Vom Acker auf den Teller: Gut besuchter Diskussionsabend direkt bei Landwirt Priehs

Rund 100 Euro Verlust pro Kuh

Führende Vertreter von Verbänden, Parteien und aus dem Lebensmittelbereich auf der Badener Veranstaltung bei Landwirt Ernst-Hermamn Priehs in Baden (v.l.): Sebastian Kuhlmann, niedersächsischer Landvolkverband, CDU-Kreistagsfraktions-Vorsitzender Wilhelm Hogrefe, Annameta Rippich vom Landfrauen-Kreisverband, Marcel Bohling, stellvertretender Rewe-Marktleiter, Kreislandwirt Jörn Ehlers, Axel Böhmermann, Koch in Haberkamps Hotel, Christine Tewes, Beraterin des Landfrauenverbandes Verden, und Rüdiger Dürr, Achimer CDU-Vorsitzender. - Foto: Hemmen.

Baden - Was wünschen sich Bauern, Handel und Verbraucher? Diskussionen um Milchpreise und gesundes Essen bestimmen zurzeit viele Gespräche gerade im ländlichen Raum. „Vom Acker auf den Teller“ war jetzt ein Informationsabend zu der Thematik auf dem Badener Hof von Ernst-Hermann Priehs betitelt.

CDU-Kreistagsfraktionsvorsitzender Wilhelm Hogrefe hatte die Moderation auf der von der Achimer CDU organisierten Veranstaltung übernommen. Als Kurz-Referenten begrüßte er Kreislandwirt Jörn Ehlers, Landfrauenverbands-Beraterin Christine Tewes, Sebastian Kuhlmann vom Landvolkverband, Marcel Böhling, den stellvertretender Marktleiter des Rewe-Marktes in der Achimer Marktpassage, und Axel Böhmermann, Koch in Haberkamps Hotel in Uphusen.

„Landwirtschaft ist nicht Bauer-sucht-Frau-Romantik“, betonte Jörn Ehlers und machte zunächst Entwicklungen im Landkreis Verden deutlich. Aus einst 50.800 Hektar landwirtschaftlicher Fläche und durchschnittlich 20 Hektar Betriebsgröße seien bis jetzt 45 700 Hektar mit 60 Hektar Durchschnittsgröße geworden Die Milchviehbetriebe haben im Durchschnitt 90 Kühe, und 50 Prozent der Betriebe werden im Nebenerwerb geführt. Biohöfe machen zirka drei Prozent aus.

Achim-West vernichtet 100 Hektar Grünland

Das Grünland, wichtig für Natur- und Landschaftsschutz, sei beim jetzigen Anteil von 31 Prozent um 7,5 Prozent zurückgegangen, so Ehlers. Allein durch das Autobahnanschlussvorhaben Achim West gingen unwiederbringlich 100 Hektar Grünfläche verloren.

Das Projekt „Vom Hof auf den Teller“ war Thema von Christine Tewes. Kindergarten, Schulen und Vereine würden hier vielfältige Erlebnisse rund um Landwirtschaft und Ernährung vermittelt. „Wir wollen um das Verständnis für eine verantwortungsbewusste, gesundheitsförderliche Ernährung werben und dazu den direkten Dialog zwischen Lebensmittelerzeugern und jungen Verbrauchern fördern“, fasste sie zusammen und bat um weitere Unterstützung für das Projekt.

Sebastian Kuhlmann stellte „NEUA“ vor: den Förderverein für Nachhaltige Ernährung, Umweltbildung und Agrarwirtschaft. Mit dem Projekt „Grünes Klassenzimmer“ solle generationsübergreifend ein persönliches Bild von moderner Land- und Forstwirtschaft nahegebracht werden. Anschaulicher, außerschulischer Unterricht gehört dazu. Mit dem Hof Lüllmann-Kaars in Bassen sei ein geeigneter Standort für das „Grüne Klassenzimmer“ gefunden worden.

Sowohl Marcel Bohling als auch Axel Böhmermann berichteten, dass Kunden zunehmend Wert auf regionale Produkte legten und auch hohe Qualitätsansprüche hätten. Beide wünschten sich eine engere Zusammenarbeit mit regionalen Betrieben.

Für Wilhelm Hogrefe wardas ein Stichwort, um die Gäste zu Kartoffel- oder Erbsensuppe, selbstverständlich aus regionalen Produkten, einzuladen.

Ernst-Hermann Priehs nutzte die Pause, seinen Betrieb zu zeigen, den er seit 50 Jahren führt. Über den Kuhstall mit 20 Milchkühen und die Milch-Kühlkammer bis zum Futterlager führte die Besichtigung. Wegen des zur Zeit „katastrophalen Milchpreises“ bringe monatlich jede Kuh zirka 100 Euro Verlust, so Priehs. Das müsse mit anderen Produkten kompensiert werden.

„Wir kommen gerade mal so hin, weil unserer Hof keine zusätzlichen Belastungen hat. An neue Investitionen ist aber derzeit nicht zu denken“ fügte er hinzu.

Als Ursachen für den Milchpreis-Verfall sieht Priehs den fehlenden ukrainischen Markt, das geschwächte Wirtschaftswachstum Chinas und die Macht von Handelskonzerne, die europaweit den Preis bestimmten.

„Die Verbraucher wollen billig essen und trinken, wir können aber nicht billiger produzieren“, so Ernst-Hermann Priehs. Ein Lösung werde so sehr erschwert.

Für das tolle Ambiente, die urgemütlich eingerichtete Scheune und die Gastfreundlichkeit dankte der Achimer CDU-Vorsitzende Rüdiger Dürr Margret und Ernst-Hermann Priehs mit Blumen und Präsentkorb. - hem

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