Kommentar zum Schulstreit in Achim

Nun den Kulturkampf beenden

Kommentar von Manfred Brodt. In dieser Woche hat die rot-grüne Landesregierung entschieden, dass Achim doch ab dem Schuljahr 2017/18 eine Integrierte Gesamtschule anbieten darf, auch wenn die geforderten Mindest-Stimmenzahlen bei zwei Elternabstimmungen deutlich verfehlt worden sind.

Das Beste an der Entscheidung ist, dass sie endlich gefallen ist. Nach dem schrittweisen Ausbluten der Hauptschule, die fast zur Migrantenschule geworden ist, konnte es nur eine neue gemeinsame Schule aus Hauptschule und Realschule geben. Ob die Weichen zu einer Oberschule oder Integrierten Gesamtschule gestellt werden, hätte Achim schon fünf Jahre früher bestimmen können.

Die Schulform ist allerdings auch in den Kulturkampf von CDU/FDP und SPD/Grüne geraten. Die schwarz-gelbe Landesregierung hatte die Hürden für neue Integrierte Gesamtschulen enorm hoch gezogen, während für ihre favorisierte Oberschule keine Mindestschülerzahlen existieren. Die rot-grüne Landesregierung hat jetzt Schlupflöcher unter diesen Hürden geschaffen und Achim doch noch die ideologisch gewünschte Schule ermöglicht.

Bleibt zu hoffen, dass der erbitterte Glaubenskrieg um die richtige Schulform nun beendet ist, zumal auch hundertprozentige Parteianhänger oft selbst nicht wissen, was eine Oberschule und eine Gesamtschule ist, zumal es dafür viele Modelle gibt.

Im übrigen sind sie beide für Aufsteiger durchlässig wie übrigens auch das dreigliedrige Schulsystem aus Haupt-, Realschule und Gymnasium. Achimer Realschulabsolventen mit Spitzen-Abitur an Gymnasien des Kreises sind beste Beispiele dafür.

Es ist nicht mehr so wie in den 50er und 60er Jahren, dass Mädchen beziehungsweise Kinder aus Arbeiterfamilien und vom Lande keine Chance auf eine höhere Schule haben. Zeit also, die Ladenhüter der Bildungspolitik wegzupacken, den Schlagabtausch mit Schlagwörtern auf dem Rücken von Eltern und Kindern zu beenden und statt dessen über die Inhalte, Ziele und Methoden der Schule sowie die menschliche und pädagogische Befähigung der Lehrkräfte nachzudenken.

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