Schnell schlagen Engländer Ersatzbrücke über die Weser

Nazis sprengen Ueser Brücke völlig sinnlos

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!927 war die Ueser Brücke in einer spektakulären Aktion von Dreye stromaufwärts nach Uesen gezogen worden. 1945 wurde sie zum Kriegsende gesprengt.

Uesen - Von Manfred Brodt. Bevor vor 70 Jahren die Schlachten der letzten Kriegstage die Orte in den heutigen Kommunen Langwedel, Thedinghausen, Achim, Oyten und Ottersberg ergriffen, war schon ein völlig sinnloser Akt der Zerstörung vollzogen: die Sprengung der Ueser Weserbrücke durch die deutsche Wehrmacht.

Bereits am Nachmittag des 8. April hatte sich ein deutsches Sprengkommando an der Ueser Brücke zu schaffen gemacht, um die auf Thedinghäuser Seite vordringenden Engländer an der Besetzung Achims und insbesondere Bremens zu hindern. Zwei Uesener hatten eindringlich auf die Sprengexperten eingeredet, den Unfug zu stoppen, und tatsächlich stellten sie die destruktiven Arbeiten ein. Ein Brückenbogen war dennoch bereits zerstört, und Panzer konnten nicht mehr über die Brücke rollen. Das war jedoch nur das Vorspiel der Brückenzerstörung.

Am Sonntag, 15. April, wurden die Uesener von heftigen Detonationen überrascht. Die Brücke war von der NS-Streitmacht in die Luft gejagt worden. Die gesamte Brückenüberspannung lag im Weserstrom. Die Heimat war zerschnitten, der „Feind“ hier zunächst gestoppt. Wie unsinnig die Aktion war, zeigte sich eine Wche später am 22. April. In wenigen Stunden hatten die Engländer gegenüber dem Fährhaus in Hagen-Grinden fast lautlos eine Ersatzbrücke über die Weser geschlagen, die bis Ende Juni den einzigen Weserübergang darstellte. Der Fährmann dort traute seinen Augen nicht, als er das sah.

Auch wenn die Brückensprengung die Ouvertüre der endgültigen Eroberung des Achimer Raums und Bremens durch die Briten war, hatte es schon Anfang April hier Kriegsgeschehen und immer wieder Fliegerangriffe gegeben. Der frühere Achimer Stadtarchivar Horst Korte berichtete im Heimatkalender 1984: „Die Lehrer der Marktschule waren gerade dabei, die Schüler nach Hause zu schicken, als schon das MG-Feuer der Tiefflieger über Achim ratterte. Sofort sperrte der Schulleiter den Ausgang und drängte die Kinder in die Flure zurück. Mehrere Menschen verloren bei diesem Angriff ihr Leben auf den Straßen Achims.“

Der beiderseitige Beschuss über die Trennungslinie Weser verstärkte sich. Der damalige Kreisarchivar Robert Kienzle berichtete im Heimatkalender von 1984 von Streu-, Stör- und Zermürbungsfeuer der englischen Artillerie aus Lunsen, Werder und Thedinghausen Richtung Achim, besonders auch in der Mittagszeit, als die Menschen sich im Freien aufhielten.

Am 5. April 1945 war im Achimer Kreisblatt den Lesern der Rat gegeben worden, rasch in Deckung zu gehen. „Beim Nahen einzelner Flugzeuge auch einzelner Jagdmaschinen, die oft plötzlich zum Tiefflug ansetzen, muss jeder sofort Schutz und Deckung suchen. Bei der hohen Geschwindigkeit der Jagdmaschinen ist es völlig verkehrt, weiter entfernte Deckung aufzusuchen. Richtig ist es dagegen, sofort in Deckung zu gehen und dabei jede auch die geringste Deckungsmöglichkeit wie Bäume, Gräben, Feldraine, Ackerfurchen auszunutzen. Während der Angriffe ist jede Bewegung gefährlich, da sie Dich dem Feind verrät. Von der Schnelligkeit können Leben und Gesundheit abhängen. Neugierde ist fehl am Platze.“

Das normale bürgerliche Leben ging in Achim gänzlich zu Ende. Das Achimer Kreisblatt brachte am 8. April vor 70 Jahren als einzige lokale Meldung: „In der Woche vom 8. April bis 14 April wird verdunkelt von 20.45 bis 6.15 Uhr“, damit die Flieger nicht gut die Häuser und den Ort sehen konnten. Es sollte während des Weltkrieges die letzte Ausgabe des Achimer Kreisblatts gewesen sein, das damit auch seine im Rahmen der Gleichschaltung der Medien eifrig betriebene nationalsozialistische Propaganda einstellte.

In der nächsten Folge:

Die Engländer nehmen Daverden im Handstreich ein.

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