Azubi-Kooperationsprojekt an Achimer Schule

Schüler sägen und schrauben für die Zukunft

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Einsatz mit dem Akkubohrer: Lucas Steingräber (vorne) und Nadir Daher montieren am Dach der Hütte Regenrinnen. 

Achim - Von Michael Mix. „Mir macht das alles hier Spaß – egal ob ich Holz zusäge oder den Akkuschrauber und die Wasserwaage einsetze“, sagt Lionel Guse, während er an einem Regal hantiert.

Der 17-Jährige und vier weitere Schüler aus der Liesel-Anspacher-Schule bringen ein heruntergekommenes Lagerhäuschen auf dem Gelände der Hauptschule auf Vordermann. Dabei werden sie von den Juniorchefs der Firma Köster Bedachung angeleitet.

„Das ist eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten“, sagt Rektor Dominik Lerdon, der die Idee zu diesem neuen Kooperationsprojekt hatte. „Die Firma Köster sucht händeringend Auszubildende für das Dachdecker-Handwerk und unsere Schüler benötigen einen Ausbildungsplatz“, erläutert der Schulleiter.

Seit Montag und noch bis heute Mittag sind die Acht-, Neunt- und Zehntklässler an dem Holzhäuschen am Rand des Schulhofs zugange. „Wir haben die Fünf aus einer Vielzahl von Bewerbern für das Projekt ausgewählt, weil sie ein besonderes Interesse am Handwerk haben“, informiert Marius Strotmann, Fachlehrer für Technik.

Unter den Augen von Handwerksprofi Marc Köster schrauben Lionel Guse (Mitte) und Philipp Seitanidis Regale an den Wänden des neuen Spielehäuschens an.

Sein Kollege Jesko Roßmann berichtet von der Idee der Schülervertretung, den Jugendlichen in den Pausen sportliche Aktivitäten zu ermöglichen und für diesen Zweck den Schuppen, in dem bisher Fahrräder und Tische standen, in ein Spielehaus umzuwandeln. „Dort können demnächst Badminton- und Tischtennisschläger, Fuß- und Basketbälle ausgeliehen werden“, erklärt der Lehrer.

Doch bevor die fünf jungen Akteure zu Werke gingen, wurden sie erstmal über ihr womöglich künftiges Berufsfeld ins Bild gesetzt. „Wir haben uns einen Film über das Dachdecker-Handwerk und die Anforderungen angeschaut“, erzählt Christoph Köster, der die Schüler zusammen mit seinem Cousin Marc Köster für drei Vormittage unter seine fachlichen Fittiche genommen hat.

Aber längst wird draußen und drinnen fleißig gearbeitet. Einige Azubi-Aspiranten steigen der Hütte aufs Satteldach. Für den Wetterschutz montieren sie an beiden Seiten Dachrinnen. Metall und Faserzement sind dabei laut Christoph Köster bevorzugte Werkstoffe.

Lerneffekte sind schnell zu sehen

Andere sägen unterdessen Bretter und Stangen aus Holz zurecht und schrauben im Innern des Häuschens Regale zusammen. „Vorher hatte sich diese Gruppe überlegt, wie die Lagerflächen für die Spiel- und Sportgeräte am besten konstruiert sein müssen und Skizzen mit den passenden Maßen erstellt“, berichtet Lehrer Roßmann.

„Alle sind handwerklich begabt“, stellen Christoph und Marc Köster am zweiten Projekttag erfreut fest. „Und wir sehen die Lerneffekte.“

„Die Schüler sind toll bei der Sache“, hakt Roßmann ein. „Sie hören gut zu, wenn ihnen etwas erklärt wird“, hat der Lehrer beobachtet. Er findet es „klasse, dass die Kösters hier sind. Diese Fachkompetenz hätten wir selbst nicht gehabt.“

Es sei neu, dass man Betriebe in die Schule holt, betont Lehrer Strotmann. „Wir hoffen, dass auch mit anderen Firmen derartige Kooperationen entstehen.“ Denn dabei könnten die Schüler viel mehr praktische Erfahrungen sammeln als das in der Schule möglich sei.

Betriebe wollen Nachwuchsmangel zuvorkommen

Christoph Köster spricht vom „Mehrwert für alle“. Nicht nur der eigene Betrieb, sondern das gesamte Handwerk klage ja über Nachwuchsmangel und unternehme allerlei Anstrengungen, dieses Problem zu beheben.

Köster Bedachung wolle im August und auch in den kommenden Jahren jeweils einen Auszubildenden einstellen, teilt der Juniorchef mit. Die Hauptschüler, die jetzt ihre Eignung bewiesen haben, hätten beste Chancen, eine Lehrstelle als Dachdecker zu ergattern. Auch weitere Firmen aus der Branche in Achim und der Region wären nach seinen Angaben sicherlich froh, Auszubildenden, die praktische Fertigkeiten mitbringen und zuverlässig sind, eine Chance zu geben.

Lionel Guse, der die Klasse 9c besucht, will die Schule im Juni beenden und dann möglichst ins Berufsleben starten. „Ich würde mich freuen, wenn ich im Sommer einen Ausbildungsplatz im Dachdecker-Handwerk bekommen würde.“

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