„Sacred Harp“: Chorgesang ganz anderer Art / Kasch lädt zu Workshop ein

Frei von der Leber weg gemeinsam drauflos singen

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Harald Grundner hatte ein dickes „Sacred-Harp-Buch“ dabei. „Es enthält mehr als 500 alte Lieder“, berichtete er.

Achim - „Wir machen Nicht-Sänger zu Sängern“, verspricht Harald Grundner. Der Bremer ist einer der Aktivisten bei „Sacred Harp“ in der Hansestadt und leitet nun einen „Schnupper-Sing-Workshop“, den das Kasch am Sonnabend, 30. Mai, von 18 bis 21 Uhr im großen Saal an der Bergstraße 2 in Achim anbietet.

Willkommen seien alle, die gern unter der Dusche oder im Auto singen, sich aber nicht trauen, in einen Chor zu gehen. Und auch insbesondere diejenigen Musikfreunde, die Vorsingen, Pflicht-Proben, diktatorische Chorleiter, Noten lesen für verzichtbar halten, ermuntert Grundner. Bei „Sacred Harp“ falle alles „Müssen“ weg, betonten er und Susanne Groll, im Kasch für alles Klangvolle zuständig, gestern beim Pressegespräch im Kulturhaus Alter Schützenhof.

Aber was verbirgt sich überhaupt hinter diesem englischen Begriff? Wie funktioniert denn gemeinschaftliches Singen in alternativer Form? Auch das erläuterten Groll und Grundner natürlich.

Sacred Harp sei ein mitreißender Chorgesang aus den USA, entstanden vor der Zeit des amerikanischen Bürgerkriegs im 19. Jahrhundert. „Und völlig anders als alle Chormusik, die man in Deutschland kennt“, stellt Harald Grundner klar. Es gibt seinen Angaben zufolge keinen Chorleiter, keine Auftritte, kein Publikum, keine Instrumente, „ja, es gibt noch nicht einmal einen Chor“. Nur Menschen, die sich treffen, die mehrstimmig (Sopran, Alt, Tenor, Bass) mit- und füreinander singen. „Das allerdings kraftvoll und mit Schwung.“

Wie das klingt? Alle Vergleiche hinkten: A cappella Heavy Metal, Hardcore-Gospel, Gregorian Chant meets Bluegrass...

Die Texte sind nach Angaben von Grundner christlich, „viele geradezu fundamentalistisch, mit Feuer und Schwefel“. Die Meinung der meisten Sängerinnen und Sänger stimme mit ihnen inhaltlich vermutlich nicht überein, „aber sie sind von einer rauen Poesie und wir singen sie gern“.

Es handele sich ursprünglich um alte irische, keltische Lieder, die von den „Hippies“ in den Vereinigten Staaten zu neuem Leben erweckt worden seien. Inzwischen schwappe diese Welle auch nach Europa und Deutschland rüber. Hierzulande habe „Sacred Harp“ 2011 als erstes in Bremen Einzug gehalten.

„Ungefähr 30 Leute treffen sich seitdem jede Woche zum Singen“, erzählt Harald Grundner und freut sich schon auf das kommende Wochenende. Die Bremer Gruppe, verrät er, veranstalte über Pfingsten in einem kirchlichen Gemeindehaus in der Neustadt eine „Sacred-Harp-Convention“, zu der Gleichgesinnte aus der ganzen Bundesrepublik erwartet würden.

Dort und eine Woche später beim Workshop im Kasch werde es ziemlich laut zugehen und mittelalterlich klingen. Sacred Harp, weiß der Bremer, ist nicht nach jedermanns Geschmack. „Entweder man läuft schreiend davon oder man ist begeistert.“

Zusammen mit weiteren Mitgliedern aus der Gruppe will Grundner die Achimerinnen und Achimer jeden Alters für diese Art des Singens gewinnen und hofft, etliche Wagemutige beim Workshop begrüßen zu können. „Keine Angst vor falschen Tönen, die sind erlaubt.“

mm

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