Rot-Grün und CDU liefern sich in Schulausschuss ideologische Debatte

„Eltern klar eher für IGS“ – „Zahlen-Zurechtbiegerei“

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Mediengruppe Kreiszeitung

Achim - Von Michael Mix. Das Thema Integrierte Gesamtschule (IGS) bleibt Achim noch länger erhalten. Wie gestern kurz berichtet, stimmte die Mehrheit im Schulausschuss des Rates am Montagabend dafür, dass die Stadt einen neuen Vorstoß beim Land Niedersachsen unternimmt, diese Schulform doch noch in Achim einzuführen. Das rot-grüne Lager mit seiner Mehrheit und die CDU auf der anderen Seite standen sich bei der ideologischen Debatte im Ausschuss unversöhnlich gegenüber.

Ausgangspunkt der anhaltenden Auseinandersetzungen ist der Schwund an Schülern bei der Liesel-Ans-pacher-Hauptschule, die deshalb zum Schuljahr 2017/2018 mit der benachbarten Realschule zusammengelegt werden soll. Aber in welcher Form soll die neue Schule geführt werden? Als IGS oder als Oberschule (OBS)? Eine Befragung der Eltern der Kinder aus den ersten drei Grundschuljahrgängen und des letzten Kita-Jahres in Achim im vorigen Sommer sollte den Kommunalpolitikern die Entscheidung leicht machen. Was jedoch gründlich misslungen ist.

Von den befragten rund 1000 Eltern hätten 55,6 Prozent überhaupt nicht geantwortet, informierte Wiltrud Ysker, Leiterin des Bildungsfachbereichs bei der Stadtverwaltung, im Ausschuss über das Ergebnis. Und 22,1 Prozent kreuzten bei der Befragung an, dass sie für ihren Nachwuchs ein Gymnasium als weiterführende Schule favorisieren. Da blieb für die eigentlich zur Wahl stehenden Schultypen nicht mehr viel übrig: Nur 13,7 Prozent bekundeten, dass sie ihr Kind wahrscheinlich auf eine IGS schicken werden, und lediglich 7 Prozent sahen in einer OBS eine gute Alternative.

Ysker lieferte auch die Zahlen für die zuletzt tatsächlich vollzogenen Übergänge von einer Achimer Grund- zu einer weiterführenden Schule. 127 Viertklässler wechselten im Sommer 2015 zu einem Gymnasium, 96 zur Realschule, 25 zur IGS Oyten, 14 zur Hauptschule, 8 zur Stadtwaldschule und 6 zur Oberschule Thedinghausen.

Dieses zugrunde gelegt, und weil in den kommenden Jahren die Zahl der Schülerinnen und Schüler laut Schulentwicklungsplanung der Stadt, wie schon berichtet, in Achim noch steigen wird, könnte die neue Schule mit sieben Klassen pro Jahrgang geführt werden, eröffnete Petra Geisler (SPD) die Debatte. Und da die Mehrheit der Eltern eher eine IGS als eine OBS wolle, sollte die Stadt bei der Landesschulbehörde die Einrichtung einer IGS beantragen.

„Wir haben allerdings nach wie vor die Vorgabe aus Hannover, für eine IGS 96 Schüler pro Jahrgang vorweisen zu müssen“, entgegnete Bürgermeister Rainer Ditzfeld (parteilos). Da dieses Ziel bei der Elternbefragung deutlich verfehlt worden sei, empfehle die Stadtverwaltung, eine OBS zu errichten.

Eine klare Mehrheit habe sich für den Schultyp Gymnasium und nicht für die IGS entschieden, hielt Petra Gölz (CDU-Fraktion) der Sozialdemokratin Geisler entgegen. „Es bleiben aber immer noch etwa 120 Schüler pro Klassenstufe, die nicht auf ein Gymnasium gehen werden“, wandte Silke Thomas (Grüne) ein, und die reichten aus, um 2017 eine IGS an den Start zu bringen. Wolfgang Heckel (WGA) sah das genauso.

Eine Gesamtschule könne nur funktionieren, wenn genügend leistungsstarke Schüler vorhanden seien; die würden aufgrund der zwei Gymnasien in Achim einer IGS allerdings fehlen, machte Isabel Gottschews-ky (CDU) geltend. „Zahlen werden hier zurecht gebogen“, sagte ihr Fraktionskollege Rüdiger Dürr. „Fakt ist, die nötige Schülerzahl für eine IGS wurde bei der Befragung nicht erreicht.“

Der Stadtelternrat sehe bei diesem Abstimmungsergebnis keinen Elternwunsch nach einer IGS, sondern eher nach einer OBS, bekundete dessen Vertreter Enno Lork. Wer wolle, könne sein Kind ja auf die IGS Oyten schicken.

Er halte es für inakzeptabel, dass mindestens eine „komplette Klasse“ Jahr für Jahr aus dem Mittelzentrum Achim nach Oyten ausweichen müsse, erwiderte Herfried Meyer (SPD).

6:4 pro IGS lautete am Ende das Abstimmungsergebnis. Nun soll also das Land Niedersachsen in dieser brisanten Frage das letzte Wort haben.

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