Mit „Remmidemmi“ und „Kuddelmuddel“

Yared Dibaba gibt mit Musikprogramm überzeugende Performance

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Yared Dibaba zeigte sich – fast unrealistisch für einen Norddeutschen – als ausgesprochene Frohnatur.

Achim - Von Lisa Duncan. Spätestens mit „Krawall un Remmidemmi“ gab es kein Halten mehr. Bei seinem Konzert in Achim lieh sich Entertainer, Sänger und Plattschnacker Yared Dibaba die Deichkind-Parole und unterlegte sie feinfühlig mit dem Kaffeetafel-tauglichen Udo-Jürgens-Hit „Aber bitte mit Sahne“.

Damit rissen Dibaba samt Musikern und den titelgebenden „Schlickrutschern“ am Freitagabend auch den kühlsten Norddeutschen aus seiner verschränkten Armhaltung heraus. Vielmehr sprang das Publikum in der Aula des Cato-Bontjes-van-Beek-Gymnasiums von seinen Sitzplätzen, um zu klatschen und zu tanzen.

Das „Remmidemmi“ bildete nur den Abschluss eines abwechslungsreichen und unterhaltsamen Abends, der von Shantys über Polka und Soulmusik („I need a Dollar“ wird zu „Ik bruk mehr Asche“) bis hin zu plattdeutschen Döntjes vieles zu bieten hatte. Der in der Region als Moderator von „Sport und Schau“ bekannte Yared Dibaba zeigte in Achim zur Abwechslung einmal seine musikalische Seite. 

Zuschauer werden mitgenommen

Wenn er von „Kaffee, so heiß, so schwarz, so gut“ singt, den Bierdurst an der Bar beklagt oder ankündigt „Ik schnack di Platt“, bietet das zwar textlich gesehen kaum Überraschungen, fügt sich aber gut in das restliche Konzept der Show ein. Denn Dibabas Stärke liegt genau darin, seine Zuschauer mitzunehmen und diese – ob sie wollen oder nicht – in das Geschehen auf der Bühne mit einzubeziehen. 

Das Publikum hielt es nicht mehr auf ihren Stühlen. Erst wurde mitgeklatscht und -gesungen, zum Schluss gab es Standing Ovations.

So lernt der ganze Saal schnell Hans-Georg und Herbert aus der zweiten Reihe kennen. Letzterer ist in Begleitung seiner Frau da, die zwar kein Platt schnackt, aber gern auch mal für den Angetrauten antwortet. Das sei bei ihm zu Hause genauso, winkt Dibaba ab.

„Kann dat angohn, dat de Schwatte platt schnackt“?, stellt er augenzwinkernd in den Raum, begrüßt mit den Worten „Ik bin ook n' Ossi“ Gäste aus Mecklenburg-Vorpommern und fügt eine Anekdote an, wie er als gebürtiger Ostafrikaner zum „Entwicklungshelfer für die plattdeutsche Sprache“ wurde. Den Gedanken, dass Vielfalt etwas Bereicherndes sein kann, bringt der Entertainer mit Leichtigkeit auf den Punkt. Dabei ist Dibaba keinesfalls Alleinunterhalter, sondern eher leidenschaftlicher Mannschaftsspieler.

Platt hat Vorteile

Das wird schnell deutlich, als er seine Mitmusiker vorstellt – mit Akkordeonspieler Alesch aus Slowenien, Pianist Andreas Paulsen aus Norwegen, Michel aus Westafrika an den Drums, einem Bassisten aus den USA und dem „Schlickrutscher“-Chor, ein aus verschiedenen Nationen bunt zusammengewürfelter Haufen oder „Kuddelmuddel“, wie man auf Platt sagt. Den Titel seines Songs „Klei mi an' Mors“ dürfen sie dann auch noch schnell in ihre Muttersprache übersetzen, so dass Dibaba am Ende feststellen muss, dass er anscheinend „der einzige Deutsche auf der Bühne“ ist.

Links der Bassist der Band und der Titel gebende Backgroundchor „Die Schlickrutscher“.

Platt habe gegenüber dem Hochdeutschen den Vorteil, dass man in dieser Sprache alles sagen könne. Da wird die Ehefrau liebevoll als „Schietbütel“ tituliert und das Mobiltelefon zum „Ackerschnacker“.

Auf die Schippe nimmt Dibaba so ziemlich alles, neben Anglizismen auch gerne mal die eigene Physiognomie. Bei Starbucks von den überbordenden Konsummöglichkeiten gefrustet, firdert er die Kaffeeverkäuferin entnervt auf, ihn anzuschauen: „Was meinen Sie, wie ich meinen Kaffee gern trinke?“ – „Schwarz?“ – „Nee, ohne Haare!“ Statt Klischees zu bedienen, durchbricht er sie und hinterfragt auch ganz ernsthaft Begriffe wie „Flüchtling“ und „Südländer“ („Is dat een, de ut Hamburg-Harburg kümmt?“).

Mit weiteren Show-Perlen wie „St. Pauli“ und „Jo, dat hebb wi“ (zur Melodie von „Cause I'm Happy“) hat der Wahl-Hamburger am Ende auch Nicht-Plattschnacker wie Hans-Georg spielend integriert.

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