Die 190 Sofa-Mitarbeiter leisten Sozialarbeit für Jugendliche, Schule und Flüchtlinge

Aus „Scheinselbständigen“ entsteht Vereinsunternehmen

Graffitikunst statt Schmierereien im Bahnhofstunnel, auch ein Jugendprojekt. - Fotos: Sommerfeld

Achim - Von Inka Sommerfeld. „Wir heißen zwar Sofa, sind aber kein Sofa, auf das man sich setzen kann. Sofa heißt Sozialpädagogische Familien- und Lebensberatung“, erklärt Geschäftsführer Jan-Dieter Junge. Sofa ist ein gemeinnütziger Verein, der 1999 gegründet wurde.

„Zuvor waren wir sechs freiberufliche Familienhelfer und für den Landkreis tätig. Dann kam das Gesetz, das Scheinselbständigkeit verbietet, und der Kreis stellte fest, dass wir scheinselbständig waren. Da waren wir von einem Tag auf den anderen arbeitslos“, berichtet Junge von den Anfängen. Was tun? Die Antwort: einen Verein gründen.

Heute sind 190 sozialversicherungspflichtige Mitarbeiter - darunter Sozialarbeiter, Lehrer, Psychologen, Erzieher, Kunst- und Musiktherapeuten - bei Sofa angestellt, die Familien, Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in Krisen beraten, begleiten und helfen. In den Landkreisen Verden, Stade, Nienburg, Rotenburg und Diepholz sowie in Bremen. Dazu kommen 39 Orte, an denen Schulsozialarbeiter aktiv sind.

„In dem Bereich sind wir der größte Träger in Niedersachsen“, sagt Junge ein wenig stolz. Um Kindern und Jugendlichen sinnvolle Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung anzubieten, baute Sofa ein Netz von Freizeiteinrichtungen auf. Insgesamt 17, darunter der Jugendtreff, das Cawia (Café Wir in Achim) und das Emma-Mobil in Achim sowie der Jugendcontainer in Baden.

Dort wird nicht nur gespielt und gechillt, sondern die so genannten nachschulischen Projekte umfassen zudem unter anderem Mittagessen und Hausaufgabenbetreuung.

Wie im Achimer Jugendtreff. Die Gruppe, in der zwölf Kinder der fünften bis achten Klassen eine Tagesstruktur bekommen sollen, ist ausgebucht, und es gibt eine Warteliste. „Auch dort kommen wir unserem Bildungsauftrag nach, in Kontakt zu den Kindern und Jugendlichen zu treten und Vertrauen zu ihnen aufzubauen“, sagt der Geschäftsführer.

Ein weiteres Standbein von Sofa ist die Sozialarbeit in den Schulen. Die Schulsozialarbeiter werden inzwischen als willkommene Unterstützung angesehen, hat Junge beobachtet.

Kunstprojekte wie am Bahnhof dienen dazu, die Stadt zu verschönern: Jugendliche gestalteten den Bahnhofstunnel mit Graffiti. Das sieht nicht nur gut aus. „Dabei hat die Stadt festgestellt, dass sie jetzt das Geld spart, das sie ausgab, um die Wände von Schmierereien zu reinigen“, sagt der Geschäftsführer zufrieden. Denn Ziel ist es, etwas zu erreichen, das Kinder und Jugendliche gern vorzeigen.

„Nebenbei betreiben wir Jugendaustausch in Europa“, erzählt Junge. Doch zu seinem Verdruss wurde der Austausch mit Russland wegen der politischen Situation eingestellt. „Doch wir halten Kontakt“, ist er zuversichtlich.

Im vorigen Jahr kam dann noch die Flüchtlingshilfe hinzu. Quasi über Nacht. „Im Oktober erfuhren wir, dass in einem Monat ein Bus mit 50 jugendlichen Flüchtlingen kommt, für die wir zuständig sind“, berichtet Junge. Als erstes musste zusätzliches Personal her. „Wir haben innerhalb eines Monats 20 Leute eingestellt, um Jugendhilfe zu gewähren. Darauf sind wir ganz stolz“, bekundet der Geschäftsführer. Aufgabe der Sofa war es, den Jugendlichen zu helfen, selbständig zu werden. „Es ging um Jugendliche, die in Syrien an der Front kämpfen sollten - das wollten die Eltern vermeiden und haben sie auf den Weg nach Europa geschickt. Die Jungen sind auf seltsame Weise erwachsen geworden und seelisch fix und fertig. Und dann müssen sie sich noch in eine neue - unsere - Kultur einfinden“, beschreibt Junge. Sofa-Mitarbeiter halfen den Jugendlichen, die Flucht aufzuarbeiten. „Das wird noch eine Zeit dauern“, weiß der Geschäftsführer. Hilfreich waren und sind Mitarbeiter, die dem Kulturkreis der Syrer entstammen. „Wir werden es zusammen hinbekommen, denn das ist die Aufgabe von Sozialarbeit“, ist Junge zuversichtlich.

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