Ratsfraktionen wollen keine Bewirtschaftung mehr

Rückkehr zur Natur: Stadtwald bleibt sich selbst überlassen

Schluss mit großflächigem Holzeinschlag im Achimer Stadtwald. Alle Fraktionen im Stadtrat befürworten einen Naturwald statt einer wirtschaftlichen Nutzung sowie übermäßigen Pflege- und Verkehrssicherungsmaßnahmen. - Foto: Archiv

Achim - Mit ein paar „Naturwaldparzellen ohne forstliche Nutzung“, wie von der Stadtverwaltung vorgeschlagen, ist es im Achimer Stadtwald nicht getan, befand der Ratsausschuss für Wirtschaft, Stadtentwicklung, Umwelt und Verkehr. Und dort sind längst nicht nur Grüne versammelt. Quer durch sämtliche Fraktionen waren sich am Dienstagabend alle einig: Der Stadtwald soll auf ganzer Fläche wieder ein Naturwald werden.

Der von Joachim Schweers im Namen der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen eingebrachte Änderungsantrag wurde bis auf einen kleinen Passus einstimmig befürwortet. Damit hat die im Winter von der Stadtverwaltung und einem Förster der Landwirtschaftskammer Niedersachsen veranlasste großzügige Fällaktion in dem Gebiet, wie berichtet, nicht nur einen Sturm der Entrüstung bei Anwohnern und Naturschützern ausgelöst, sondern nun eben auch zu einem eher unerwarteten Ergebnis geführt.

Der Stadtwald habe eine große Bedeutung für die Erholung der Achimer Bevölkerung und für den Artenschutz, sagte Schweers in der Sitzung. Während der Nutzung durch die Bundeswehr von 1957 bis 2003 sei der Bereich des ehemaligen Standortübungsplatzes nicht forstwirtschaftlich genutzt worden. „In dieser Zeit konnte sich fast ungestört ein Mischwald entwickeln, der einen großen Erholungswert hat.“

Der Ausschuss legte folgende, von Schweers formulierte Richtlinien für „zunächst mal drei bis fünf Jahre“ fest:

Der Stadtwald wird künftig nicht mehr forstwirtschaftlich unterhalten. Soweit ausnahmsweise davon abgewichen werden soll, sind die beabsichtigten Maßnahmen „verbindlich und fristgerecht“ im Umweltausschuss vorzustellen und zu beraten.

An den Waldrändern, an denen Bäume gefällt wurden, werden heimische Sträucher angepflanzt. Dort, an den Forst- und Rettungswegen sowie an den Einrichtungen im Stadtwald werden „weiterhin die zwingend notwendigen Verkehrssicherungsmaßnahmen durchgeführt. Die Stadt Achim kündigt die beabsichtigten Maßnahmen rechtzeitig vorher im Fachausschuss an.. Die Grundlage für den zukünftigen Umfang dieser Verkehrssicherheitsmaßnahmen wird durch ein juristisches Gutachten ermittelt und vorgestellt.“

Und in den besonders geschützten Biotopen sowie den daran angrenzenden Bereichen werden weiterhin Pflegemaßnahmen vorgenommen.

Der folgende Satz wurde auf Antrag von Karl-Heinz Lichter (CDU) aus der Beschlussempfehlung für den Rat gestrichen: „Invasive nichtheimische Arten wie Robinien, Spätblühende Traubenkirsche, Sachalinknöterich und Drüsiges Springkraut sollen an einer weiteren Ausbreitung gehindert werden.“

Zuvor hatte Forstamtsleiter Jochen Bartlau von der Landwirtschaftskammer in Bremervörde mit seinem Auftritt im Ratssaal den Unmut vieler Ausschussmitglieder auf sich gezogen. Er bekannte, ziemlich unvorbereitet in die Sitzung gekommen zu sein und verteidigte das Vorgehen seines Forstamtsmitarbeiters im Stadtwald mit wenig konkreten Aussagen. Zur zukünftigen Gestaltung des Stadtwaldes schlug Bartlau eine Bürgerbeteiligung vor.

Die hätte vor dem teilweisen Kahlschlag stattfinden müssen, meinte Schweers. „Jetzt sind die Bäume platt.“

Petra Geisler (SPD) hielt dem Forstamtsleiter vor, in seiner Stellungnahme zur Verantwortung seines Hauses für das Geschehen im Achimer Wald lediglich „allgemeine Paragrafen und den Zeitgeist“ zitiert zu haben. „Und Sie haben mir und einem weiteren Ratsmitglied vorgeworfen, die Stimmung aufgeheizt zu haben.“

Geislers Fraktionskollege Hans-Jürgen Wächter legte nach. „Für mich stellt sich die Frage, ob die Zusammenarbeit mit Ihnen überhaupt etwas bringt.“

Lichter nahm schließlich Dampf aus dem Kessel. „Wir müssen uns selbst an die Brust schlagen“, meinte der Christdemokrat. Denn der Rat habe es seit 2011 versäumt, der Verwaltung in Sachen Waldentwicklung auf die Finger zu gucken. 

mm

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