Wochenmarkt: Kunden halten sich an Empfehlungen und gehen auf Abstand

Ruhig, beherrscht und nicht zu eng

Die Beschicker verzeichnen mehr Besucher auf dem Markt als üblich, aber viele Stammkunden kommen sehr viel früher. Dadurch entzerrt sich das Aufkommen deutlich.

Achim - Von Ingo Schmidt. Überaus geordnet und mit ausreichend Abstand – wie in Medien der vergangenen Tage auch aus vielen anderen Regionen Deutschlands berichtet, sind die allgemeinen Verhaltensmaßregeln in Corona-Zeiten auf dem Achimer Wochenmarkt angekommen. „Die Leute halten die Abstandsregeln ganz ohne Markierungen ein“, lobt Falk Rossol-Vöge das Besucherverhalten am Samstag. Um der aktuellen Krisenlage gerecht zu werden, hat der Marktmeister einige zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen vorgenommen: So habe er die Stände etwa zwei Meter weiter auseinandergezogen und auf diese Weise mehr Platz für Warteschlangen geschaffen. Außerdem habe er Informationsblätter der Stadt mit Hygienehinweisen an den Ständen ausgelegt. „Die Beschicker haben alle sehr verständnisvoll reagiert und die Änderungen wie selbstverständlich umgesetzt“, bemerkt der Marktmeister.

Die Beschicker haben ihrerseits die Abstandsgebote aufgegriffen und ihre Stände so arrangiert, dass kein Gedränge entstehen kann. „Wir haben unsere Ware in getrennten Gruppen aufgebaut“, erklärt Heike Mesenbring vom Gartenbaubetrieb Wurthmann, „damit mehr Platz zum Schauen bleibt.“ Alle Besucher seien sehr diszipliniert und geduldig, was auch Arnd Mast und Steffi Schardelmann bestätigen. Wenige Meter weiter bieten sie Obst aus dem Alten Land und verschiedene Marmeladen an: „Am Mittwoch hat die Abstandsregel noch nicht so gut funktioniert, aber inzwischen klappt das sehr zuverlässig“, berichtet das Duo.

Was allen auffällt: Die Kunden bevölkern den Marktplatz schon sehr viel früher als gewöhnlich. „Sonst habe ich um 7 Uhr noch ganz gemütlich einen Kaffee trinken können, aber jetzt war am Stand schon richtig was los“, resümiert Käseverkäufer Kevin oude Nijhuis. Er verzeichne außerdem zusätzliche Käufer zu den Stammkunden, und die Verkaufsmenge liege geschätzt 20 bis 30 Prozent höher als üblich.

Leicht gestiegene Umsätze bestätigen auch Obst- und Gemüsehändler wie Ulrich Dubrow: „Das sind aber keine Hamsterkäufe“, ist sich der Bio-Landwirt sicher. Das liege sicherlich daran, dass die Kunden mehr Zeit zu Hause verbringen würden und sich nun dort selbst versorgen müssten.

Er sei begeistert vom allgemeinen Ablauf. „Die Leute sind gut drauf und halten die Abstände ein“, sagt der Obstfachmann aus Thedinghausen-Donnerstedt. „Wenn es mal zu eng wird, dann weisen die Leute freundlich darauf hin.“

Auch Christian Wienken aus Ottersberg-Quelkhorn beobachtet ein leicht verändertes Kaufverhalten: So werde haltbares Gemüse wie Kartoffeln, Zwiebeln oder Porree deutlich mehr eingekauft. „Insbesondere aber Ingwer ist stärker nachgefragt“, weiß der Demeter-Landwirt.

Am Blumenstand von Helmut As hat sich hingegen kaum etwas verändert. „Die Umsätze sind in der Menge gleichgeblieben“, bemerkt der Blumenhändler, allerdings verkaufe er mehr Ware von regionalen Gärtnereibetrieben aus dem Umkreis.

Insgesamt kennzeichnet den Achimer Wochenmarkt ein diszipliniertes und den Umständen angemessenes Verhalten der Kunden und Beschicker und alle hoffen, dass der Betrieb fortgeführt werden kann. „Ich bin mir sicher, dass bald eine Ausgangsbeschränkung kommen wird“, sagt Olivenöl-Händler Konstantinos Seitanides aus Bierden, „Aber das ist ganz gut so, damit auch wirklich alle zur Vernunft kommen.“

Ruhig, beherrscht und nicht zu eng – so zeigt sich das Markttreiben derzeit in Achim. Dennoch finden die Gäste Zeit für ein Schwätzchen, aber immer mit gebührender und respektvoller Distanz zum Gesprächspartner. „Ich finde es wichtig, vor allem die regionalen Händler zu unterstützen“, erklärt Marktbesucherin Anke Hornemann. Sie werde deshalb, wenn möglich, auch weiterhin auf dem Wochenmarkt einkaufen.

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