Anwohnerkritik an Bauvorhaben: Verlust letzter Düne und dörflichen Charakters befürchtet

Runken: Zu dicht, zu hoch und zu viel Verkehr

Die Anwohner Karl-Heinz Tiedge, Kai Sommer, Gabriele Tiedge, Sascha Preuß, Birgit Arendt und Elvira Masuch (v.l.) wollen nicht, dass die Düne, hier mit Blick vom Winterweg aus, bebaut wird. Fotos: duncan

Bierden - Von Lisa Duncan. Wohnungen und Pflegeplätze könnten ab 2020 auf dem Gelände der ehemaligen Textilfabrik Runken entstehen. Die Rede ist von 90 Wohneinheiten in Mehrfamilienhäusern beziehungsweise Stadtvillen, davon 20 Prozent geförderter Wohnungsbau, sowie 65 Plätzen in einer Pflegeeinrichtung. So weit jedenfalls die Vorplanungen mit den Investoren von der Specht-Gruppe (wir berichteten). Gegen die „extrem verdichtete Bebauung, die sehr hohen Gebäude und die zu erwartende Zunahme des Verkehrs“ haben sich nun Anwohner in einem offenen Brief ausgesprochen. 86 Bürger aus Bierden reichten dazu bei der Stadt Achim eine Unterschriftenliste ein.

Das 20 000 Quadratmeter große Gelände, das von der Bremer Straße, dem Weizenkamp, Winterweg und Roggenkamp eingefasst wird, ist ein Mischgebiet mit Wohnen und Gewerbe. Dort sind, vom Pflegeheim an der Bremer Straße absteigend, Häuser mit bis zu drei Vollgeschossen und einem Staffelgeschoss geplant. Viele der alteingesessenen Anwohner sorgen sich um die Veränderung ihres Ortsteils durch das groß angelegte Bauvorhaben. So etwa Karl-Heinz und Gabriele Tiedge, die am Weizenkamp wohnen. Von ihrem Einfamilienhaus blicken sie auf die letzte Düne Achims.

Die erste Projektvorstellung hatten die Tiedges und Nachbarn im Planungsausschuss im März verfolgt. Über eine Fraktionssitzung mit der SPD, sowie zwei Ortsbegehungen mit den Stadtratsfraktionen der CDU und FDP hatte die Gruppe zudem das Gespräch mit der Politik gesucht.

Die Tiedges und ihre Mitstreiter fordern unter anderem, die voraussichtlichen Bauvorhaben der nächsten Jahre einzubeziehen – und nennen die Flüchlingsunterkunft, die ein privater Eigentümer noch für etwa fünf Jahre an den Landkreis Verden vermietet hat, das stadteigene Obdachlosenheim am Roggenkamp und die Druckerei Böma (Inhaber: Walter Böhmermann). „Es muss eine Gesamtbetrachtung dieses Gebiets erfolgen, damit hinsichtlich Bebauung und Verkehr kein Stückwerk entsteht“, so Tiedge. „Wir hätten das gerne mit reingenommen, weil wir dann selbst eine vernünftige Planung aus einem Guss machen könnten“, entgegnet Achims Erster Stadtrat Bernd Kettenburg auf Nachfrage. Jedoch hätten die jetzigen Eigentümer kein Interesse signalisiert, jedenfalls „nach derzeitigem Kenntnisstand nicht, aber es könnte sich immer mal wieder etwas tun“, so Kettenburg.

Die geplante Bebauung der Düne, das letzte Exemplar, das aus der urzeitlichen Landschaft erhalten sei, lehnen die Anwohner ab. Gemäß der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Verden dürfte die geschützte Düne zu maximal 50 Prozent bebaut werden, die Pläne sehen 41 Prozent vor (drei Vollgeschosse und ein Staffelgeschoss am Dünenfuß und mindestens zwei zweigeschossige Häuser auf dem Dünenkörper). „Diese Bebauung bedeutet die Zerstörung der Düne“, sagt Karl-Heinz Tiedge und fügt hinzu, dass er dazu mit dem Naturschutzbund Achim in Kontakt steht.

Die Kritik der Anwohner bezieht sich zudem auf die verkehrliche Erschließung und die Verkehrsbelastung, die auch langfristig entstehen könnte. „Schon jetzt ist der Weizenkamp stark befahren“, sagt Tiedge. Durch die Verkehrsberuhigung am Steinweg nutzten Autofahrer die Straße als Schleichweg zu Schule und Kindergarten. Besondere Gefahrenpunkte sieht Tiedge an der Bremer Straße/ Weizenkamp (viele Kunden von Bäckerei und Schlachterei) und die schlecht einsehbare Einmündung Weizenkamp/ Winterweg. Eine Erschließung von der Bremer Straße aus sei daher sinnvoller.

„Die Eindrücke der Anwohner basieren auf nicht aktualisierten Informationen“, resümiert Kettenburg. Vorgestellt worden sei bisher nur „ein erster Vorentwurf, der in Verhandlungen mit dem Investor entstanden ist“. Sprich: Nichts sei festgeschrieben. Verkehrsgutachten, Umfang und Höhe der Bebauung könnten sich noch ändern. Um die Anwohner zu beteiligen, laden Stadt und Investor die Bürger für Ende Juni zu einer Info-Veranstaltung ein. Ein genauer Termin werde noch bekannt gegeben. Frühestens nach den Sommerferien werde ein Bebauungsplan erstellt, der dann im Rathaus öffentlich ausgelegt wird, um weitere Einwendungen zuzulassen.

Das Ganze ist laut dem Ersten Stadtrat Teil des Wohnraumversorgungskonzepts, zu dem die Stadt Ende 2018 ein Gutachten vorgestellt hatte. Darum habe man den Investor auch verpflichtet, 20 Prozent sozialen Wohnungsbau einzuplanen. Kettenburg sieht den Investor als „nicht vorrangig gewinnorientiert“ und verweist darauf, dass dieser schon vor Jahrzehnten, zu Zeiten der Textilfabrik, Eigentümer im Runken-Quartier geworden ist.

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