Rotary Club Achim bringt Hauptschüler ihrem Ausbildungsplatz näher

Klarer Kurs in Richtung Wunschberuf

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Ein ungewöhnlicher Ort um die berufliche Zukunft zu planen: Die Klasse 10a der Liesel-Anspacher-Schule mit Lehrerin Gitta Hahn (2. Reihe, 4. v.l.), den Ehrenamtlichen Uwe Homes (ganz links), Henry Och und Jana Meyer (Mitte) sowie Michael Schöttl (letzte Reihe, ganz rechts) auf dem „Schulschiff Deutschland“.

Achim - Wie können Jugendliche direkt nach der Schule auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen? Statt sich mit grauer Theorie zu begnügen, packt der Rotary Club Achim das Problem an. Bereits im zehnten Jahr lädt der Club Heranwachsende auf das „Schulschiff Deutschland“ nach Bremen-Vegesack ein. Drei Tage lang ist eine Klasse der Liesel-Anspacher-Schule nun dort einquartiert und hört Fachreferate von rund 25 Unternehmen aus der Region. Daneben proben die Schüler Bewerbungsgespräche unter Real-Bedingungen.

Damit das Projekt nachhaltig wirkt, läuft es über mehrere Wochen. Den Anfang machte die Klasse 10a von Donnerstag bis einschließlich Sonnabend mit den Vorträgen und Bewerbungstrainings. In der kommenden Woche ist die Klasse 10b an der Reihe. Anschließend führt der Rotary Club noch eine Nachbereitung in der Liesel-Anspacher-Schule durch.

Finanziert wird das Projekt zur Hälfte von der Rotary Stadttombola, zur Hälfte von der Agentur für Arbeit, informiert Michael Schöttl, Präsident des Rotary Clubs Achim. Darüber hinaus übernehmen Ehrenamtliche einen großen Anteil des Projekts, etwa Organisation sowie Durchführung und Auswertung der Bewerbungsgespräche. Unter diesen „rotarischen Freunden“ befinden sich Fachkundige wie etwa Uwe Homes, Polizist im Ruhestand und Jana Meyer. Die Ingenieurin verfügt über eine arbeitspsychologische Zusatzausbildung.

„Einige Firmen kommen seit vielen Jahren auf das Schulschiff Deutschland, etwa Zeppelin, die Bundeswehr oder Airbus“, sagt Organisator Henry Och, zuständig für den Bereich „Berufsdienst“ bei den Achimer Rotariern.

Dass sich die Investition in die je dreitägigen Berufsvorbereitungsseminare im maritimen Umfeld lohnt, zeigt die gute Vermittlungsquote. Während nur zehn Prozent der niedersächsischen Hauptschüler direkt nach der Schule eine Ausbildung beginnen, lag die Quote auf dem Schulschiff im vergangenen Jahr bei über 40 Prozent. In Zahlen: von 25 Teilnehmern erhielten elf unmittelbar einen Ausbildungsvertrag, acht besuchen weiterführende Schulen, so Och.

Nicht messbar sei hingegen der Zuwachs an Selbstvertrauen für die Jugendlichen. „Wir wollen, dass die jungen Leute mit aufrechter Haltung von Bord gehen“,

Soziales Miteinander

wird gestärkt

betont Och. Das diesjährige Motto „Respekt“ unterstreicht dieses Anliegen. Auch auf Gemeinsinn wird viel Wert gelegt. „Wir sind täglich mit vier bis sechs Leuten zur Backschaft eingeteilt. Dann müssen wir fürs Essen auf- und abdecken“, erklärt Zehntklässlerin Jennifer Alenberg. Henry Och sieht auch eine Trendwende bei den Unternehmen: „Es geht nicht mehr nur um die Schulform und gute Noten, sondern auch um die Fähigkeit zum sozialen Miteinander.“

Alenberg, die eine Ausbildung im Mode-Einzelhandel anstrebt, empfand die simulierten Vorstellungsgespräche als große Hilfe, erzählt die 17-Jährige. „Ich wusste zum Beispiel nicht, dass man es vermeiden soll die Ellbogen auf den Tisch zu legen.“ Auf knifflige Fragen, wie die nach den charakterlichen Schwächen, sei sie nun besser vorbereitet. Zur besseren Auswertung werden die Einzelgespräche per Kamera aufgezeichnet – natürlich streng vertraulich.

Pierre Westerholt (16) sucht einen Ausbildungsplatz als Heilerziehungspfleger und hat auf dem Schiff bereits Kontakte geknüpft. Sein Klassenkamerad Gerhart Agirman, der seit vielen Jahren bei der TSG Achim-Uesen aktiv ist, möchte Polizeivollzugsbeamter werden.

„Auf dem Boot benimmt man sich anders“, findet Jannis Spille (16). „Hier kannst du jeden fragen, du wirst gut unterstützt“, fügt er hinzu. Falls es mit dem Berufswunsch Notfallsanitäter nicht klappen sollte, möchte er das Abitur nachmachen.

ldu

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