Für die Ratsmehrheit haben die Fußgängerzone und die Versorgung in Ortsteilen Priorität

Kein Achimer Einkaufszentrum

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Die ehemalige Lieken-Brotfabrik mitten in der Stadt am Bahnhof aus der Vogelperspektive. Die Industriebrache wird Achim erst einmal erhalten bleiben.

Achim - Die klare Mehrheit des Achimer Stadtrats will also, wie schon vom Kreisblatt gestern berichtet, kein Fachmarktzentrum mit Lebensmittel-Vollsortimenter auf dem Lieken-Gelände. Es waren nicht viele und nicht neue Argumente, die in der langen, sachlichen Ratsdebatte am Donnerstagabend vorher ausgetauscht wurden.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Karl-Heinz Lichter warb für den neuen Kundenmagneten in Achim, der Einkaufsfahrten nach Bremen und Posthausen erspare und viele Arbeitsplätze schaffe. SPD und Grüne sollten nicht an die großen Supermarktketten, sondern an die Verbraucher denken. Nach einem Kaufhaus auf dem Schmiedeberg, einem Einkaufszentrum zwischen Rathaus und Gericht sei das die dritte große Chance, die Achim verspielen könne. Parteifreund Rüdiger Dürr ergänzte, das Einkaufszentrum auf dem Liekenareal werde ein Weckruf für die verschlafene Innenstadt. Entscheidend sei doch, dass wieder Menschen in die Stadt kämen.

Christdemokrat Jürgen Striedieck sieht bei den Gegnern des Einkaufszentrums Angst und Mutlosigkeit und weiß: „Die Schnellen schlagen die Langsamen“. Und Isabell Gottschewsky (CDU) befürchtet so, dass das Projekt auch im Oytener Gewerbepark verwirklicht werden könnte.

Ganz anders die SPD und die Grünen: Fraktionschef Herfried Meyer, Bernd Junker (beide SPD), Axel Eggers und Silke Thomas (beide Grüne) sehen durch ein Achimer Einkaufszentrum neuere positive Entwicklungen in der Fußgängerzone sowie die ortsnahe Lebensmittelversorgung der Bevölkerung in den Ortsteilen gefährdet. Junker: „Ein Vollsortimenter, der mehr als doppelt so groß ist wie der Verbrauchermarkt in Bierden, ist hier nicht zu verantworten.“

Herfried Meyer verwies auf die vertraglichen Verpflichtungen Achims innerhalb des Kommunalverbundes, die eine Ansiedlung dieser Größe an dieser Stelle ausschlössen.

Dem entgegnete Wolfgang Heckel (WGA), dass Dodenhof und der Weserpark sich doch auch ständig erweiterten, und Karl-Heinz Lichter, dass die Kommunen Bremen und Ottersberg doch auch machten, was sie wollten. Achim sollte sich nicht so binden, sondern die Mitgliedschaft im Kommunalverbund kündigen.

Der angehende Handelsfachwirt Larne Sprenger (CDU) wusste, dass in Niedersachen im Durchschnitt 0,5 Quadratmeter Verkaufsfläche pro Kopf existierten. Dieser Wert werde in Achim erst erreicht, wenn das Lieken-Einkaufszentrum stehe.

Dem Ratsvorsitzenden Hans-Jürgen Wächter (SPD) schließlich missfiel, dass der potenzielle Investor hundert Prozent durchsetzen wolle und dass das Projekt ohne Beteiligung der Bürger und Anwohner beschlossen werden solle.

Achims „gute Stube“, die Fußgängerzone, habe jetzt so gute Perspektiven wie nie und würde durch den Mega-Lebensmittelmarkt gefährdet.

Dem CDU-Fraktionschef Lichter hielt er vor, sich vor einem Jahr noch klar gegen das Einkaufszentrum ausgesprochen zu haben. Lichter bestätigte seinen Positionswechsel, weil ein weiteres Jahr in der Innenstadt überhaupt nichts geschehen sei. „Man muss auch dazulernen und flexibel sein können“, sagte er.

Schließlich noch der Investor Peter Skrabs, der auf Antrag der CDU gegen den Widerstand der SPD doch noch das Wort bekam. Für ihn fangen die Arbeit, Bürgerbeteiligung und eine Serie von Sitzungen erst nach einem positiven Beschluss an, sagte er.

Für die geplanten 30 Millionen Euro Investitionen bekomme er von einer Bank nur einen Kredit, wenn er ein klares, stimmiges Konzept und feste Geschäftspartner habe. Nach ihrer jahrzehntelangen Erfahrung mit Einkaufszentren in Mittelstädten am Rande von Großstädten gehe das nur mit einem Lebensmittel-Vollsortimenter. Jeder Gutachter, der Städten etwas anderes erzähle, stehe dann später ohne Investor da.

Der Worte waren genug gewechselt. Nach einer von der SPD beantragten Sitzungsunterbrechung setzten sich Rot-Grün und Einzelkämpfer aus WGA und FDP in den von der CDU beantragten geheimen Abstimmungen durch: Kein großer Lebensmittelmarkt auf dem Liekengelände und Priorität für die Entwicklung der Fußgängerzone.

mb

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