Scharf geführte Bühnendebatte

Kabarett-Duo deckt Missstände schonungslos auf

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Zwischen ihren rasant geführten Bühnendebatten bildeten die inbrünstig dahingeschmetterten Liedbeiträge von Hermann (links) und Fritz absolute Höhepunkte.

Achim - Sie haben bereits Bühnengeschichte geschrieben und waren vielfach im WDR-Fernsehen zu sehen – die Kabarettisten Rainer Pause und Nobert Alich alias „Fritz und Hermann“.

Am Sonntagabend gastierten sie im Kulturhaus Alter Schützenhof (Kasch) in Achim und präsentierten ihr aktuelles Programm „Früchte des Zorns“ im prall gefüllten Blauen Saal. Begleitet wurden sie dabei am Piano von Stephan Ohm.

Dem Anlass gebührend gekleidet in Frack und Cutaway, trat das Duo in einen Diskurs über die Missstände dieser Welt. Selbst immer irgendwie aufgebracht, redeten sie wie ein altes Ehepaar über das, was die Bürger auf die Palme bringt. 

Aufreger am Fließband

Gleich der erste Song zum Bühnenaufgang gab die Richtung des Abends vor: Zur Melodie von „The Final Countdown“ der schwedischen Hard-Rock-Band Europe legte das Duo gleich eine ganze Batterie aktueller „Aufreger“ offen – von AfD über Trump bis hin zu Genfood oder Stuttgart 21 lieferten sie eine nicht enden wollende Aufzählung mit dem Refrain: „Da will man nicht mehr hinschauen, da kann man nur noch draufhauen.“

Um dem Zeitgeist zu genügen, richtete „Hermann“ Glückwünsche an ein Ereignis, das jetzt bereits im dritten Jahr „runden Geburtstag“ feiere: Der Erste Weltkrieg. „Ja, warum nicht?“, fragt der 62-Jährige. „Auch Arschlöcher feiern Geburtstag!“ Die Ursache sieht der Katholik Hermann ganz klar im Reformationsgedanken: Luther habe neben dem Ablasshandel auch den Alkohol verteufelt, und die Salafisten würden am Abend Pfefferminztee trinken. „Wenn ich abends zwei Gläser Wein in mich hineinkippe, sind alle meine Weltherrschaftsgedanken weg“, weiß der gebürtige Pfälzer.

Rasantes Kabarett in „Scheibenwischer-Manier“

Der Friedensdienst der Bundesrepublik bestehe heute darin, alle eigenen Waffen zu exportieren, damit man keinen Unfug anrichten könne. Franz-Josef Strauß hätte das damals allerdings geschickter angestellt: Statt zu schmieren, habe er sich schmieren lassen – so sei das Geld wenigstens im Lande geblieben. Und überhaupt: Seit der Berufsarmee eine Blondine vorstehe und gewissermaßen „von einer Laiin“ angeführt werde, stünde es nicht zum Besten mit ihrer Wehrhaftigkeit. „Mittlerweile können die Soldaten nichts anderes mehr als Brunnen in Afrika bohren und anschließend hoffen, dass ihre Feinde hineinfallen“, bemerkt Nordrhein-Westfale Pause.

Rainer Pause und Norbert Alich lieferten ihrem begeisterten Publikum ein rasantes Kabarett in guter, alter „Scheibenwischer-Manier“ mit viel Tiefsinn und ohne Zeit zum Luftholen. Für Abwechslung sorgten weitere Gesangseinlagen: Zu „We didn´t start the fire“ von Billy Joel dichtete das Duo „Das geht uns auf die Eier“ und führte damit die lange Liste des Eingangsstückes fort. Um die Jugend anzusprechen, bevor sie nach Syrien abhaue, präsentierten Pause und Alich eine modernisierte Version mit Übersetzung von „Freude schöner Götterfunken“, die von „Fritz“ effektreich gerappt wurde.

sch

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