„Ich bin eigentlich kein echter Sozi“

Reiner Aucamp blickt auf 15 Jahre politisches Engagement zurück

Mit Blick auf seinen großen Garten und die Badener Marschlandschaft: Reiner Aucamp entspannt sich auf der Balkonterrasse seines Wohnhauses.
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Mit Blick auf seinen großen Garten und die Badener Marschlandschaft: Reiner Aucamp entspannt sich auf der Balkonterrasse seines Wohnhauses.

Achim/Baden – „Große staatstragende Reden waren nie mein Ding. Damit haben andere auf sich aufmerksam gemacht – oftmals Leute, die über die Liste in die Gremien gekommen sind“, sagt Reiner Aucamp rückblickend. Er verlässt nach 15-jährigem Engagement die kommunalpolitische Bühne.

Das Umfeld, in dem sich der heute 77-Jährige wohlgefühlt hat, war stets die Basis. „Ich war ein Kümmerer“, meint Aucamp und erläutert: „Ob mich Bürger angesprochen haben, weil ihre Straßen kaputt waren, die Beleuchtung nicht funktionierte, jemand Hilfestellung bei Baugenehmigungen brauchte, eine Schulbushaltestelle fehlte oder mehr: Ich habe mich der Sache angenommen. Dabei hat mir oft der gute Draht zum Bauhof geholfen.“

Dieser Einsatz vor Ort schlug sich auch bei den Wahlergebnissen nieder, bei denen der Badener seine sowieso schon gute Stimmenzahl jeweils noch deutlich steigern konnte und die ihn in den letzten fünf Jahren sogar in den Kreistag hievte. Doch auch bei größeren Objekten hatte die Stimme des Sozialdemokraten, der versuchte, stets teamorientiert mitzuwirken, durchaus Gewicht.

Aucamp: „Ich habe beispielsweise im Kreistag klare Position bezogen für den Bau einer Fahrradbrücke in Intschede und habe im Stadtrat die Amazon-Ansiedlung immer offensiv vertreten, weil ich mich bei einem Besuch bei Amazon in Emden davon überzeugen konnte, wie reibungslos dort die Verkehrsströme abgeführt werden. Und genau so gut funktioniert es jetzt in Achim.“ Auch Achim-West hält er übrigens für unabdingbar: „Wir brauchen die Arbeitsplätze und Steuereinnahmen, um weiterhin eine gute Infrastruktur gewährleisten zu können – vor allem mit Blick auf Schulen und Kindergärten.“

Einiges, was derzeit auf der lokalpolitischen Ebene passiert, bereitet Aucamp allerdings leichte Bauchschmerzen: „Obwohl ich selbst dafür gestimmt habe, glaube ich, dass die Einführung einer Oberstufen-IGS ein Fehler war.“

Und mit Blick auf den Bau von immer mehr Krippen kommt bei ihm die konservative Ader durch: „Ich weiß nicht, ob schon Einjährige tagtäglich dort abgeliefert werden müssen. Aber das ist halt heute so, wie ich es auch bei meinen Enkeln erlebe.“ Auch die Bestimmung, dass sich in der Achimer Fußgängerzone keine Dienstleister wie Versicherungen ansiedeln dürfen, versteht er nicht: „Besser als Leerstand.“

Der gelernte Bankkaufmann verbrachte den Großteil seines beruflichen Werdeganges bei Dodenhof als Teamleiter in der Verwaltung. Erst als Späteinsteiger kam er 2005, kurz vor der Rente, in die Kommunalpolitik. Er macht auch keinen Hehl daraus, warum: „Hans-Jürgen Wächter hat in Uphusen im privaten Bereich Mitgliederwerbung mit Blick auf seine SPD-Bürgermeisterkandidatenkür betrieben. Sein Badener Gegenpart war Karlheinz Gerhold. Und den wollte ich unterstützen.“

Gerhold scheiterte ebenso wie später Wächter. Reiner Aucamp blieb und stellt pragmatisch fest: „Ich bin eigentlich kein echter Sozi, gehöre eher dem rechten Flügel an. Aber die Partei bot mir den größten Gestaltungsspielraum.“ In höherer Position, nämlich als stellvertretender Bürgermeister, hatte er einen zusätzlichen interessanten und nicht zu unterschätzenden Aufgabenbereich: „Die Besuche bei Ehejubiläen, höheren Geburtstagen oder offiziellen Empfängen haben immer Spaß gemacht, mir viel gegeben und auch meinen Horizont erweitert. Ich habe viele nette Leute kennengelernt, wobei es für mich selbstverständlich war, auch traurigen und unglücklichen Menschen zuzuhören, beispielsweise im Altenheim.“ Aucamp weiter: „Das Salz in der Suppe waren die Auslandsaufenthalte als ,Botschafter‘ beispielsweise in der Achimer Partnerstadt Cesis oder unserem Partnerkreis Preußisch Elau.“

Dazu kam jede Menge Arbeit als Parteisoldat – vom Plakatekleben über den aktiven Wahlkampf für sich und vor allem andere bis hin zur Organisation zahlreicher Veranstaltungen. Bestimmend blieb aber stets die Arbeit vor Ort. Und dieser Ort hatte einen Namen: Baden.

Dort wirkte Reiner Aucamp, geboren in der Wolfsschlucht, in großen und kleinen Angelegenheiten. In seinem Heimatort war er etliche Jahre als Ortsausschussvorsitzender auch Ansprechpartner. „Quasi als Bürgermeister“, meint er mit einem stolzen Schmunzeln im Gesicht.

Langeweile dürfte bei dem rüstigen Senior auch in Zukunft nicht aufkommen. Ehefrau Dietlinde sowie die beiden Kinder samt zweier Enkel stehen natürlich an erster Stelle. Auch fürs Lesen, Radfahren und Reisen will er sich künftig mehr Zeit nehmen. Und Aucamp hat auch noch einige Projekte im Hinterkopf: „Ich möchte aktiv in der Geschichtswerkstatt werden, eine Familienchronik erstellen und einen plattdeutschen Gesprächskreis gründen.“ Na denn man to.  

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