Anwohner bepflanzen Beete entlang ihres Hauses an der Magdeburger Straße

Rosen statt Ratten und Müll

Viel Zeit haben Rim Alkjami, Nuriye Aktas und Rohullah Ahmadi in die Verschönerung ihres Wohnumfeldes investiert. Zwischen den Haustüren blühen nun zahlreiche Blumen und Büsche. Fotos: Butt

Achim - Von Christian Butt. Rosen, Rhododendren und ganz viele Stiefmütterchen – vor einem Wohnblock zwischen der Magdeburger und der Leipziger Straße blüht es seit wenigen Tagen in allen erdenklichen Farben. In Eigenregie haben mehrere Bewohner die Beete entlang ihres Hauses mit dutzenden Pflanzen verschönert. Durch weitere Maßnahmen wirkt das Gebäude deutlich einladender als noch vor einem halben Jahr.

Bei der 30. Stadtteilkonferenz im vergangenen November hatte es erneut reichlich Kritik an dem roten Klinkerblock direkt neben dem Bürgerzentrum (Büz) gegeben. Die vielen Löcher neben den Hauseingängen zeugten von einem massiven Rattenbefall. Zusätzlich gab es Probleme mit geparkten Schrottfahrrädern und wilden Müllkippen. Davon ist heute nichts mehr zu sehen.

Die ersten Maßnahmen starteten kurz nach der Konferenz. Das Gesundheitsamt hatte in Absprache mit der Stadt Giftköder ausgelegt, um die Zahl der Ratten zu dezimieren. Durch die bessere Müllentsorgung wurde den Tieren außerdem die Nahrungsgrundlage beschnitten. Wurden Gelbe Säcke vormals in Verschlägen vor dem Haus gesammelt, stehen nun gelbe Container zur Entsorgung bereit. Ratten und auch Krähen kommen jetzt nicht mehr so einfach an Nahrungsreste. Das freut auch die weiteren Anlieger, insbesondere die an der Leipziger Straße. Viele der dünnen Kunststoffsäcke waren immer wieder aufgerissen – vermutlich hatten auch die Tiere die Tüten geöffnet. Der Wind hatte die Abfälle dann über die gesamte Straße verteilt. Das gehört nun der Vergangenheit an. Ebenfalls verschwunden sind die wilden Sperrmüllablagerungen im Viertel.

Nun haben sich einige Bewohner des Mehrfamilienhauses dazu entschlossen, die weitere Verschönerung ihres Umfelds selbst in die Hand zu nehmen. „Drinnen haben wir unsere Wohnungen schön gestaltet und halten sie sauber, vor der Haustür war es aber immer so dreckig. Damit soll nun für immer Schluss sein“, sagt Nuriye Aktas. Sie suchte Mitstreiter, und gemeinsam gingen sie Gruppe von Tür zu Tür. Sie stellten ihre Ideen vor und sammelten Geld. „Jeder hat einen Schein zur Verschönerung beigesteuert“, so Nuriye Aktas.

An mehreren Tagen hat die Gruppe die Beete vor dem Haus umgegraben und einen buten Pflanzenmix in die Erde und die Kübel gebracht. „Vom Frühling bis zum Herbst wird künftig jedes Jahr etwas blühen“, freut sich Nuriye Aktas.

Bei der Verschönerungsaktion haben die Teilnehmer auch zahlreiche vor sich hin rostende Schrottfahrräder entfernt. „Wir haben alle Hausbewohner über die bevorstehende Säuberung informiert. Jeder hatte ausreichend Zeit gehabt, sein Eigentum zu sichern. Wir haben nur die Fahrräder entfernt, an denen offenbar niemand mehr Interesse hat“, sagt Rohullah Ahmadi.

Der Asylbewerber hat bereits ein nächstes Projekt vor Augen. Er möchte die unebenen Gehwegplatten vor dem Haus wieder geraderücken und hofft auf eine positive Antwort der Hausverwaltung. „Die Motivation und die Fachkenntnisse dazu habe ich“, sagt der 35-Jährige.

Durch das neue Umfeld hoffen die Beteiligten auf einen kleinen Umschwung im Viertel. Besonders Sperrmüll und wild entsorgte Abfälle haben die Hausbewohner stets geärgert. Nun hoffen sie darauf, dass Umweltsünder künftig einen Bogen um ihre Siedlung machen. „Es gab Mülltouristen. Die haben früh morgens auf dem Weg zur Arbeit ihren Sperrmüll bei uns an die Straße gestellt. Damit ist ab sofort Schluss. Wir haben uns mit den Nachbarhäusern abgesprochen und werden solche Leute künftig sofort anzeigen“, sagt Nuriye Aktas.

Nachbarn und Passanten freuen sich über die Initiative. „Viele Bewohner des Awo-Seniorenheims nutzen unseren Weg, um einmal um den Block zu spazieren. Da gab es viel Freude“, sagt Nuriye Aktas.

Auch im Bürgerzentrum wurde das Projekt begeistert aufgenommen: „Wir freuen uns alle sehr über die Eigeninitiative in dem Haus und wünschen uns, dass die Gemeinschaft weiter so toll zusammen hält“, sagt Sozialarbeiter Mehmet Ates.

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