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Stadt Achim setzt ein Zeichen: „Respekt! Kein Platz für Rassismus“

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Von: Michael Mix

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Bürgermeister Rainer Ditzfeld und Gitta Hahn von den „Omas gegen Rechts“ präsentieren das am Rathaus angebrachte Schild. Erst vor Kurzem hatte sich das Gymnasium am Markt, hier vertreten durch Petje Preuß und Lilli Jasper, zur „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ erklärt.
Bürgermeister Rainer Ditzfeld und Gitta Hahn von den „Omas gegen Rechts“ präsentieren das am Rathaus angebrachte Schild. Erst vor Kurzem hatte sich das Gymnasium am Markt, hier vertreten durch Petje Preuß und Lilli Jasper, zur „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ erklärt. © Mix

Achim – „Respekt! Kein Platz für Rassismus“. Dieser Appell ist jetzt am Haupteingang des Rathauses zu lesen. Allerdings wirkt das am Dienstagvormittag von Bürgermeister Rainer Ditzfeld und Gitta Hahn von der Achimer Gruppe „Omas gegen Rechts“ bei einer kleinen Feierstunde enthüllte kleinformatige Schild in Schwarz-Weiß zwischen verschiedenen Informationstafeln im Umfeld ein wenig verloren.

Viel schwerer wiegt natürlich dessen inhaltliche Bedeutung.

Das Stadtoberhaupt freute sich über diese „lobenswerte Initiative“ von Sibylle Boysen und Gitta Hahn von den „Omas gegen Rechts“. „Auf der Bürgerbeteiligungsplattform Achim-Dialog hat es dann eine große Mehrheit dafür gegeben“, sagte Ditzfeld. Und der Sozialausschuss sei sogar einstimmig dafür gewesen, „dieses Zeichen nach außen zu setzen“.

Paul Brandt (SPD), der das Ratsgremium leitet, machte sich für gegenseitigen Respekt stark. So müssten die politisch Tätigen die Bürgerinnen und Bürger achten, aber auch umgekehrt sollte das funktionieren. „Ohne Respekt gibt es keine Freiheit, keine Solidarität“, mahnte Brandt. Er freue sich über die hiesige große Empathiewelle für die seit dem Einmarsch der russischen Truppen notleidende ukrainische Bevölkerung. „Gleichzeitig aber sucht eine arabische Familie seit vier Jahren eine Wohnung in Achim.“

„Respekt! Kein Platz für Rassismus“ sei eine 2006 gegründete Initiative mit Sitz in Frankfurt (Main), die sich gegen Rassismus, Diskriminierung und Intoleranz richte, informierte Gitta Hahn. Auslöser dafür seien rassistische Ausfälle gegen farbige Spieler auf deutschen Fußballplätzen gewesen. Die Initiative werbe für ein respektvolles Verhalten gegenüber anderen, für Toleranz, Anerkennung und Wertschätzung. Das innerhalb der internationalen Wochen gegen Rassismus am Rathaus angebrachte Schild reiche natürlich nicht aus, sagte Hahn. „Wir brauchen Gegenrede, Gegenwehr“, ein „Halt, so nicht!“

Ihre Mitstreiterin Renate Witzel-Diekmann erinnerte an den 2019 versuchten Anschlag auf die Synagoge von Halle. Der rechtsextremistische Täter, der dann auf der Straße willkürlich mehrere Menschen tötete oder verletzte und von der Polizei gefasst wurde, müsse nun eine lebenslange Haftstrafe verbüßen. Dieses Urteil sei in der Gesellschaft auf breite Zustimmung gestoßen. „Wir alle müssen uns Hass und Hetze von rechts entgegenstellen“, forderte die Aktivistin.

Weitere Rednerinnen von „Omas gegen Rechts“ riefen noch andere Gewalttaten mit rechtsextremistischen Motiven ins Gedächtnis. Bärbel Richter nannte den 2019 verübten Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU), der sich für einen humanen Umgang mit Flüchtlingen eingesetzt habe. Angesichts solcher Exzesse sei es wichtig, Haltung zu zeigen. „Wir dürfen nicht zulassen, dass Politikerinnen und Politiker durch Fanatiker eingeschüchtert werden.“

Auch Carolin Selig vom in Achim ansässigen Jugendmigrationsdienst des DRK-Kreisverbands meldete sich zu Wort. „Rassistische Erfahrungen gehören für unsere Klienten zum Alltag.“ Angefangen bei Blicken, „die Leute treffen, die nicht als Deutsche gesehen werden“. Nicht nur abwertende Äußerungen wirkten erniedrigend. „Wir sind alle durch Vorurteile geprägt“, räumte sie ein. „Aber wir sollten uns das und die Auswirkungen davon bewusst machen und dagegen aufstehen.“

Solidarität vor Ort zu praktizieren sei enorm wichtig, hakte Carlos Morgado, Integrationsmanager der Stadt Achim, ein und führte ein Beispiel an. „Asylbewerber werden im Alltag häufig diskriminiert – das müssen wir uns bewusst machen.“

Das Gymnasium am Markt (Gamma) sei seit einer Woche offiziell „Schule ohne Rassismus – Schule für Courage“, sagte Schülersprecherin Petje Preuß. Selbstverständlich sei das Gamma deshalb nicht automatisch frei von Rassismus und Menschenfeindlichkeit, „aber wir möchten Präsenz zeigen bei solchen Themen“. In der Ukraine, nur fünf Flugstunden von hier entfernt, fügte die 17-Jährige hinzu, würden aktuell Zigtausende verletzt, getötet, „Menschenrechte mit Füßen getreten“.

Das Schild mit dem zum Denken und Handeln auffordernden Schriftzug „Respekt! Kein Platz für Rassismus“ soll und wird nicht auf das Rathaus beschränkt bleiben. „Wir haben daher die Sportvereine in Achim angeschrieben“, berichtete Svenja Meyer von der Freiwilligenagentur der Stadt zum Abschluss der Veranstaltung. Bisher hätten sich der TB Uphusen, der TV Baden und der FC Badenermoor gemeldet, die das Schild auf ihrem jeweiligen Vereinsgelände anbringen wollten. Und auch der DRK-Kreisverband wolle ein Signal setzen „für Respekt und gegen Rassismus“.

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