Koloss aus Kunststoff ersetzt Kessel aus Stahl 

Pumpwerk Blocksberg wird generalüberholt

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Das Pumpwerk Blocksberg ist hübsch mit Graffiti besprüht und steht oberhalb des „Drei-Flüsse-Ecks“ in Baden.

Achim - Von Michael Mix. Rund um die Uhr drückt das Pumpwerk Blocksberg nahe der Weser in Baden die dort und in den beiden benachbarten Langwedeler Ortsteilen Etelsen und Cluvenhagen anfallenden Fäkalien in Richtung der Achimer Kläranlage. 2500 Kubikmeter Abwasser, von rund 11.500 Einwohnern produziert, laufen jeden Tag in dem auffällig mit knallig-bunten, thematischen Graffiti hübsch verzierten Häuschen am Karlheinz-Gerhold-Platz oberhalb des „Drei-Flüsse-Ecks“ zusammen, erfährt der Berichterstatter beim Ortstermin. Nun, nach etwa 27 Jahren im Dauereinsatz, steht eine halbmillionenteure Generalüberholung des Pumpwerks an.

„Der Stahlkessel ist angerostet und weist nicht mehr genügend Wandstärke für einen langfristigen Betrieb auf“, nennt Uwe Schmoecker, Leiter des Eigenbetriebs Abwasserbeseitigung der Stadt Achim, einen wesentlichen Grund für die schon Anfang März anstehende Sanierung. Der marode Koloss soll durch ein Riesengefäß aus Kunststoff ersetzt werden. Der neue Kessel aus dem langlebigen Material PEHD wird nach Angaben von Schmoecker in Teilen geliefert und vor Ort zusammengeschweißt.

Die aufwendige Baumaßnahme dient aber auch dazu, die Arbeitssicherheit in der Anlage zu verbessern. Denn in dem kleinen Gebäude, dessen Kern ausgetauscht wird, aber dessen „Außenhaut“ erhalten bleibt, steckt zwar eine Menge Technik, aber hin und wieder müssen Menschen eingreifen. „Gefährliche Arbeiten wie das Einsteigen in den Kessel und dessen Aussaugen, um Feststoffe zu entfernen, fallen künftig weg“, erläutert Schmoecker beim Ortstermin. Ein Verrücken der Pumpen durch Manpower sei dann ebenfalls nicht mehr notwendig.

Die Sanierungsarbeiten, die bis Mitte Mai angesetzt sind, zielen außerdem darauf ab, die Leitungs- und Pumpkapazität am Blocksberg zu erhöhen. „Wir reagieren damit auf gewachsene Einwohnerzahlen und die Ausweitung des Badener Gewerbegebiets“, erklärt der 61-jährige Betriebsleiter.

Betriebsleiter Uwe Schmoecker hat viel Arbeit vor sich.

Die Pumpleistung der Anlage ist schon jetzt beachtlich. Die laut Schmoecker etwa 900 Meter lange Druckrohrleitung überbrückt einen Höhenunterschied von rund 45 Metern am Weserhang.

Ein Gefälle, das durchaus Probleme bereitet und bestimmte Sicherheitsvorkehrungen erfordert. „Der Rücklauf des 30 Kubikmeter umfassenden Leitungsvolumens aus der Höhe gefährdet die Leitung. Da wirken ja immerhin 30 Tonnen drauf ein“, weiß der Fachmann.

Um die Druckstöße zu reduzieren, müssten zwei Belüftungseinrichtungen in der Druckrohr-Leitung eingebaut werden. Die Kosten allein dafür beziffert Schmoecker auf rund 160.000 Euro.

Es bleibe aber bei einem sogenannten trockenaufgestellten Pumpwerk mit zwei „Kraftprotzen“. Jede Pumpe erbringe eine elektrische Leistung von 45 Kilowatt und schaffe bis zu 250 Kubikmeter pro Stunde. Gleichzeitig liefen beide aber nur in seltenen Fällen, da die maximale Aufnahmefähigkeit der Leitung begrenzt sei.

Der Kessel ist marode.

Eine Kapazitätserhöhung auf einem Feld zieht eine weitere auf einem anderen Gebiet nach sich. Aufgrund der Leistungsstärke der Pumpen müsse auch die benachbarte Trafostation vergrößert und ertüchtigt werden, sagt Schmoecker. Der neue Trafo, der Mitte April eingebaut werden soll, wird 250 Kilovolt-Ampere liefern. Der jetzige bringt es auf 160.

Während der Arbeiten wird nicht nur schweres Gerät auf dem kleinen Hügel anrücken, sondern auch die eine oder andere provisorische Lösung dort geschaffen werden müssen, vergisst Schmoecker nicht zu erwähnen. „Wir müssen ja die ganze Bauzeit über den Betrieb aufrechterhalten.“ Deshalb werden Fachleute neben dem bunten Häuschen am Blocksberg von März bis Mai vorübergehend eine Pumpenanlage aufbauen. Und auch während des voraussichtlich etwa einwöchigen Trafoaustauschs wird dort ein Provisorium „brummen“.

Erneuerung kostet bis zu 500.000 Euro

Die Erneuerung des Pumpwerks Blocksberg hat der Eigenbetrieb Abwasserbeseitigung zusammen mit dem Planungsbüro Frilling & Rolfs aus Vechta konzipiert. Die Kosten sind mit 460.000 bis 500.000 Euro veranschlagt.

Aber das ist noch längst nicht alles, was Uwe Schmoecker für dieses Frühjahr an Großinvestitionen auf dem Zettel hat. Etwa eine doppelt so große Summe wie für die Anlage am Blocksberg kalkuliert er für den Neubau des Pumpwerks auf der Kläranlage in Clüverswerder ein. „Wir haben keine Wahl: Die Elektrotechnik ist dort 20 Jahre alt. Das Provisorium, das wir auf einem benachbarten Feld aufbauen werden, kostet allein 200.000 Euro.“

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