Günstige Mieten: Ratschläge von Experten

„Schnappen Sie sich die Kreiswohnbau“

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Vize-Verwaltungschef Bernd Kettenburg (links) und Stadtplanerin Dr. Monika Nadrowska begrüßten die Experten (von links) Heiner Pott, David Huber und Franz Klawitter im Ratssaal.

Achim - In Achim mangelt es an bezahlbarem Wohnraum. Und das in erheblichem Umfang. Allein bis 2020 fehlen laut dem Kramer-Gutachten 540 Wohnungen. Bei einer von etwa 30 Interessierten besuchten Informationsveranstaltung am Donnerstagabend im Ratssaal zeigten Experten mögliche Lösungen auf. Einige empfahlen, eine private Wohnungsbaugenossenschaft zu gründen, ein Dritter riet dazu, besser über die bestehende Kreiswohnbaugesellschaft zum Ziel zu kommen.

Studien zufolge fehlten vor allem erschwingliche kleinere Wohnungen zwischen 50 und 90 Quadratmetern für Alleinstehende, Alleinerziehende sowie Familien mit geringem Einkommen und vielen Kindern, informierte David Huber. Das wirtschaftsstarke Achim sei Zuzugsgebiet, zudem gebe es allgemein in der Gesellschaft eine „Singularisierung“, also den Trend zu mehr Einzelelternfamilien und Einpersonenhaushalten, erläuterte der Geschäftsführer von BFW, dem Landesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen für Niedersachsen und Bremen.

Regionale Akteure für regionale Bedürfnisse

Weil jeder das Recht auf freie Wohnsitz-Wahl habe, könne die Stadt den Zuzug nicht begrenzen. Auf private Bauträger brauche auch niemand zu hoffen, „denn die wollen nicht auf ihre normalen Renditen verzichten“. Und für die Gründung einer eigenen, kommunalen Wohnungsgesellschaft würde viel Kapital und Manpower benötigt, was von der Stadt nicht zu stemmen wäre.

Huber ermunterte dazu, eine Bürgergenossenschaft ins Leben zu rufen. Dieses Modell funktioniere „in einigen Orten ganz gut“, etwa in Sögel im Emsland. Dabei wirkten „regionale Akteure für regionale Bedürfnisse“.

An bestehende Strukturen anknüpfen

In einem ersten Schritt gelte es, einen breiten Konsens zu erzielen. Und das sei in Sögel gelungen; Politik, Kirchen, Wirtschaft und Bürger trügen „Willkommen in Sögel eG: Bürgergenossenschaft für Menschen in Not“ mit, erklärte deren ehrenamtlicher Vorsitzender Franz Klawitter. Weil es außerdem geklappt habe, ausreichend Kapital und Grundstücke für vier Hausbauten zu beschaffen, könnten nun 23 Mietparteien „deutlich unter den ortsüblichen Sätzen“ wohnen.

Der dritte Referent im Ratssaal goss etwas Wasser in den Bürgergenossenschafts-Wein. Von Personaleinsatz bis Grundstücke-Erwerb berge solch ein Modell eher mehr Risiken als Chancen, warnte Heiner Pott. Achim sollte an die bestehenden Strukturen anknüpfen, sagte der Direktor des Verbands der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft in Niedersachsen mit Blick auf die in Achim bereits auf dem gewerblichen Sektor tätige Gesellschaft EVG (Entwicklung und Vermarktung von Grundstücken) sowie die Kreiswohnbaugesellschaft. Letztere sei bereit, jährlich 30 günstige Wohnungen in Achim zu bauen. Potts Rat: „Schnappen Sie sich die Kreiswohnbau.“

mm

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