1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landkreis Verden
  4. Achim

Achimer Rathaus als Energieschleuder

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Michael Mix

Kommentare

Energiefresser: Im Achimer Rathaus wird aufgrund des hohen Glasanteils an der Fassade besonders viel Wärme und auch Strom verbraucht. archiv
Energiefresser: Im Achimer Rathaus wird aufgrund des hohen Glasanteils an der Fassade besonders viel Wärme und auch Strom verbraucht. archiv © Mix

Achim – Die Energiepreise explodieren. Lange vor Beginn des Krieges in der Ukraine und daraus erwachsenden wirtschaftlichen Folgen für die Verbraucher flatterten der Stadt Achim allerdings schon saftige Rechnungen für die Strom- und Wärmeversorgung ihrer Liegenschaften ins Haus. Das Rathaus zählt dabei zu den größten Kostenverursachern, wie Jan Norrmann, von der Kommune beauftragter Gebäudeenergieberater der Firma Target, jüngst im Ratsausschuss für Bauunterhaltung und Umwelt darlegte.

550 000 Kilowattstunden standen nach seinen Angaben im „Glaspalast“ für wohlige Raumtemperaturen 2019 am Ende auf dem Zähler. „Bezogen auf den Verbrauch pro Quadratmeter wird in anderen Rathäusern vergleichsweise weniger als die Hälfte dieser Menge verheizt“, sagte Norrmann. Der Grund für den hohen Energiebedarf des Achimer Verwaltungsgebäudes ist offensichtlich. Norrmann verwies in der Sitzung auf den hohen Glasanteil an der Fassade, die dadurch nur unzureichend gegen Kälte, aber auch Hitze isoliert sei.

Bei den von der Firma Target untersuchten 15 Objekten in der Stadt verzeichnete die Grundschule Uesen mitsamt der Turnhalle und nicht zuletzt der Schwimmhalle den „größten absoluten Wärmeverbrauch“, gefolgt von der Realschule und der Grundschule Baden, einschließlich der dortigen Hallen. Bezogen auf die Fläche sticht das Uesener Gebäudeensemble mit 236 Kilowattstunden pro Quadratmeter ebenfalls heraus.

Das Rathaus steht am meisten unter Strom, könnte man etwas flapsig sagen. Nicht nur absolut, sondern auch relativ gesehen ist dort der Verbrauch am höchsten – 58 Kilowattstunden pro Quadratmeter hat Norrmann registriert. Dahinter landen die Grundschule Uesen mit den Sporteinrichtungen (42 Kilowattstunden) und die Lahofhalle (36 Kilowattstunden).

Im Rathaus fließt auch das meiste Wasser durch die Hähne. Flächenspezifisch liegt Norrmann zufolge allerdings die Grundschule Bierden samt Turnhalle mit 0,94 Kubikmetern Wasserverbrauch pro Quadratmeter vor dem Rathaus (0,43 Kubikmeter).

Der von der Bundesregierung beschlossene CO2-Preis als Beitrag zum Klimaschutzprogramm 2030 treibt die Energiekosten weiter in die Höhe. Seit dem vorigen Jahr sind für fossile Heiz- und Kraftstoffe 25 Euro pro Tonne anfallendem Kohlendioxid zu zahlen, bis zu 55 Euro pro Tonne werden 2025 fällig. Dann müsse die Stadt – die 2020 in öffentlichen Gebäuden verursachten 1 140 Tonnen CO2 zugrundegelegt – mit zusätzlichen Kosten in Höhe von etwa 62 500 Euro rechnen, sofern es nicht gelinge, den Energieverbrauch zu verringern, mahnt Jan Norrmann.

Er schlägt ein Bündel von Maßnahmen vor, um den Haushalt und letztlich den Steuerzahler zu entlasten. Folgende Stichpunkte listet der Experte auf: „Umstieg auf klimaschonende Technologie (Wärmepumpe), Einsatz von erneuerbarer Energie (Pellet, Hackschnitzel, Solarwärme), Kombination von fossiler, klimaschonender Technologie und / oder Nutzung erneuerbarer Energie, Sparen von Energie durch Modernisierung, Nutzerschulungen und ganzheitlicher Ansatz über ein Quartier, zum Beispiel über Nah-/Fernwärme“.

Viele dieser Vorschläge könnten auch Privathaushalte umsetzen, um den Gas- und Stromverbrauch zu drosseln, den eigenen Geldbeutel zu entlasten und gegen die Klimakrise anzugehen. Den größten Handlungsbedarf im öffentlichen Raum sieht Norrmann bei den Liegenschaften in Uesen, dem Rathaus und der Grundschule am Paulsberg mit Turnhalle.

Die CO2-Steuer ausgeklammert, könnte die Stadt insgesamt jährlich „fast 312 500 Euro“ an Energiekosten einsparen, hat Norrmann ausgerechnet. „Davon sind 82 000 Euro alleine im Rathaus theoretisch realisierbar.“  mm

Auch interessant

Kommentare