Liebhaber und komischer Kauz

Nach 27 Jahren nehmen Heinz und Ingrid Dieckmann Abschied vom Uphuser Theater

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Da schließt sich der Kreis: Heinz und Ingrid Dieckmann mit einer Puppenbühne, die ihnen Theaterfreunde zum 50. Bühnenjubiläum schenkten. Schon als Kind liebte es Heinz Dieckmann, Nachbarskinder mit Kasper und Co. zu unterhalten.

Achim - In frühen Jahren Draufgänger und junger Liebhaber, in späteren der komische Kauz und Alte. Als solcher imstande, Gewohnheiten in Windeseile durcheinanderzuwirbeln, um sich danach vergnügt staunend aus dem Staub zu machen: Heinz Dieckmann spielte alle seine komödiantischen Rollen auf der Bühne mit Freude und viel Talent.

Jetzt, nach 61 Jahren, ist Schluss mit lustig. Der 76-Jährige verkündet seinen Abschied von der Laienschauspielerei. Für die Theatergruppe im TB Uphusen, der er seit 1992 angehört, ist das ein großer Verlust. Mit ihm geht auch seine Ehefrau Ingrid. Sie war als Maskenbildnerin eine der guten Seelen des Ensembles und ebenfalls seit 1992 dabei. Für das Ehepaar Dieckmann, das in Bremen-Mahndorf lebt, ist der Weggang von der Bühne eine schwierige Entscheidung gewesen: „Wir haben es uns nicht leicht gemacht. Ausschlaggebend für den Abschied sind gesundheitliche Gründe“, sagen die Dieckmanns, die in diesem Jahr ihre goldene Hochzeit feierten. Als sie ihre Kolleginnen und Kollegen über ihre Entscheidung informierten, gab es viele Tränen.

Heinz Dieckmann war die Schauspielerei nicht in die Wiege gelegt. „Erblich vorbelastet bin ich nicht“, sagt der „Bremer Jung“, der beruflich sein Geld als Kaufmann im Außendienst verdiente. Aber er war als Junge schon ein aufgewecktes Kerlchen, das seinen Spaß daran hatte, die Nachbarskinder mit seinem Kasperltheater zu unterhalten. Eintritt dafür nahm er nicht. Dafür stieg seine Beliebtheit. Später wurde er wichtiges Mitglied der Bremer Laienspielgruppe „Kuhkamp“, schloss sich danach einem Hemelinger Wandertheater an und ging damit auf Tournee: „Im Jahr haben wir um die 40 Vorstellungen gespielt.“

Eine Aufführung in Berlin-Spandau sorgte schon vorab für Adrenalinschübe. Damals gab es noch zwei deutsche Staaten und deshalb Grenzkontrollen: „Wir hatten in unserem Bus Sitze ausgebaut, um Platz für das Bühnenmobiliar zu schaffen.“ Das fanden die Grenzposten gar nicht witzig. Sie vermuteten eine illegale Wohnungssuche in der DDR und hielten ihre Waffen im Anschlag, bis ein Theaterveranstalter für Aufklärung sorgte.

Heinz Dieckmann war vor seinen Auftritten immer nervös („Gehört dazu“), aber auf der Bühne souverän. Nichts konnte ihn, der auch als Moderator brillierte und mit der Schauspielerei einen Sprachfehler überwand, aus der Ruhe bringen. Weder Textstellen suchende Souffleusen, noch Enkelin Sarah, die unbedingt bei einer Aufführung zu Opa auf die Bühne wollte und schließlich auf seinem Schoß Platz nahm. Während Dieckmann die traute Zweisamkeit mit seiner Enkelin in sein Spiel einbaute, entspannten sich die übrigen Bühnenakteure. Die Lacher hatte Heinz Dieckmann immer auf seiner Seite.

Der Humor hat sogar sein Lebensglück beeinflusst, denn: „Der Abend, an dem wir uns kennenlernten, war wirklich lustig“, verrät Ingrid Dieckmann, die in Wolfsburg aufwuchs, das Handwerk der Friseurin erlernte und bei einem Verwandtenbesuch in Bremen plötzlich Heinz Dieckmann vor sich sah.

Der war wie so häufig bester Dinge und um keine Pointe verlegen, was bisweilen irritiere: „Als wir frisch verheiratet waren, habe ich am Frühstückstisch manchmal Eierschalen nach ihm geworfen, weil ich nicht wusste, ob er gerade spielt oder etwas ernst meint“, sagt Ingrid Dieckmann. Auch als Maskenbildnerin der Uphuser Theatergruppe hatte sie etliche Herausforderungen zu meistern: „Einmal brauchte Heinz für seine Rolle einen Bauch. Ich habe ihm einen gebastelt. Der wirkte sehr überzeugend. Dabei war mein Mann damals spindeldürr.“ Heinz Dieckmann schätzt ihr Theaterverständnis: „Ohne meine Frau hätte ich niemals so lange schauspielern können.“

Das neue Stück, mit dem die Theatergruppe Uphusen im Frühjahr Premiere feiert, wird sich das Ehepaar vermutlich nicht ansehen – der Trennungsschmerz ist noch zu groß.

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