Satire-Altmeister Henning Venske gewohnt bissig gegen politische Dummheit

„Ich bin Ihre Opposition“

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Henning Venske präsentierte vor begeistertem Achimer Publikum große Politsatire auf der Kleinkunstbühne.

Achim - Von Ingo Schmidt. Das Publikum im ausverkauften großen Saal im Kulturhaus Alter Schützenhof lauschte gebannt und wusste, was kommen würde: Politsatire in Reinform. „Ich bin Ihre Opposition.“ Mit diesen Worten eröffnete der Satire-Altmeister am Sonntagabend den Dialog mit seinem Publikum und meinte das durchaus wörtlich.

Stets aufsässig und mit viel Vergnügen tritt Henning Venske der gefestigten Meinung entgegen, er rüttelt auf und regt Zweifel. Zuerst aber lernten die Zuhörer, dass sie gar keine eigene Meinung haben, denn Grundlage für eine eigene Meinung sei Wissen. Aber Informationen würden manipuliert oder vorenthalten, und so könne man nicht „meinen“, sondern allenfalls mit „Nachdruck behaupten“.

Sehr „nachdrücklich“ stellte der Satiriker dann die These in den Raum, Terror gehe allein von Rindfleisch aus, weil nur ein ganz geringer Anteil terroristischer Anschläge von Menschen begangen werde, die Schweinefleisch essen.

Erheiternd und nachdenklich bewegt sich Henning Venske auf dem Schlachtfeld internationaler- und bundespolitischer Ereignisse und durchbricht die Grenzen zwischen Realität und Satire, zwischen Witz und Wirklichkeit. Aus Notwehr getrieben begegnet er jedem Zwang mit zynischer Zunge und haltloser Häme: Angela Merkel mit ihrer „Kriegsministerin Ursula von der Leyen“ sei noch nie kriegerischer gewesen, und Deutschland beweise eine Doppelmoral, wenn Balkanflüchtlinge zurückgewiesen würden, obwohl man für deren Situation mitverantwortlich sei. Der Redner skizzierte Horst Seehofer als „rassistischen Bierdimpfl-Anhänger“ und Flachzangen-Metaphoriker, der den Zustrom von 6000 Flüchtlingen in Bayern als Zumutung bezeichne, aber ohne Weiteres jährlich Millionen Oktoberfestbesucher verkrafte. Eine Zumutung seien die Bankenrettung und Steuerflüchtlinge die wirklich teuren Flüchtlinge, so Henning Venske.

Wieder „mit Nachdruck“ deckt der 76-Jährige die vermeintlichen Unzulänglichkeiten der Politikschwafler auf. Sigmar Gabriel, als begnadeter Futterverwerter und Borderline-Persönlichkeit mit bipolaren Störungen, habe einfach keine Ahnung: Er werbe für TTIP, um wenig später den Nutzen anzuzweifeln.

Damit schlägt Henning Venske den Bogen zu Genmanipulation und dem Paradox, dass 90 Prozent der Deutschen gegen den Einsatz von Gentechnik seien, aber zu 70 Prozent mit Merkels Politik konform liefen. Anschließend folgt der Testbericht eines schwedischen Gen-Bieres, bei dem er nach der achten Flasche feststellen musste, dass die Frauen um ihn herum immer schöner wurden und dass die Gentechnik offensichtlich schon fortgeschrittener sei, als er angenommen hatte.

Nach der Pause folgte eine ideologisch-historische Rückwendung in die 68er Jahre. Nein, früher war nicht alles besser! Es gab noch keine Handys, mit denen man Handys fotografieren konnte, und man musste mit feuchtem Klebearsch auf plastikbezogenen Stühlen sitzen. Aber die Oma durfte unbehelligt Kopftuch tragen, und das Wort „Abschiebung“ war unbekannt. Der Konflikt zwischen Anzug tragenden Schuppenköpfen und verlotterten Langhaarigen habe insgesamt aber viel bewirkt und vieles zum Positiven verändert: So genießen Kinder eine schmerzfreie Erziehung, Frauen sind als Menschen anerkannt und Schwule dürfen Bürgermeister oder Außenminister werden.

„Mit Nachdruck“ behauptet Henning Venske, dass er gar kein Alt-68er sei, „denn es gebe ja auch keine Jung-68er. „Leider, denn wir bräuchten sie...“

Zum Abschluss servierte der Altmeister der Politsatire Kurzgeschichten „Vom Tuten und Blasen bei Hofe“ und „Narrtei im Abteil“. Mit einer Warnung verabschiedete der Hamburger seine begeisterten Gäste: „Vorsicht auf dem Heimweg, draußen gibt es viele Idioten. Es war mir ein Vergnügen.“

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