenerin Frauke Lührs: Mit dem Heidelberger Institut für Jugendmanagement nimmt sie als einzige Schülerin aus dem Landkreis Verden an einer Expedition auf die Azoren (Portugal) teil – als eine von zwölf ausgewählten Teilnehmern bundesweit. Am 19. Juni geht es los.

Die Elftklässlerin wird sich zwei Wochen lang auf der mitten im atlantischen Ozean gelegenen Insel Pico aufhalten. Dort betreiben die jungen Leute in thematisch getrennten Gruppen so genanntes „Bio-Monitoring“ – heißt: eine Bestandsaufnahme der dortigen Naturphänomene. Ein Team befasst sich mit Wasseranalyse, ein anderes mit Vulkanismus. Schließlich gibt es eine Gruppe, die Wal- und Delfinforschung betreibt. In welches Team Lührs kommt, wird sich erst bei einem Einführungsseminar in Heidelberg herausstellen.

Vor Ort übernachten die Jugendlichen in einem Jugendgästehaus. Morgens werden die Nachwuchswissenschaftler mit Speedbooten aufs Meer hinausfahren, Daten sammeln, auswerten und am Abend der Gruppe präsentieren – „und morgens geht es früh wieder raus“, erklärt die Schülerin.

„Delfine werden seit rund 20 Jahren kartiert“, erklärt Dr. Stefan Krolle. Das geschehe anhand so genannter „Flossentagebücher“. „So lassen sich Aussagen über die Population treffen.“ Darüber hinaus erhebe man beim Bio-Monitoring Daten über Jungtiere, Atemfrequenz und erstelle hydrophone Aufzeichnungen der Laute, mit denen die Tiere kommunizieren.

Im Seminarfachkurs, der die Schüler auf das wissenschaftliche Arbeiten im Studium vorbereiten soll, warb Krolle für diese Azoren-Expedition. Und Lührs war gleich Feuer und Flamme: „Ich hab auf Urlauben, zum Beispiel in Kroatien oder auf Teneriffa, immer viel geschnorchelt.“ Die Leistungsschwimmerin beim OT Bremen erfüllte bereits zwei Bedingungen für den Forschungsaufenthalt: ein Rettungsschwimmerabzeichen in Silber und den sicheren Umgang mit Schnorchelausrüstung. Den Erste-Hilfe-Kurs hatte sie bereits für den Führerschein absolviert. Auch ein Empfehlungsschreiben vom Schulleiter und die Bestätigung, bereits einen Sponsor geworben zu haben, hatte sie schnell in der Tasche.

Auf eine Zusage für die Expedition musste Frauke Lührs dann auch nicht lange warten. Doch die Freude währte kurz: Denn den Rest der Reisekosten musste sie selbst einwerben – was sich als gar nicht so einfach herausstellte. „Wir werden uns bei Ihnen melden“, habe es bei den angefragten Firmen oft geheißen – und dann sei wochenlang nichts passiert. Ein Wendepunkt kam, als die Schülerin einen Flyer erstellte, damit sich Firmen ein Bild von der Reise machen konnten und sie nicht als „Luxus-Urlauberin“ aburteilten. Zudem wirkte die Vorsitzende des Schulfördervereins als Multiplikatorin. Über Mundpropaganda, Verwandte, Freunde und Kollegen kamen 2390 Euro zusammen. Das deckt die Kosten für den Aufenthalt.

Es ist nicht das erste Mal, dass Schüler des Cato-Gymnasiums an wissenschaftlichen Expeditionen teilnehmen: Einmal brachte Krolle einen Schüler auf die Eismeer-Straße nach Finnland, um Interviews mit Zeitzeugen zu führen. „Ich werbe immer dafür, weil ich das früher auch gemacht habe“, erklärt der Schulleiter. Als Student sei er auf den Galapagos-Inseln mit Delfinen geschwommen. Was sich traumhaft anhört, sei auch mit realen Gefahren verbunden: „Einmal kam ein Seehundbulle, der war um die 80 Kilo schwer, auf uns zugeschwommen und biss meinem Kollegen in die Sauerstoffflasche. Das hätte auch sein Arm sein können.“ Als Expeditionsteilnehmer müsse man „mutig sein und eine hohe Frustrationstoleranz haben“.

Dass Frauke Lührs für die Expedition vom Unterricht freigestellt wurde, war kein Problem. Wohin es beruflich gehen soll, wisse sie noch nicht, räumt die 17-Jährige etwas kleinlaut ein: „Aber vielleicht bekomme ich so einen Einblick in das wissenschaftliche Arbeiten und kann mir später etwas in dem Bereich vorstellen“, fügt sie schon viel selbstbewusster hinzu.

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