Schüler des Cato Bontjes van Beek Gymnasiums spielen Neufassung von Peer Gynt

Das Urteil fällt das Publikum

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Spielszene aus dem Theaterstück „Wer ist Peer Gynt?“, das Schüler des Cato-Bontjes-van-Beek-Gymnasiums in der Aula aufführten.

Achim - „Wer ist Peer Gynt?“ oder „Die Reise in eine Seele, die nirgendwo ankommt und an die Grenzen der Moral geht“ lautete der Titel des Theaterstücks, das Schüler des Cato Bontjes van Beek-Gymnasiums jetzt aufführten. Grundlage bildete das Libretto der Oper von Henrik Ibsen. In „Peer Gynt“ setzt sich der Komponist kritisch mit dem romantischen Nationalismus im Norwegen seiner Zeit auseinander.

Die Hauptfigur ist der junge Bauernsohn Peer Gynt, der mit Lügengeschichten versucht, der Realität zu entfliehen. So verdrängt er, dass sein Vater Hof und Habe durch Misswirtschaft und zahlreiche Alkoholeskapaden verloren hat. In Peers Fantasiewelt ist die heruntergekommene Behausung jedoch nach wie vor ein strahlender Palast. Auch seinen eigenen Nichtsnutz verklärt er zu Heldenhaftigkeit. Von seiner Mutter wird Peer überbehütet und glorifiziert, doch soll er immer ihre Version des Lebens teilen. Auf der Suche nach Liebe und Abenteuer findet er sich bald in einer Welt von Trollen und Dämonen wieder. Er entführt Ingrid, die Braut eines anderen. Gleichzeitig verliebt er sich in Solvejg, die ihn anfangs nicht erhört, sich ihm später jedoch anschließt.

Nach einem Zeitsprung von etwa 30 Jahren kehrt Peer Gynt alt und verarmt heim, wo er um seine Seele kämpfen muss. In einer Szene vergleicht sich Peer mit einer Zwiebel, die viele Hüllen, jedoch keinen Kern aufzuweisen hat. In der an einem Pfingstmorgen spielenden Schluss-Szene stellt sich jedoch Solvejg, die ein Leben lang auf die Rückkehr ihres Geliebten gewartet hat, schützend vor ihn und rettet ihn.

Diese Vorlage hat Elisabeth Brauer mit dem 11. Jahrgang seit Schuljahresbeginn in der AG „Darstellendes Spiel“ bearbeitet. In der Neuinszenierung wurden Originaltexte ergänzt oder ersetzt. Die Jahrzehnte lange Suche wurde drastisch gekürzt. Auseinandersetzungen sind in die heutige Sprache übersetzt und auch die Kommunikation über Social-Media-Netze wird berücksichtigt. Der Schluss wird in der Neufassung als ein moralisches Gericht dargestellt. Die Zuschauer werden als Geschworene in die Aufführung mit eingebunden. Ein Richter entscheidet dann über das Schicksal von Peer Gynt. „Ein Ende, das von Vorstellung zu Vorstellung anders sein kann und auch für uns nicht bekannt ist“, sagt Elisabeth Brauner.

Bei der Aufführung am Freitagabend in der gut gefüllten Aula des Gymnasiums boten die Schüler eine sehenswerte Umsetzung der Vorgaben von Elisabeth Brauner. Sowohl die Dialoge als auch die Auseinandersetzungen in der heutigen Sprache wurden glaubhaft realistisch dargeboten. Das Bühnenbild, die Kostüme und die Einbindung von Projektoren passten zur modernen Inszenierung. Die Hauptdarsteller und alle anderen Mitwirkenden haben überzeugend in ihren Rollen agiert. Kurz: Eine gelungene Premiere.

hem

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