Den Schmutz auch mal akzeptieren

Martina Schwarzmann liefert Konzepte für mehr Gelassenheit

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Tücken des Haushalts mundartlich erklärt: Martina Schwarzmann beschreibt, wie sie den Kampf gegen Flusen verliert. 

Achim - Von Ingo Schmidt. Unterhaltung mit Fortbildungscharakter haben die Besucher am Sonntagabend im Kulturhaus Alter Schützenhof (Kasch) erlebt. Im komplett ausverkauften großen Saal begeisterte Kabarettistin Martina Schwarzmann mit originären Songs von der Alm und eingängigen Geschichten aus dem bayerischen Alltag. Unter dem Programmtitel „Gscheid gefreid“ vermittelte sie Tricks und Kniffe zum Ruhe bewahren.

Ihre bayerische Mundart hält die Künstlerin dabei konsequent durch: Für Hochdeutsch brauche man ganz andere Muskeln, die sie gar nicht habe. „Koa Bange, noch 20 Minudn werd’s bessa“, versichert sie, und erklärt schwierige Vokabeln hilfsbereit-ausschweifend und bildhaft, damit niemand auf der Strecke bleibt. Inspiration liefern die Stammtischfrauen, wo Schwarzmann ihre Strategien entwickelt. Oder sie stammen aus dem Haushalt, wo sich die gebürtige Oberbayerin mit bäuerlicher Finesse gegen den Alltagsstress wehren muss, den das Zusammenleben mit dem Gatten Mo und den drei „minderjährigen Mitbewohnern“ mit sich bringe.

Frühes Aufstehen müsse gar nicht sein: Das Schulbrot könne doch auch Omas Pflegedienst übernehmen. Und wenn Mutti mal in Ruhe E-Mails beantworten möchte, spielt sie mit den Kleinen Verstecken – allerdings ohne sie zu suchen. Sie sei keine Rabenmutter, sie habe nur wenig Ehrgeiz in diesen Angelegenheiten. Kinder hätten schließlich keine Alternative und müssten ihre Mutter trotzdem lieben. „I mog doch grod, dass sie’s bessa hom“, erklärt sie ihr Tun. Wenn der Nachwuchs später psychische Probleme bekomme, müsse es doch etwas geben, wo es herkomme. „De Möglichkeit mog i ihna auf koan Foi nehma.“

Auch Aufräumen werde gemeinhin überbewertet und mehr Toleranz führe zu mehr Gelassenheit. „Wenn ma den Schmutz akzeptiad, mua ma wenga butzn“, erklärt Schwarzmann und beschreibt detailliert, wie sie beim Toilettengang sitzend und wiederkehrend Staubflusen in der Ecke entdecke, aber eben nie heranreiche. Nach ordnungsgemäßer Reinigung der Schüssel habe sie die Flusen längst vergessen.

Solcherlei Geschichten unterbricht die Künstlerin mit Liedern, die beispielsweise von Menschen handeln, die Fertigpizza essen und dabei Kochsendungen im Fernsehen schauen. Am Ende bringt sie ihr Auditorium sogar zum Singen – was allerdings wegen fehlender Muskeln einigermaßen schaurig klingt.

Schwarzmann liefert ein krasses Kontrastprogramm zur Polit- und Gesellschaftssatire vieler ihrer Berufskollegen: Die 39-Jährige knüpft keine komplizierten Zusammenhänge, sondern berichtet amüsant aus dem häuslichen Alltag. Sie spricht über menschliche Unzulänglichkeiten und gaukelt ihrem Publikum bitterböse vor, mit den eigenen Schwächen nicht alleine dazustehen.

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