Rund 15 Ehrenamtliche helfen Flüchtlingen im Alltag und beim Deutsch lernen

Sprachlich und sportlich zum Miteinander

+
Besucher des „Café miteinander – füreinander“ im Garten des Badener Gotteshauses.

Baden - Langweilig ist es jedenfalls nicht am Donnerstagnachmittag im Gemeindehaus Baden. Etwa 30 Menschen sitzen oder stehen in dem großen, hellen Raum bei Kaffee, Knabberzeug und Brettspielen. Dabei sind es überwiegend Männer, die arabisch, deutsch, englisch oder französisch sprechen. Ein Iraker namens Mohaimen Falah Abdul Wahid übersetzt. „Spanisch?“, fragt ihn ein Neuankömmling, woraufhin der junge Mann den Kopf schüttelt und in gespielt hilfloses Gelächter ausbricht. „Café miteinander – füreinander“ heißt der Nachmittagstreff bei der Badener Kirche.

„Es soll ein Treffpunkt sein, wo sich Flüchtlinge und Helfer begegnen, aber auch die Flüchtlinge untereinander und die Helfer untereinander austauschen können“, erklärt Ortsbürgermeister Reiner Aucamp, der zum Kreis der rund 15 ehrenamtlichen Helfer gehört. Derzeit wohnen in dem Achimer Ortsteil rund 25 Flüchtlinge, verteilt auf Wohngemeinschaften mit vier bis sieben Männern, die aus den Ländern Sudan, Somalia, Irak und der Elfenbeinküste kommen.

Letztere wurden erst vor einer Woche in einem Haus an der Verdener Straße einquartiert. Zu den „Alteingesessenen“ zählen nach rund vier Monaten bereits die Sudanesen sowie die Iraker, die seit rund einem Monat in Baden leben. Alle befinden sich im laufenden Asylverfahren. Arbeiten dürfen sie nicht. Und auch Deutschkenntnisse sind bisher bei den meisten kaum vorhanden.

Die Ehrenamtlichen unterstützen in Alltagsdingen, geben Deutschunterricht und stellen Kontakte zu Sportvereinen sowie vereinzelt zu potentiellen Arbeitgebern her.

Um den Sprachunterricht kümmern sich die pensionierten Lehrer Karin Hartmann, Klaus Brill und Dietlinde Aucamp. „Es ist natürlich etwas ganz anderes, als deutsche Kinder zu unterrichten“, sagt Dietlinde Aucamp. Denn die meisten der hier lebenden Flüchtlinge seien arabische Schriftzeichen gewöhnt – und müssten daher erstmal die lateinischen Buchstaben verinnerlichen, bevor ein Sprachverständnis einsetzen kann. Die Pädagogen betreuen mit jeweils zwei Hilfslehrern unterschiedliche Gruppen. „Ein Kollege spricht gut französisch, der arbeitet mit den Leuten von der Elfenbeinküste“, erzählt Aucamp. Ergänzend haben sich viele im Herbst für einen Sprachkurs in der Kreisvolkshochschule Verden angemeldet – vermittelt ebenfalls von den Ehrenamtlichen.

Als Nachbar einer Flüchtlings-WG kommt auch Talel Abdul Wahed manchmal donnerstags ins Gemeindehaus. Der Libanese spricht

Ortskenntnisse der

Ehrenamtlichen hilfreich

fließend deutsch und arabisch. „Wenn ich kann, dann helfe ich, aber ich habe wenig Zeit zwischen den Früh- und Spätschichten bei Vitakraft“, erklärt er.

„Treffpunkte wie diese sind für mich ein Geschenk“, sagt Andrea Wessel, die im Auftrag der Caritas Verden Orientierungshilfen für Flüchtlinge aus Achim, Oyten, Ottersberg und Langwedel gibt. Denn nicht immer gehe es um komplizierte sozialrechtliche Fragen. „Den Weg zur nächsten Post wissen die Ortsansässigen am besten“, nennt sie ein Beispiel.

Manche sind über diese Phase der ersten Orientierung schon hinaus: Ein Somalier macht ein unbezahltes Praktikum bei Edeka in Langwedel. Einige Sudanesen spielen in der 3. Herrenmannschaft des SV Baden.

Die sportliche Leidenschaft von Huzairi Kherdir aus dem Nordirak heißt Volleyball. Bereits im Erstaufnahmelager Friedland hatte er bei einem Turnier mit seinem Team den Pokal errungen. In Baden trainiert er zweimal die Woche. Der 25-jährige, der in seinem Herkunftsland als Verkäufer arbeitete, will einen Schritt nach dem anderen machen und erstmal in dem Mannschaftssport reüssieren, bevor er berufliche Pläne in Deutschland fasst.

Das hat sein Landsmann Mohaimen Falah Abdul Wahid schon konkreter durchdacht. Der Bauingenieur will sich mit einem Studium in Hamburg für den hiesigen Arbeitsmarkt qualifizieren. Der 27-jährige verfügt schon über rund fünf Jahre Berufserfahrung in einer großen Baufirma, doch sein Abschluss wird hier nicht anerkannt. „Mein Ziel ist aber erstmal, deutsch zu lernen“, sagt er in perfektem Englisch. „Um mit den Menschen hier in Kontakt treten zu können, ist das sehr wichtig.“

ldu

Mehr zum Thema:

Geheimdienst-Kontrolleure: Umgang mit Gefährdern neu ordnen

Geheimdienst-Kontrolleure: Umgang mit Gefährdern neu ordnen

Tim Wiese gibt Autogrammstunde in Apotheke

Tim Wiese gibt Autogrammstunde in Apotheke

Trump wendet sich radikal vom Klimaschutz ab

Trump wendet sich radikal vom Klimaschutz ab

Zyklon „Debbie“ verwüstet Australiens Küstenregion

Zyklon „Debbie“ verwüstet Australiens Küstenregion

Meistgelesene Artikel

Schwerer Unfall in Bassen: Frau stirbt

Schwerer Unfall in Bassen: Frau stirbt

Naturschutz und persönliche Erinnerung verknüpft

Naturschutz und persönliche Erinnerung verknüpft

„Achim ist jetzt Teil der Coca-Cola-Familie“

„Achim ist jetzt Teil der Coca-Cola-Familie“

Wartehäuschenbau unter keinem guten Stern

Wartehäuschenbau unter keinem guten Stern

Kommentare