Prozess um nächtliche Körperverletzung

Ein Schlag und schlimmes Ende

Achim - Von Manfred Brodt. Unumstritten ist bisher nur das Ende einer Auseinandersetzung am 28. September vor zwei Jahren um 3.55 Uhr an der Embser Landstraße, Einmündung Goethestraße. Der heute 29-jährige, durchtrainierte Angeklagte aus Verden hatte einem heute 28-jährigen Achimer einen in der Boxersprache „Schwinger“ genannten Faustschlag ins Gesicht versetzt, durch den er zu Boden schlug. Tiefe Brüche im Schädelbereich und an Gesichtsknochen, Hirnblutungen, Gedächtnisverlust, Schädigungen am Gehör und an Augen waren die Folgen dessen, was derzeit vor dem Achimer Amtsgericht nur als „Körperverletzung“ behandelt wird.

Über die Vorgeschichte gibt es gegensätzliche Versionen. Der Angeklagte und sein ihn in der Nacht begleitender Freund, ein Altenpfleger, berichteten, nach einem „feuchtfröhlichen“ Abend hätten sie zunächst vergeblich in tiefer Nacht noch mit dem Zug nach Bremen fahren wollen. Dann seien sie vom Bahnhof zur Bahnüberführung an der Embser Landstraße zurückgegangen. Dort begegneten ihnen auf Fahrrädern der 28-jährige Achimer und ein Freund. Der Altenpfleger erkannte auf dem Fahrrad jenen, dem er vor geraumer Zeit 50 Euro für Drogen gegeben und nichts bekommen haben will, und verlangte sein Geld zurück. Der bestritt das. Es entwickelte sich nun eine Mischung aus Gespräch und Gerangel, bei der nach Aussage des Angeklagten der 28-Jährige erst ihm mit dem Messer gedroht und dann seinem Freund, dem Altenpfleger, mehrfach ins Gesicht gefasst und das Messer an den Hals gesetzt habe. Deshalb habe er zugeschlagen. „O Mist, wenn er tot ist“, hätten sie gleich danach gesagt. „Dann muss ich in den Knast“, will der Angeklagte gesagt haben. Er alleine oder beide wollen das Opfer von der Straße gezogen, ihm das Messer abgenommen und den Krankenwagen gerufen haben. Anders die Gegenseite: Das Opfer bestreitet, ein solches Klappmesser besessen und benutzt zu haben. Das habe der Angeklagte in der Hand gehabt. Ansonsten kann er sich an nichts erinnern: „Mein Kopf ist leer.“

Sein Freund bestätigt das Messer bei den anderen und berichtet, er habe aus der Telefonzelle Hilfe gerufen und seinen Freund von der Straße geschleppt. Der Schläger und sein Begleiter seien davon gelaufen.

Das frühere geplatzte Geschäft „50 Euro für Drogen“ wird bestätigt, doch darüber soll mit dem ähnlich aussehenden Cousin des Opfers verhandelt worden sein. Also eine Verwechslung als Ausgangspunkt von allem?

Richter Matthias Hahn lässt pedantisch jedes Detail haarklein und wiederholt erzählen und befragt bestimmte Zeugen, auch das Opfer, barsch und laut, streckenweise eher ein scharfes Verhör als eine Zeugenvernehmung. „Lag er mit dem Kopf stadteinwärts oder stadtauswärts?“, ist eine von vielen Fragen. Als er aus dem Geschlagenen immer wieder trotz seiner Amnesie Antworten herausholen will, greift sein Anwalt Dr. Jürgen Meyer ein: „Jetzt reicht‘s!“ Und als der Richter den Freund des Geschlagene fragt, was der Niedergeschlagene nach dem Schlag und Sturz gemacht habe, verliert das Opfer die Nerven: „Was soll ich gemacht haben?“, ruft er in den Gerichtssaal. Sein Anwalt muss dem Verletzten die Gerichtsregeln erklären.

Die Sachverständige erklärt die schweren Verletzungen mit drei Einwirkungen stumpfer Gewalt: dem Schlag, dem Sturz und vielleicht Tritten, die der Angeklagte aber bestreitet.

Der Prozess wird mit Beweisanträgen fortgesetzt.

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