Sparkassen-Rückzug: Wrede (CDU) bringt neue Idee ins Spiel / Politik verlangt fixe Entscheidung

Rewe oder Rossmann am Gieschen-Kreisel?

Erledigt? Langgestreckter Neubau am Kreisel. entwurf: ksk

Achim - Von Michael Mix. Der Unmut über die Entscheidung der Kreissparkasse (KSK) Verden, in keinen repräsentativen Neubau am Gieschen-Kreisel zu ziehen und stattdessen weiterhin die Geschäftsstelle in der Fußgängerzone zu betreiben und damit dort von der Stadt angepeilte Ladenflächen zu verhindern, ist bei den Achimer Kommunalpolitikern groß. Im Ratsausschuss für Wirtschaft, Stadtentwicklung, Umwelt und Verkehr war am Dienstagabend im Beisein von KSK-Vorstandsmitglied Matthias Knak sogar von Schadenersatzforderungen die Rede.

Aus Reihen der Volksvertreter gab es aber auch Vorschläge, um raus aus dem Dilemma zu kommen. Volker Wrede (CDU) brachte die Idee ins Spiel, dass die Sparkasse ein Gebäude am Kreisel mit Rewe oder Rossmann als Mieter im Erdgeschoss und Räumen für das Geldinstitut darüber errichten könnte. Denn sowohl der Verbraucher- als auch der Drogeriemarkt klagten über beengte Verhältnisse in der Marktpassage. Einer von beiden könnte sich ja an Ort und Stelle erweitern, meinte Wrede, während der andere am neuen Standort am Kreisel mehr Platz hätte.

Einstimmig befürwortete der Ausschuss den Antrag des Christdemokraten, die Verwaltung zu beauftragen, mit der KSK bis zur Sommerpause ein „zielführendes Ergebnis“ für die städtebauliche Entwicklung des Grundstücks am Kreisverkehrsplatz zu verhandeln. Denn die vertraglich festgelegte Frist, wonach die Fertigstellung eines Baus bis Ende 2023 zu erfolgen hat, sei viel zu lang für dieses Areal an hervorragender Stelle, erklärte Wrede.

Ebenfalls einhellig folgte der Ausschuss dem Antrag von Herfried Meyer (SPD), dass Bürgermeister Rainer Ditzfeld eine Stellungnahme des Verwaltungsrats der KSK zu dem ganzen Vorgang einholen solle. Denn das 15-köpfige Aufsichtsgremium des Instituts bestehe zu zwei Dritteln aus Kreistagsabgeordneten. Er sei gespannt, wie sich die zehn Vertreter der Gemeinden im Verwaltungsrat in dieser für die Stadt Achim wichtigen Frage positionierten, erläuterte Meyer.

Zunächst hatte der im Ratssaal mit am Tisch sitzende KSK-Mann in der öffentlichen Sitzung noch mal die Gründe für den Beschluss des Vorstands, den geplanten Neubau zu verwerfen, dargelegt. „Das Thema ist betrüblich“, bekannte Knak gleich zu Beginn. Den ursprünglichen Entwurf für ein 4 100 Quadratmeter Raum bietendes Gebäude habe der Vorstand am Ende um 1 000 Quadratmeter abgespeckt, „trotzdem konnten unsere preislichen Vorstellungen nicht eingehalten werden“, sagte Knak mit Blick auf die boomende Baukonjunktur. Statt einer Tiefgarage seien nur noch 35 oberirdische Parkplätze vorgesehen gewesen. Der mit der Stadt abgeschlossene Vertrag schreibe einen Bau bis Ende 2023 vor. „Es muss aber nicht zwingenderweise ein Sparkassengebäude sein“, betonte Vorständler Knak.

Um sogleich Verblüffendes zu verkünden. „Wir sind in Achim auf Flächensuche. Denn wir wollen das Firmenkundengeschäft am Standort ausweiten“, sagte Matthias Knak und fügte hinzu: Eine grundlegende Sanierung des 2 600 Quadratmeter umfassenden Sparkassengebäudes an der Obernstraße 51 „wäre nicht wirtschaftlich“.

Darüber hinaus räumte das Vorstandsmitglied der KSK ein, dass sich das ganze Geschäftsmodell angesichts der Digitalisierung im Wandel befinde. Immer mehr Kunden sagten: Ich gehe nicht mehr in die Sparkasse. Knak sprach von einer „krisenhaften Entwicklung“ im Bankgewerbe. „Für einige in der Branche geht es ums wirtschaftliche Überleben.“

„Enttäuscht und verärgert“ über die KSK-Entscheidung zeigte sich Bürgermeister Ditzfeld. Inzwischen hätten sich „einige Interessenten“ für einen Neubau auf dem Gelände am Kreisel gemeldet. „Schlecht wäre es, wenn sich die KSK jetzt bis 2023 ohne Aktivitäten zurückziehen würde“, merkte Ditzfeld an. Leider sei nun auch der Plan, die Marktpassage von hinten an das vorhandene Sparkassengebäude anzubinden und damit mehr Fläche für Läden zu erzielen, Makulatur. „Ich erwarte, dass sich der Vorstand und der Verwaltungsrat der KSK auf die mit Abstand größte Stadt im Landkreis zubewegen“, äußerte der Achimer Bürgermeister.

Ebenfalls erzürnt zeigte sich Karl-Heinz Lichter (CDU). Das geplante Gebäude sei auch als Lärmschutz für die dahinter stehenden neuen Wohnhäuser gedacht gewesen, und eine Tiefgarage wäre wichtig, um genügend Parkplätze in dem Gebiet zu haben. Lichter will die KSK nicht so leicht davonkommen lassen. Die Stadt solle „klären, ob Schadenersatzansprüche zu stellen sind“.

In diesem Punkt sehe sie zunächst mal keinen Ansatz, erwiderte die im Rathaus mit dem Vorhaben befasste Planerin Angelika Steinbach. Die Stadt will nun nach ihren Worten mit der KSK darüber verhandeln, ob diese nicht wenigstens als Mieter in einen Neubau am Kreisel einziehen könnte. Die Wohnhäuser auf dem ehemaligen Scherf-Gelände verfügten an sich über ausreichenden Lärmschutz, und ob, wie geplant, 69 Parkplätze in einer Tiefgarage vonnöten seien, gelte es zu prüfen.

Matthias Knak sah „Schaden auf beiden Seiten“. Der Stadt seien jetzt in der Fußgängerzone die Hände gebunden, während die KSK auf den Planungskosten sitzen bleibe. „Ein Schaden wäre es, wenn Sie dem Eigentümer des Grundstücks Maßnahmen dort verwehren würden“, ließ Knak den Ausschuss wissen. Eine schnelle Entscheidung in dieser Angelegenheit sei für sein Haus schwierig. „Ich bin unsicher, was ich morgen brauche.“

SPD-Fraktionschef Meyer wollte die KSK indes „nicht so schnell aus der Verantwortung entlassen“. Denn diese beschere der Stadt eine Brache am Kreisel und eine Blockade bei der Innenstadtentwicklung. Wie auch Christine Vornholt (Grüne) wies Meyer den KSK-Vorstand auf den Widerspruch in Sachen Flächenbedarf hin und warf ihm vor: „Sie haben uns hingehalten, und das haben Sie heute mit Ihrem Auftritt keineswegs entkräftet.“

Die Einzelhändler hätten „sehr viel Hoffnung“ in die beabsichtigte Innenstadtentwicklung gesetzt, legte Rudi Knapp, Ehrenvorsitzender der Unternehmergemeinschaft Achim, nach. Ein Investor habe 1 200 Quadratmeter Ladenfläche schaffen wollen; ein namhafter Elektronikmarkt sei an dem zentralen, bis auf Weiteres durch die Sparkasse blockierten Standort interessiert gewesen. Die KSK, führte Knapp weiter aus, fahre insbesondere dem Betreiber der Marktpassage und dessen Erweiterungsplänen in die Parade.

„Die Sparkasse als Sündenbock für alles zu betrachten, geht zu weit“, entgegnete Knak. Der Vorstand habe natürlich auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht gehandelt. Und ob Rewe, Rossmann oder ein anderer Mieter in einen Neubau am Kreisel ziehen solle, müsse „die Stadt mitentscheiden“.

Wrede kritisierte auch die Verwaltung. „Ich hätte mit Ihnen keinen Vertrag in dieser Art geschlossen“, sagte der CDU-Mann. Da seien sechs Punkte aufgelistet, mit denen die KSK aus dem Kontrakt aussteigen könne.

„Es ist ein Schaden eingetreten“, stellte Ute Barth-Hajen (Grüne) fest. Denn die Entwicklung der Stadt sei um Jahre zurückgeworfen worden. Und Larne Sprenger (fraktionslos) hätte sich in der Sitzung von Knak „neue Ideen“ gewünscht.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

15 Ratsmitglieder in Weyhe verabschiedet

15 Ratsmitglieder in Weyhe verabschiedet

Relax Pur für 2 – jetzt zum Schnäppchenpreis von 29,99 Euro

Relax Pur für 2 – jetzt zum Schnäppchenpreis von 29,99 Euro

Kalte Füße im Bett? Diese Bettdecken sorgen für einen guten Schlaf

Kalte Füße im Bett? Diese Bettdecken sorgen für einen guten Schlaf

Meistgelesene Artikel

Herbstkirmes auf dem Verdener Warwickplatz kommt bei Familien gut an

Herbstkirmes auf dem Verdener Warwickplatz kommt bei Familien gut an

Herbstkirmes auf dem Verdener Warwickplatz kommt bei Familien gut an
Wieder Anlaufstelle für Radler

Wieder Anlaufstelle für Radler

Wieder Anlaufstelle für Radler
Fluten von Dörverden bis Uphusen

Fluten von Dörverden bis Uphusen

Fluten von Dörverden bis Uphusen
18-Jähriger rast gegen Baum: Tödlicher Unfall zwischen Dörverden und Westen

18-Jähriger rast gegen Baum: Tödlicher Unfall zwischen Dörverden und Westen

18-Jähriger rast gegen Baum: Tödlicher Unfall zwischen Dörverden und Westen

Kommentare