Risse, Schlaglöcher und kaputter Asphalt

Sanierungsstau im Achimer Straßennetz

„Vermutlich nicht mehr zu retten“: Viele Flicken und Risse weist dieser Abschnitt der Borsteler Hauptstraße am Ortseingang auf.
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„Vermutlich nicht mehr zu retten“: Viele Flicken und Risse weist dieser Abschnitt der Borsteler Hauptstraße am Ortseingang auf.

Achim – Nur wenig grün und ganz viel orange – so sieht der Plan aus, mit dem die Stadtverwaltung Achim Öffentlichkeit und Kommunalpolitik über den Stand der Sanierungen von Gemeindestraßen informieren will. Das viele Orange auf dem Plan weist noch offene Bereiche aus, grün steht für „erledigt“. Die laufenden und geplanten Straßensanierungen sind auch Thema im Ausschuss für Bauunterhaltung am Montag, 21.

Juni, im Achimer Rathaus. Ob die Stadt diesen Sanierungsstau noch dieses Jahr abarbeiten kann, ist aus mehreren Gründen fraglich.

Das größtenteils schon sehr alte Achimer Straßennetz leide insbesondere in den Wintermonaten „durch häufige Temperaturwechsel um den Gefrierpunkt, verbunden mit Regen und Schnee“, schreibt Verwaltungsmitarbeiterin Andrea Daske in der Mitteilungsvorlage. Die Folge: Schlaglöcher, Asphaltaufbrüche und diverse Rissarten, die in der Regel bis in den Untergrund durchdringen. Die Stadt Achim hat als Straßenbaulastträger die Pflicht, die Infrastruktur zu erhalten und die Verkehrssicherheit zu gewährleisten.

Insbesondere die Witterung habe die Stadt bei der Ausführung der Arbeiten dieses Jahr aber vor Schwierigkeiten gestellt: „Anders als 2020 hatten wir in diesem Frühjahr unglaublich viele Regentage. Das müssen wir aufholen und werden wir auch“, sagt Stefan Schuster, Leiter der Abteilung Straßen- und Verkehrsmanagement.

Erschwerend sei hinzugekommen, dass die Stadt aufgrund der Verknappung von Material längere Wartezeiten in Kauf nehmen musste. „Bekannt ist, dass im Baubereich Holz und Stahl praktisch nicht zu kriegen sind“, so Schuster. Im Straßenbaubereich gelte das gleiche für Betonpflastersteine. „Da warten wir teilweise sechs bis acht Wochen drauf. Sonst lag die Wartezeit bei Null“, berichtet Schuster. Auch Arbeitsleistung sei aufgrund hoher Nachfrage schwerer zu bekommen. Dies wirke sich auf die Preise aus. „Die Schnäppchen fallen weg. Die ergaben sich, wenn Baufirmen ein Auftrag weggebrochen ist. Wenn man zeitlich flexibel ist, kann man das nutzen.“ Dies sei dieses Jahr so nicht möglich.

Kleinere Schäden kann der Bauhof ausbessern, größere erfordern eine Instandsetzung mithilfe von Fremdfirmen. Um einige Straßen steht es offenbar besonders schlimm. Dann werden einfache Sanierungen unwirtschaftlich oder es heißt auf dem Prioritätenplan für die Straßensanierung schlicht: „Straße vermutlich nicht mehr zu retten.“ Schuster erläutert: „Solche Straßen müssen von Grund auf neu gemacht werden.“ Dies trifft zum Beispiel auf Teile der Borsteler Hauptstraße, der Schwedenschanze, der Straße Holzbaden und die Rektor-Ganten-Straße zu.

„Normalerweise hält eine Straße 20 bis 30 Jahre“, so Schuster. Einige Straßen in Achim seien aber deutlich älter. Dies trifft laut Schuster etwa auf die Desmastraße, die Straße Am Rathauspark und die Scharnstraße zu. Obgleich die Stadt pro Straße einige tausend Euro im Jahr investiere, um sie auszubessern, trete irgendwann unweigerlich der Verschleiß ein. „Irgendwann reicht die Flickschusterei nicht mehr aus“, stellt Schuster fest. Angesichts der Pflicht, aus Gründen der Verkehrssicherung sofort tätig zu werden, setze die Stadt lieber auf frühzeitiges Reparieren.

Frisch ausgebessert ist dieses ehemals holprige Stück der Straße am Bollener Deich. Autos fahren auf dieser eher schmalen Straße bei gemäßigtem Tempo.

Wenn trotz umfangreicher Ausbesserungsmaßnahmen Straßen komplett erneuert werden, müssen auch Anlieger beteiligt werden. „Diese Regelung greift, wenn bestehende Straßen von Grund auf instand gesetzt werden müssen, aber auch beim Erstausbau von Straßen“, erläutert Schuster. Letzteres würde auch anfallen, wenn Achim die Anliegerausbaubeiträge abschaffen würde.

Die Kosten für alle Straßensanierungen, die Achim dieses Jahr auf dem Zettel hat, betragen 1,5 Millionen Euro. Daran trägt die Stadt ihren Anteil, aber auch die weiteren Straßenbaulastträger, das Land Niedersachsen und der Landkreis Verden. Letztere seien besonders bei Fahrradwegen in der Pflicht, denn laut Schuster unterhält die Stadt nur wenige davon. Grundsätzlich sehe die Straßenverkehrsordnung vor, dass Radfahrer die Fahrbahn mitnutzen. Auf Kreis- und Landesstraßen sind Radwege aber aufgrund des starken Auto- und Lkw-Verkehrs sinnvoll. Maßnahmen, die der Landkreis umsetzen will, umfassen etwa ein Stück des Radwegs an der Bremer Straße bis hoch zum Gieschen-Kreisel und den Abschnitt vom McDonald’s-Kreisverkehr bis Holzbaden. Das Land will den Radweg kurz vor der Ueser Brücke diesen Herbst wiederherstellen.

Jahr für Jahr stehe die Stadt mit allen Straßensanierungen vor einer Mammutaufgabe: „Das Straßennetz in Achim umfasst ungefähr 250 Kilometer. Da kann man sich ausrechnen, was wir pro Jahr schaffen müssten“, so Schuster. Zehn bis zwölf Kilometer schätzt Schuster und fügt hinzu: „Da liegen wir nicht. Nicht mal ansatzweise.“

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