Richter redet Arbeitslosem ins Gewissen

Nachbarn täuschen Einbruch vor

Achim - Auch das Vortäuschen einer Straftat ist strafbar. Das erfuhr jetzt ein junger Mann aus Ottersberg, der einem Nachbar dabei behilflich gewesen war. Das Amtsgericht Achim verurteilte den 22-jährigen Angeklagten zu einer Geldstrafe auf Bewährung samt Arbeitsauflage.

Was war passiert? Am 10. Februar vor einem Jahr wurde der Polizei ein Einbruchsdiebstahl in Ottersberg gemeldet. Das angebliche Opfer gab an, dass ihm 170 Euro an Sozialleistungen des Landkreises aus der Wohnung gestohlen worden seien. Genau diesen Betrag wollte der Hartz-IV-Empfänger dann von der Behörde ersetzt bekommen.

Der Nachbar habe ihn darum gebeten, den vermeintlichen Einbruch durch das gewaltsame Öffnen der Haustür – die schon vorher beschädigt gewesen war – gegenüber der Polizei zu bestätigen, sagte der Angeklagte vor Gericht aus. „Ich habe dann wie verabredet angegeben, dass wir beide während der Tat bei einer Freundin in Bremen waren.“

Nein, Geld oder eine andere Belohnung habe ihm der Nachbar für die Gefälligkeit nicht versprochen, antwortete der 22-Jährige auf Nachfrage von Richter Matthias Hahn. „Aus Paddeligkeit habe ich mitgemacht. Ich habe nicht darüber nachgedacht, was das für Folgen haben könnte.“

Doch einige Tage später sei er vom schlechten Gewissen eingeholt worden. Da habe er bei der Polizei alles richtig gestellt.

Hahn erinnerte den Beschuldigten daran, dass er strafrechtlich leider kein unbeschriebenes Blatt sei. Der Richter führte eine Vorstrafe wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern an. Und er nutzte die Gelegenheit, dem jungen Deutschen mit Förderschulabschluss, der weder eine Berufsausbildung noch einen Job hat und von Hartz IV lebt, kräftig ins Gewissen zu reden, sich doch eine Perspektive für sein Leben aufzubauen.

„Wie soll es denn mit Ihnen weitergehen?“, fragte der Vorsitzende den Angeklagten. Er könne sich vorstellen als Gärtner zu arbeiten, antwortete dieser. Bisher habe es mit einer Beschäftigung leider nie geklappt. „Ja, ich lebe in den Tag hinein, gucke viel Fernsehen“, gab der Ottersberger auf Nachfrage preis.

Hahn legte nach: „Sie müssen sich ernsthaft bemühen, eine Stelle zu finden oder einen brauchbaren Schulabschluss zu machen. Sonst kommen Sie wahrscheinlich bald wieder auf dumme Gedanken.“

Für den Angeklagten spreche, dass er seine Falschaussage selbst korrigiert habe. Gegen ihn spreche, dass er wegen einer anderen Straftat noch unter Bewährung gestanden habe, führte der Vertreter der Staatsanwaltschaft aus und hielt eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je zehn Euro, ausgesetzt zur Bewährung über zwei Jahre, für angemessen. Zudem sollte der 22-Jährige 100 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten und einen Bewährungshelfer an die Seite gestellt bekommen.

Sein Verteidiger meldete dagegen keinen großen Widerspruch an. Er erachtete eine Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je acht Euro allerdings als ausreichend.

Richter Hahn übernahm diese Art der „Verwarnung“ für den jungen Mann. Die Arbeitsauflage, fügte der Vorsitzende an, sollte er als Chance begreifen, auch mit Unterstützung des Bewährungshelfers eine dauerhafte berufliche Tätigkeit zu bekommen.

mm

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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