Schicksal Obdachloser beunruhigt Bürger 

Schlafplatz an den Bahnschienen

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Hier vor dem Zaun an den Bahngleisen und dicht beim gut belegten Taxi-Parkplatz haben sich seit einiger Zeit Obdachlose eingerichtet. Was passiert mit ihnen, wenn die Nacht-Temperaturen auf winterliche Werte absacken?, fragen sich besorgte Bürger. 

Achim - Nur wenige Meter von vorbeirasenden ICE-Zügen entfernt haben zwei Achimer Neubürger seit einigen Wochen ihren Schlafplatz im Freien aufgeschlagen: Unter der Fußgängerbrücke unweit des Taxenstandes beim Bahnhof. Um das Schicksal dieser Obdachlosen besonders im Fall eines Kälteeinbruchs machen sich nicht nur die Taxifahrer so ihre Gedanken.

„Vor kurzem hatten wir schon unter null Grad, und diese Menschen müssen draußen schlafen?!“ sorgt sich Ingo Schmökel aus Uesen im Leserbrief an diese Zeitung. Weiter schreibt er: „Die Nächte verbringen sie dort auf feuchter Matratze im Schlafsack... Tagsüber sind sie in der Innenstadt unterwegs...“

Sie müssen draußen schlafen, während ich gleichzeitig lese, dass Statuen und Denkmäler der Stadt vor dem Unbill der Witterung in Holzverschlägen eingepackt werden. Was ist ein Mensch wert?!

Trockener, warmer Schlafplatz gesucht

Die Beiden sitzen nachmittags/abends meistens vor dem Sparkassengebäude in der Fußgängerzone. Heute habe ich mal versucht, mich mit ihnen zu unterhalten. Sprachlich war das mehr als schwierig. Sie sind aber sehr freundlich. Kommen – schätze ich mal – aus Osteuropa oder noch ,etwas weiter’. Das sprachliche Problem wird sicher auch der Grund sein, dass sie noch nicht im Bürgerbüro vorgesprochen haben. Ich habe versucht, ihnen das nahezulegen, aber ob sie mich verstanden haben...?

Es muss ja kein Hotel sein, aber etwas Besseres als einen Platz unter einer Brücke sollte es doch wohl geben? Die Beiden scheinen nicht sehr anspruchsvoll. Trocken und keine Minusgrade würde ihnen sicher schon genügen. Gibt es da nichts... vielleicht auf dem Liekengelände?...

Es gibt kaum eine Handhabe

Was immer zu dem aktuellen Dasein der Beiden geführt hat, egal woher sie sind, egal mit welcher Schuld beladen... so etwas muss in Achim doch nicht sein... oder?“

Die Stadt habe zwar Obdachlosen-Unterkünfte zu bieten oder verweise in ein umgebautes Hotel nach Verden, falls in Achim alle Plätze belegt sind, hieß es auf Nachfrage aus der Verwaltung. Nicht nur Nicht-Sesshafte müssten manchmal kurzfristig untergebracht werden, sondern auch Menschen, die zum Beispiel nach heftigem Streit „aus der Wohnung geflogen sind“.

Solange die Männer unter der Brücke aber friedlich blieben, nicht andere aggressiv anbettelten oder sonstwie gegen Gesetze verstießen, gebe es kaum eine Handhabe, sie zum Verlassen dieses Übernachtungsortes zu zwingen.

Helga Stilke, Ermittlungsdienstleiterin bei der Achimer Polizei, betont zunächst, dass für die Versorgung von Obdachlosen an vorderster Stelle die Stadt gefordert sei. Wenn keine Straftaten vorlägen, habe die Polizei auch keinen Anlass zum Eingreifen.

Als oberstes Kriterium gelte das der Gefahrenabwehr. Tätig werden müsste die Polizei demzufolge auch, wenn die Übernachter selbst durch nächtliche Minustemperaturen schwer gefährdet seien. Irgendwelche Anzeigen gegen die Männer liegen ihrer Kenntnis nach nicht vor.

Ob er jetzt ein festes Dach über dem Kopf wolle? Die Frage beantwortet der freundliche, fast täglich vor dem Kreissparkassengebäude sitzende Mann mit dem Geldsammelhut vor sich nicht eindeutig. Zu erfahren war trotz schwieriger sprachlicher Verständigung, dass er aus Polen komme.

Bedauernd meinte er, dass das von Passanten gespendete Geld kaum fürs Essen reiche. Ein jüngerer Mann, der vorbeikommt, gibt dem Obdachlosen gar nichts Bares, sondern statt dessen einen Riegel Kinderschokolade, bevor der Ältere dem Mann von der Zeitung noch die Hand drückt und die besten Wünsche mit auf den Weg gibt. 

la

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