Rohe Gewalt im Alkoholrausch

Achimer gesteht Vergewaltigung und Nötigung seiner Ex-Freundin

Achim - Von Lisa Duncan. Ein fürsorgliches und einfühlsames Verhalten soll er nüchtern an den Tag gelegt haben – doch der Alkoholrausch kehre seine grobe und impulsive Seite hervor. So lautete das Resultat eines psychiatrischen Gutachtens am Montag am Achimer Amtsgericht.

Wegen Vergewaltigung, Körperverletzung und Nötigung war dort ein 32-jähriger Achimer rumänischer Herkunft vor dem Schöffengericht angeklagt. Viermal soll der Staplerfahrer seine jetzige Ex-Freundin in einem Zeitraum von zwei Jahren misshandelt haben. Demnach habe er im Januar 2017 seine Partnerin, mit der er seit Oktober 2015 zusammenwohnte, vergewaltigt. 

Er soll sie auf den Rücken gedreht, penetriert, heftig auf den Kopf geschlagen, in den Hals gebissen und unter Drohungen zu zusätzlichen sexuellen Handlungen gezwungen haben. Anschließend habe er sie gedrängt, ihn ins Bordell zu fahren. Die Frau floh zu Nachbarn und rief die Polizei.

Bereits Gewaltexzesse zuvor

Gewaltexzesse habe es schon vorher in der Beziehung gegeben. So sei er 2015, kurz vor Heiligabend, handgreiflich geworden, weil ihm die Frisur nicht gefiel, die seine Freundin ihm geschnitten hatte. Zweimal soll er ihr kräftig ins Gesicht geschlagen haben.

Im April 2016 habe sich die Partnerin von dem Angeklagten trennen wollen. Auf gepackten Koffern soll dieser sie mit Schlägen und Drohungen daran gehindert haben.

Weil der junge Mann die Taten zugab und der Geschädigten damit jegliche Aussage ersparte, einigte sich das Gericht auf eine Verschiebung des Strafrahmens. Der liegt bei derlei Gewalttaten normalerweise bei mindestens zwei Jahren Haft. Durch sein Geständnis und weil ihm das Gutachten aufgrund seiner Alkoholsucht nach § 21 StGB eine verminderte Schuldfähigkeit bescheinigte, erhielt der Angeklagte eine Bewährungsstrafe. 

Der Fall sollte bereits im Mai verhandelt werden, was jedoch für die Erstellung eines psychiatrischen Gutachtens und aus terminlichen Gründen verschoben wurde. Von Januar bis Juli 2017 hatte der Mann in Untersuchungshaft verbracht.

Angeklagter war stark alkoholisiert

Bei allen Taten soll der Angeklagte stark alkoholisiert gewesen sein. Neun Bier soll er am Tag seiner Verhaftung getrunken haben. Gutachterin Dr. Vera Koch, Fachärztin für Psychiatrie aus Hannover, errechnete eine Intoxikation zwischen 1,5 und 3,3 Promille. Eine Suchtproblematik bestehe wohl schon länger; darauf deute auch eine Vorstrafe wegen Trunkenheit am Steuer hin. 

Als die Beziehung zu seiner Freundin problematischer wurde – er soll das Geld für beide verdient, sich um Behördengänge gekümmert und zeitweilig mit diversen Freundinnen seiner Partnerin unter einem Dach gelebt haben – habe er mehr und mehr Entspannung durch Alkohol gesucht, so die Gutachterin weiter.

Gesamtstrafe auf Bewährung

Richter Andreas Minge verhängte eine Gesamtstrafe von einem Jahr und elf Monaten auf Bewährung. Die Bewährungszeit setzte er auf drei Jahre fest. Damit schloss er sich der Einschätzung der Staatsanwaltschaft an. 

Als strafschärfend wertete er die erhebliche Gewalt, die Verletzungen bei dem Opfer hinterließ. Hingegen habe der Angeklagte sich an das Kontaktverbot zur Ex-Freundin gehalten, trinke nicht mehr und wolle wieder arbeiten. Daher sei eine positive Sozialprognose möglich.

Jedoch müsse der Beschuldigte sich einer ambulanten Suchttherapie unterziehen und einem Bewährungshelfer unterstellen lassen.

Rubriklistenbild: © dpa-avis

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