Lüder Bischoff segelt in die Karibik

Besonderer Reisebericht: Schiffbruch vor der niederländischen Grenze

Über Flüsse und Kanäle führte die Reise die beiden Segler in den ersten zwei Wochen.
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Über Flüsse und Kanäle führte die Reise die beiden Segler in den ersten zwei Wochen.

Lüder Bischoff und sein Segelfreund Rainer Ruge haben sich viel vorgenommen: Gemeinsam wollen sie in die Karibik segeln. Aber noch in deutschen Gewässern gibt es die ersten Probleme.

  • Am 13. Dezember sind der Achimer Lüder Bischoff und sein Segelkollege Rainer Ruge zu ihrer Segeltour aufgebrochen
  • Kurz nach Weihnachten beendet eine defekte Wellendichtung vorübergehend das Projekt
  • Lüder Bischoff geht von Bord

Am 13. Dezember sind der Achimer Lüder Bischoff und sein Segelkumpel Rainer Ruge vom Vegesacker Hafen aus zu einem Segeltörn in die Karibik aufgebrochen. Zurückkehren wird nur einer, denn Ruge wandert in die Karibik aus. Bischoff plant, bis Ende März /Anfang April zu bleiben. Allerdings macht die „Klara“ den beiden Seglern schon kurz nach Weihnachten einen Strich durch die Rechnung, wie Lüder Bischoff im ersten Teil seines Reiseberichts schreibt.

„Das Abenteuer beginnt. Erstmal gegen die Tide nach Norden. Mühsam laufen wir bei dem böigen nasskalten Ostwind, der uns wenigstens schiebt, die Weser hinab. Zwei Stunden später erreichen wir die Huntemündung und haben den Tidenstrom mit uns. Mittags zwingt uns die Eisenbahnbrücke zu einem halbstündigen Stopp an der Kaimauer. Sie öffnet nach einer guten halben Stunde, und wir sind wieder in Fahrt. Unterwegs überholt uns ein Binnenschiff, und schon von weitem sehen wir dieses in die Oldenburger Schleuse einlaufen. Wir geben Gas, um das Loch ebenfalls noch zu erreichen, doch kurz vor dem Tor werden die Signale für uns auf Rot gestellt.“ Bei Einbruch der Dämmerung entscheiden sich die beiden Segler, in den Yachthafen Oldenburg einzulaufen und dort die erste Nacht zu verbringen.

Segeln in die Karibik: Erster Streit kurz vor Lingen

Nach Passieren der Schleuse am nächsten Morgen geht es weiter, und nach wenigen Tagen erreichen die Abenteurer den Dortmund-Ems-Kanal. Bereits kurz vor Lingen kommt es zum Streit zwischen den beiden Männern. „Rainer löst mich wieder von der Pinne ab. Ich schaue auf die Karte, stelle unsere aktuelle Position fest und melde ihm, dass es noch drei Kilometer bis zum Ziel sind. (...) Nach einer halben Stunde erscheine ich im Steuerstand und frage Rainer, bei welchem Kilometer wir denn sind. Nach meiner Berechnung hätten wir den Zielhafen längst erreicht haben sollen. Die Frage bleibt unbeantwortet und ein zweiter Disput bahnt sich an. Im ersten ging es immer wieder um die fehlenden Seekarten, und nun geht es um die Aufmerksamkeit des Rudergängers. Denn als das nächste Schild den Kilometer 144 ausweist, fahre ich zwar nicht aus der Haut, werde aber in etwas lauterem Ton sehr deutlich. Ich gebe Rainer zu verstehen, dass ich ihm die Navigationshinweise gebe, damit er entsprechend steuert.

Lüder Bischoff (l.) begleitet Rainer Ruge in die Karibik.

Unachtsamkeit des Rudergängers kann im Ernstfall katastrophale Folgen für Mannschaft und Schiff haben. Seine Entgegnung, er bezahle ja den Diesel und ob ich mich mit dem Auto nicht auch schon einmal verfahren hätte, bringt mich erst recht auf die Palme. Nun spreche ich Klartext mit ihm. ,Rainer, wenn du künftig nicht akkurat und konzentriert Ruder gehst, sehe ich meine Sicherheit wie die des Schiffes als gefährdet an und gehe von Bord.’ Das hatte gesessen. Rainer blieb stumm. Inzwischen hatte er gewendet und wir fuhren die vergeigten zwei Kilometer zurück.“ Ein frisch gekochter Kaffee, von Lüder Bischoff „mit etwas Rum auf Geschmack gebracht“, hebt die Stimmung und nach einer letzten Manöverkritik ist die Angelegenheit vergessen.

Heiligabend verbringt das Duo am Schleusenanleger in Dorsten. Als Weihnachtsessen gibt es Bischoffs Leibgericht: Tomaten-Gurken-Eiersalat mit Röstkartoffeln. „Gegen 18 Uhr habe ich den Tisch so feierlich wie eben möglich gedeckt, ein Teelicht entflammt und die Speisen auf den Tisch gestellt. Bis auf den letzten Rest verspeisen wir unsere Mahlzeit. Schließlich soll doch morgen die Sonne für uns scheinen.“

Nach zwölf Tagen ohne Dusche, weil die meisten Sanitäranlagen wegen Corona geschlossen sind, können sich die beiden Segler am zweiten Weihnachtstag in Rees endlich wieder ausgiebig der Körperpflege widmen, wenn auch nur mit kaltem Wasser, weil der Münzautomat für den Betrieb der Duschen nicht funktionierte.

Wasser im Motorraum

Danach sehen die Männer das Malheur: Wasser im Motorraum. Das Wasser rinnt regelrecht aus der Wellendichtung. Die Segler können den Wassereinbruch schließlich stoppen, aber Lüder Bischoff schwant bereits, dass eine Reparatur erforderlich wird, für die das Schiff aus dem Wasser muss. „Auf keinen Fall dürfen wir das Risiko eingehen, noch längere Strecken mit der defekten Wellendichtung zu fahren. Hier muss, ganz klar, ein Fachmann ran.“

Anlegemanöver mit der „Klara“.

Ihm wird klar, dass die Situation relativ ausweglos ist. „Wir liegen hier auf unbestimmte Zeit fest. Zwischen Weihnachten und Neujahr findet sich wohl kaum ein Reparaturbetrieb, der unseren Schaden behebt. Sollten wir in die nur zehn Kilometer entfernten Niederlande fahren, drohen uns möglicherweise zehn Tage Quarantäne, und bei Ausreise nach Deutschland dort ebenfalls. Wenn wir morgen Vormittag nichts erreichen, lasse ich mich hier vorübergehend von meinen Söhnen abholen und fahre nach Hause. Hier habe ich kaum Netzverbindung. Telefon und Internet funktionieren nur stark eingeschränkt. Da kann ich viel besser von zu Hause aus, die benötigte Hilfe und weitere Maßnahmen organisieren.“

Gesagt, getan. Am nächsten Tag tritt Lüder Bischoff die Heimreise an. „Der Großteil meiner Sachen verblieb an Bord, damit meine Rückkehr mit nur leichtem Gepäck erfolgen könnte.“

Nun steht die Reparatur der defekten Wellendichtung an. „Dann geht es hoffentlich bald weiter; mit Chance schon am kommenden Wochenende.“

Eine Fortsetzung des Reiseberichts folgt.

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