Schüler aus Achim und dem französischen St. Thierry auf Kanutour auf der Weser

Mit zwei Nationen und drei Sprachen in einem Boot

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Fünf Leute passen jeweils in ein Boot. Da ist bei 40 Ruderern nicht anders als mit fliegendem Wechsel zu bewerkstelligen – wobei mehr als ein Kanu zur Zeit im Einsatz war.

Baden - Von Lisa Duncan. Wer gestern den Ölhafen in Baden besuchte, konnte einer fröhlichen Schar von 40 Schülern begegnen. Zu einer Kanutour hatte das Gymnasium am Markt (Gamma) am dritten Tag seines Schüleraustauschs mit dem französischen St. Thierry eingeladen. Jeweils in Fünfergruppen und gut mit Schwimmwesten ausgerüstet, sprangen die Jugendlichen abwechselnd in die Kanus. Und um rudernd voranzukommen, war Teamwork gefragt. Gar nicht so einfach, wenn man dreisprachig kommuniziert: auf Deutsch, Französisch und bisweilen behelfsmäßig sogar auf Englisch, wie die jungen Leute erzählen.

Die Schüler blieben indes nicht unbeaufsichtigt auf dem Wasser. Schulleiter Ralph Gronki hatte sie bei jedem Ruderschlag vom Motorboot aus im Blick. Dazu halfen die Leiter der am Gamma wöchentlich angebotenen Ruder-AG.

Bereits im sechsten Jahr organisiert die Achimer Schule den sprachlichen Austausch mit den Eleven des Collège du Mont d‘Hor. Der Gegenbesuch ist für März 2016 geplant.

Das in der Champagne gelegene Dorf St. Thierry ist umgeben von Weinbergen und befindet sich in der Nähe der 300000-Einwohner-Stadt Reims, erklärt Gabriele Silber. Die Lehrkraft am Gamma organisiert den Schüleraustausch bereits seit 2012.

Nur im vergangenen Jahr kam der Austausch wegen Problemen in der französischen Schulverwaltung nicht zustande, bedauert die französische Lehrerin Marie-Paule Onorati, die mit ihrer Kollegin Elisabeth Dain-Lacombe angereist ist. „Die Schüler sind alle sehr glücklich nach dem Wochenende“, berichtet Onorati. „Keiner hat Heimweh. Das ist deshalb bemerkenswert, weil es für viele die erste Reise ins Ausland überhaupt ist.“

Auch Gabriele Silber ist froh, dass nun wieder 20 Schüler aus Frankreich eine Woche lang in den Gastfamilien der Gamma-Schüler untergebracht sind. „Das wird in der heutigen Zeit immer weniger: In beiden Ländern wird die zweite Fremdsprache an Gymnasien durch politische Entscheidungen immer mehr zurückgefahren“, so Silber. Finanziell wird der Austausch vom Landkreis Verden unterstützt, in den vorangegangenen Jahren auch vom Deutsch-französischen Jugendwerk.

Alles weitere wird vor Ort organisiert, vom Gamma und den deutschen Gastfamilien. Nachdem sich die Besucher am Freitag einen Eindruck von Schule und Wohnort verschafft hatten, unternahmen sie individuell Ausflüge mit ihren Gastgebern. Die 14-jährige Juliette Vervier erzählt etwa begeistert von der Tour in den Heidepark Soltau. Und ihre Klassenkameradin Lea Censier (14) schätzt in Achim und Umgebung vor allem die guten Einkaufsmöglichkeiten. „Außerdem gibt es in Frankreich nicht so tolle Fahrradwege wie hier“, stellt sie fest.

Die Eltern der 13-jährigen Linda Benthien luden deren Gastschwester ein, gemeinsam nach Cuxhaven zu fahren. „Wir waren im Watt in Duhnen, das kannten die gar nicht.“ Die Verständigung funktioniere ganz gut, denn man behelfe sich auch mit Englisch, berichtet der 14-jährige Till Lücke. Zwar bliebe der entscheidende Ansporn zum Vokabeln lernen noch aus, fügt Maren Negenborn (13) hinzu, „aber man möchte schon sagen können, was man isst oder zusammen unternehmen möchte.“

Die Kanutour war nach Ausflügen der Franzosen in Bremen und Hamburg die zweite gemeinsame Aktion der Schüler. Anschließend gab es noch für alle Pizza in der Schulkantine. Und für heute ist ein Abschlussabend vorgesehen – mit Gedichten von Deutschen und Franzosen in ihrer Landessprache. „Die schönsten werden vorgelesen“, so Gabriele Silber.

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