Dagmar Calais präsentiert in der Hünenburg „Die Verschlossenen Gärten“

Vom Schrecken und Paradies

Dagmar Calais präsentiert Bilder voler Aussagekraft. - Foto: Hägermann

Achim - Im Erdgeschoss des Hauses Hünenburg hängen an den Wänden bildliche Darstellungen irdischer Schreckensszenarien. Sie sind beeinflusst von politischen Entwicklungen, aktuellen und zurückliegenden, und geprägt von Synonymen für Ausgrenzung, Freiheitsverlust und Hoffnungslosigkeit. Im Obergeschoss lockt in den Bildern von Dagmar Calais das vermeintlich blumige Paradies. Dessen Konturen allerdings zerfließsen.

Calais´Ausstellung mit dem Titel „Horti Conclusio – Die Verschlossenen Gärten“, wurde jüngst eröffnet. Ingrid Klöpper vom Kunstverein Achim sprach zur Begrüßung vor etlichen Gästen von einer „nicht einfach gestrickten Ausstellung“, Chris Steinbrecher, Laudator und Ehemann der Künstlerin, von dem Engagement und der inneren Betroffenheit seiner Frau. Beides verarbeitet sie in künstlerischer Form. Bildtitel wie Grenzzaun, Land in Sicht, Heimweh, Schlange stehen oder Kokon weisen die Richtung.

Dagmar Calais stellt nicht zum ersten Mal in Achim aus. 1998 war sie vom Kunstverein eingeladen worden, um ihre Bilder im Clüverhaus zu zeigen. „Damals,“ so Steinbrecher, „zeigte sich bei Calais ein ungewöhnlicher künstlerischer Ansatz, indem sie in eine Art kreativen Wettstreit mit der kurz zuvor verstorbenen und von ihr hochverehrten jüdischen Malerin Elisabeth Loewe trat.“ Unbemalte Leinwände der Verstorben hingen im stillen Dialog neben den Bildern von Calais.

Mittlerweile scheint die Welt mit ihrer Völkergemeinschaft aus den Fugen geraten, so Chris Steinbrecher. Von Krieg, Terror und Hunger traumatisierte Menschen machten sich unter Einsatz ihres Lebens auf die Suche nach einer sicheren Bleibe. Der Laudator thematisierte in diesem Zusammenhang das zweifelhafte Demokratieverständnis einiger Staaten, die Schließung von Grenzen und den Bau von Abschiebegefängnissen.

Dagmar Calais malt dunkle See und darauf Patrouillenschiffe und das anonyme Leid des Einzelnen in der Masse, aber auch das Glück derer, die das Festland erreichen. „Land in Sicht“ heißt ein Bild der Ausstellung. Doch das Glück ist häufig nur von kurzer Dauer.

Chris Steinbrecher sieht in Deutschland neue Grenzen gezogen, ghettoähnliche Flüchtlingsunterkünfte und hört den Pöbel, der Hasstiraden brüllt. Sein Verständnis von Gastlichkeit ist ein anderes.

Es ähnelt dem von Calais, „einer Analytikerin gesellschaftlicher und politischer Deformationen, aber auch ein optimistischer Mensch, der die Schönheiten der Natur genießen kann“.

Die Ausstellung in der Hünenburg dauert bis zum 27. November. Das Haus ist immer sonntags in der Zeit von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

häg

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