Gegen Geldauflage

Prozess in Verden nach Raserei durch die Marsch eingestellt

Achim - Von Wiebke Bruns. Gerade war etwas Ruhe in das Thema Angler und Befahren der für landwirtschaftlichen Verkehr freigegebenen Wege in der Bierdener Marsch eingekehrt, da verhandelt des Landgericht Verden ein Berufungsverfahren gegen einen Angler.

Der zum Tatzeitpunkt 52-Jährige aus Westertimke (Samtgemeinde Tarmstedt) war nicht nur auf einem dieser Wege gefahren, er soll sich dabei auch noch der Nötigung schuldig gemacht haben.

Die rasante Fahrt hatte bereits am 3. August 2017, und somit vor dem Fahrverbot für die Angler, stattgefunden. Wie das Amtsgericht Achim in erster Instanz festgestellt hatte, wollte der Angeklagte einen Bekannten bei einem der Angelplätze besuchen und soll sich auf die damals noch geltende Sondergenehmigung berufen haben.

Auf derselben Strecke unterwegs waren zwei Hundebesitzer, die ihre Vierbeiner frei laufen ließen. Eine Frau soll dem Fahrer eines „Sprinter ähnlichen Fahrzeugs“ gestikulierend signalisiert haben, dass er sein Tempo drosseln soll, so die Feststellungen im erstinstanzlichen Urteil. Dies habe der Angeklagte aber nicht getan. Ein zweiter Fußgänger soll auf der Straße stehen geblieben sein. 

Die Frau habe ihren Hund geschnappt und sei mit diesem Richtung Büsche gesprungen. Ein Außenspiegel des Fahrzeugs soll ihren Kopf nur knapp verfehlt haben. Der Mann sei auch im letzten Moment zur Seite gesprungen, stellte das Amtsgericht fest. 45 Tagessätze à 45 Euro wegen Nötigung sollte der Angeklagte zahlen. Zudem ordnete das Amtsgericht ein zweimonatiges Fahrverbot an. Doch der Angeklagte legte Berufung gegen das Urteil ein und hatte mit Verteidiger Michael Hellwig einen geschickten Fürsprecher an seiner Seite. Selbst wirkte der Westertimker mit seinen Argumenten eher unbeholfen.

Das Ganze tue seinem Mandanten sehr leid, betonte der Anwalt. Insbesondere die schweren Folgen für die Frau. Diese war zwar nicht direkt verletzt, aber erst 14 Tage zuvor operiert worden, sodass der Sprung gesundheitliche Folgen für sie hatte. „Wir brauchen nicht über eine Einstellung zu reden, wenn Einsicht fehlt“, betonte der Vorsitzende Richter Joachim Lotz. „Egal, wer sich auf der Fahrbahn befindet, ob Mensch oder Hund, als Autofahrer habe ich alles zu unterlassen, was diese gefährden könnte, weil sie den Kürzeren ziehen“, verdeutlichte er dem Angeklagten.

Dieser hat keine Vorstrafen, aber zwei Einträge im Fahreignungsregister. Nachdem er sich bei der Frau entschuldigt hatte, die noch immer unter dem Eindruck des Erlebten steht, wurde das Verfahren eingestellt – gegen die Zahlung von 2000 Euro, die je zur Hälfte an die Verkehrswacht und den Nabu Achim gehen. Gespart hat sich der Angeklagte 25 Euro und zwei Monate Fahrverbot. 

wb

Rubriklistenbild: © dpa-tmn

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