Achimer Jugendliche fragen Kommunalpolitiker

„Rechtfertigungen wollen wir nicht hören“

Zeigen Initiative und wollen noch mehr junge Menschen mobilisieren: Finn-Niklas Gerken (20) und Lea Dabbert (14).
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Zeigen Initiative und wollen noch mehr junge Menschen mobilisieren: Finn-Niklas Gerken (20) und Lea Dabbert (14).

Achim – Klartext reden: Das wünschen sich bekanntlich viele Bürger von der Politik. Zwei junge Menschen aus Achim haben aus diesem Wunsch jetzt eine konkrete Forderung gemacht und Kommunalpolitiker der im Achimer Stadtrat vertretenen Gruppierungen zu einem Gespräch eingeladen. Das Motto lautet entsprechend direkt: „Redet mal Klartext.“ Termin ist am Donnerstag, 3.

Juni, ab 19 Uhr im Kulturhaus Alter Schützenhof (Kasch); angesichts der derzeitigen Situation findet die Runde ohne Zuschauer statt, wird aber live in einem Stream übertragen. Gegenwärtig sind die beiden Organisatoren dabei, die Aktion bekannt zu machen und Flyer zu verteilen – denn die Fragen sollen von anderen Jugendlichen ihrer Generation gestellt werden. Motto: „Wir stellen Deine Frage an unsere Kommunalpolitiker.“

Die Parteienvertreter stehen dann vor allem vor der Herausforderung, die Fragen, die ihnen gestellt werden, in einer Redezeit von 60 Sekunden zu beantworten. „Lange Nebensätze sind nicht mehr möglich“, sagt der 20-jährige Finn-Niklas Gerken, der die Aktion ins Leben gerufen und die 14-jährige Lea Dabbert ins Boot geholt hat. Beide kennen sich seit Jahren unter anderem von der DLRG, wo Finn Lea trainiert hat. Warum er sie dabei haben wollte? „Weil ich weiß, dass sie das kann“, sagt Finn lachend. Der 20-Jährige, der seit einem Badeunfall vor fünf Jahren querschnittsgelähmt ist und im Rollstuhl sitzt, absolviert derzeit eine Ausbildung bei der Stadt und ist auch ehrenamtlich sehr aktiv. Die Initiative habe er angestoßen, weil seine bisherigen Versuche, bei der Politik ein verbessertes Angebot für Jugendliche zu erreichen, noch nicht richtig gefruchtet hätten. „Viel passiert ist nicht gerade“, sagt er.

Zwar gebe es in Achim schon eine große Vereinsvielfalt, viele Menschen seien gut eingebunden, man habe auch das Kasch. Aber: „Es geht natürlich immer auch noch besser.“ In seiner Generation herrsche das Gefühl vor, dass in Achim viel für ältere Menschen getan werde und auch die Kitas immer wieder ein wichtiges Thema seien – „aber wir dazwischen fallen häufig durchs Raster.“ Also werde jetzt einigen Politikern auf den Zahn gefühlt, die auch schnell zugesagt hätten. Im Einzelnen machen die Fraktionsvorsitzenden von CDU, Bündnis 90 / Die Grünen und WGA, Isabel Gottschewsky, Silke Thomas und Wolfgang Heckel, sowie Christoph Pein für die FDP mit. Wer für die SPD kommt, steht noch nicht fest. Zu einem späteren Zeitpunkt könnte es dann auch noch eine Runde mit den Bürgermeisterkandidaten geben – zumindest ist das angedacht.

Was erhoffen sich die Macher von der ersten Runde am 3. Juni? „Zunächst einmal, dass wir möglichst viele Fragen bekommen“, sagen die beiden. „Wir möchten einiges anstoßen und die Jugend so gut wie möglich beteiligen“, fügt Finn hinzu. Und dann hoffen sie auf klare Aussagen seitens der Politik. „Es wäre schon schön, wenn es zukünftig mehr Möglichkeiten gäbe, wo wir hingehen können“, sagt Lea, die sich außerdem wünscht, dass „aus dem, was wir anstoßen, möglichst viel Input kommt.“

Wie ist das in ihrem Jahrgang, wie wird Politik –  wenn überhaupt – da verhandelt? Diskutiert man über die Parteien? „Nein“, sagt Lea, „nicht über die Parteien, aber schon über die Inhalte.“ Die Umwelt sei unter anderem ein großes, wichtiges Thema. Und was wünscht sie sich konkret von der Politik? „Dass man mehr versteht und mehr eingebunden wird.“

Freundlich, aber bestimmt wolle man moderieren, fügt die 14-Jährige hinzu. Und Finn sagt: „Rechtfertigungen wollen wir nicht hören, nur klare Aussagen.“ Dass sein Traum, ein Jugendparlament mit Rederecht, wie es das etwa in Wolfsburg gibt, nicht gleich dabei herausspringen wird, ist dem 20-Jährigen zwar auch klar. Aber, so das Credo der beiden: „Man kann nicht erreichen, was man nicht versucht hat.“

Von Frank Schümann

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