Erneut harter Schlag für Gastronomie

Restaurants wegen Corona dicht – und der Außer-Haus-Verkauf lohnt sich nicht

Vom Lockdown stark betroffen: Christian Detert und Nicole Urban, Betreiber der Alten Feuerwache in der Fußgängerzone.
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Vom Lockdown stark betroffen: Christian Detert und Nicole Urban, Betreiber der Alten Feuerwache in der Fußgängerzone.

„Der Außer-Haus-Verkauf ist, verglichen mit dem normalen Geschäft, nicht existent“, erzählt Christian Detert von der Alten Feuerwache. Nicht nur das Speiserestaurant am Marktplatz leidet unter den neuen coronabedingten Verboten. Die Gastronomiebetriebe dürfen seit dem 2. November keine Gäste mehr in ihren Lokalen begrüßen. Für die Achimer Restaurants sind die Auswirkungen verheerend.

Achim – Christian Detert erzählt, dass seine Gerichte ursprünglich nicht zum Mitnehmen gedacht waren. „Unsere Gäste nehmen sich Zeit zum Essen. Wenn der ,Feuerwache-Burger’ 20 Minuten durch Achim kutschiert wird, ist es nicht mehr das, was wir wollen.“

Ähnlich sieht es auch Jetmir Neziri vom italienischen Restaurant Davide“. Er könne seine laufenden Kosten mit dem neuen Verkaufsmodell nicht decken. Vor Corona habe er ausschließlich mit Gästen vor Ort Umsatz gemacht, sagt der Besitzer des Lokals am Bahnhof.

„Goldene Drachenburg“ Achim: Sonst mehr als 30 Gäste am Mittag

Dass es sich dabei nicht um Einzelfälle handelt, bestätigt ein Besuch im Chinarestaurant Goldene Drachenburg“. „Das ist heute erst der zweite Kunde “, erzählt Inhaberin Sun Li Ha, als ein Mann um 13 Uhr nach der Speisekarte fragt. Vorher habe das Lokal an der Herbergstraße mittags mehr als 30 Gäste bewirtet, berichtet sie.

Wirt Detert findet die strikten Einschränkungen gegenüber den Gastronomiebetrieben nicht fair. Er könne zwar den Gedanken verstehen, dass Einrichtungen, die nicht essenziell für das Leben sind, geschlossen werden. Allerdings denke dabei niemand an die Unternehmer. „Ich habe das Gefühl, dass nicht ernsthaft verstanden wird, was mit uns passiert. Wir sind die Bauernopfer. Wir wollen nicht reich werden, sondern davon leben.“

Von ehemals mehr als 40 Mitarbeitern ist das Team der Feuerwache bereits auf 16 geschrumpft. Rund 20 bis 30 Prozent des gewohnten Umsatzes habe sein Restaurant seit Beginn der Corona-Pandemie lediglich erwirtschaftet, so Detert.

Restaurant-Öffnung im Dezember? Detert rechnet nicht damit

Auch der Blick in die Zukunft ist ungewiss. So stellt sich der Wirt zum Beispiel die Frage, inwiefern er für das Weihnachtsgeschäft planen kann. Aktuell rechnet Detert nicht damit, dass er sein Restaurant im Dezember wieder öffnen darf.

Alle drei Gastronomen sprechen davon, wie sorgfältig sie die Hygienemaßnahmen beachtet haben. „Wir als Betreiber haben nichts falsch gemacht“, findet Detert, der neben der Feuerwache mit seiner Partnerin Nicole Urban noch zwei weitere Restaurants besitzt.

Die angedachte Ausgleichszahlung des Bundes von bis zu 75 Prozent der Umsätze des Novembers im Vorjahr stimmt Detert nur bedingt zufrieden. Die Antragstellung sei kompliziert, und er frage sich, warum es keine 100-prozentige Zahlung gebe. Aufgeben kommt für Christian Detert trotzdem nicht infrage, denn „Gastronomen sind Kämpfer“, sagt er.

Achimer Passanten haben kaum Verständnis für Gastronomie-Einschränkungen

Die Einschränkungen für Gastronomiebetriebe stoßen auch in der Achimer Fußgängerzone nicht nur auf Verständnis. Passant Armin Stickel habe sich bei seinen Restaurantbesuchen stets wohlgefühlt, berichtet er und lobte vor allem, dass das Personal ständig Mund-Nasen-Masken getragen habe. Außerdem hätten die Tische immer ausreichend Abstand zueinander gehabt. „In Supermärkten habe ich mehr Angst, mich anzustecken“, erzählt er weiter.

Der Achimer Heinrich Diers pflichtet ihm bei und sieht bei Restaurantbesuchen ebenfalls keine hohe Infektionsgefahr. „Draußen sitzen die Menschen teilweise dicht an dicht, und in den Restaurants haben sich die Betreiber an die Regeln gehalten.“

Von Max Schirmacher

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